84  

Karlsruhe Kritik an Studie: "Zahlen zur zweiten Rheinbrücke sind nicht korrekt!"

Kommt die zweite Rheinbrücke zwischen der Fächerstadt und Wörth? Fünf Jahre, nachdem die Länder Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz das notwendige Planfeststellungsverfahren eingeleitet haben, schien es in Sachen zweite Rheinbrücke voran zu gehen. Die Stadt Karlsruhe will beim Verfahren nun auf die Bremse treten - denn noch gibt sie eine "Brücke zwischen den Brücken" nicht gänzlich verloren. Das Thema kommt bei der Sitzung aber nicht zum Abschluss.

Eigentlich schien in Sachen zweite Rheinbrücke alles klar zu sein. Nach langem Streit einigten sich Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz im August darauf, einen wichtigen Streitpunkt der Diskussion auf andere Weise anzugehen: die Querspange an der B36. Mit Zustimmung des Bundesverkehrsministeriums sieht die aktuelle Planung zwei separate Verfahren vor, eines zur zweiten Rheinbrücke und eines für die Anbindung an die B36.

"Unter dieser Voraussetzung kann dieses zentrale, länderverbindende Verkehrsprojekt jetzt richtig Fahrt aufnehmen", freute sich Landrat Christoph Schnaudigel Mitte Oktober noch. Dennoch landete das Thema bei der Sitzung des Karlsruher Gemeinderats am Dienstag ein weiteres Mal auf der Tagesordnung.

Ist eine "Brücke zwischen den Brücken" machbar?

Der Grund: Auf der einen Seite kann sich die Stadt Karlsruhe mit der Idee einer zweiten Rheinbrücke bislang noch immer nicht anfreunden. Bereits 2011 hatte sich die Stadt in einer Stellungnahme zum Planfeststellungsverfahren gegen die Planungen der Brücke ausgesprochen. Als Begründung führt die Verwaltung mehrere "recht gravierende" Mängel an, sowohl in Sachen Verkehrsplanung, Landschaftsplanung als auch Umweltschutz. Zudem kritisiert die Stadt, dass andere Alternativen im Verfahren gar nicht untersucht worden wären.

Planung zweite Rheinbrücke

Das Vorgehen, das die beiden Länder vorschlagen, birgt nach Auffassung der Stadtverwaltung die Gefahr, dass die Brücke "am unerwünschten Standort" entstehen könnte - und das ohne die Möglichkeit einer Entlastung des Ölkreuzes und der Südtangente. Stattdessen bringt die Stadt die Idee einer "Brücke zwischen den Brücken" - die sogenannte Variante D1 - wieder ins Spiel. Hierbei ist angedacht, ein Bauwerk parallel zur bestehenden Brücke bei Wörth zu errichten.

Das Problem: Auf Pfälzer Seite kam der Landesbetrieb Mobilität (LBM) zu dem Schluss, dass eine "Brücke zwischen den Brücken" nicht machbar ist. Diese Auffassung teilt auch das Regierungspräsidium in Karlsruhe. Die Stadt hat an dem Ergebnis allerdings ihre Zweifel. In manchen Punkten seien die Informationen nicht nachvollziehbar, eine vertiefende Prüfung sei mithilfe dieser Studie gar nicht möglich, so die Kritik. Damit ist die Machbarkeit einer "Brücke zwischen den Brücken" aus Sicht der Stadt alles andere als widerlegt.

Das sehen auch die SPD-, Grünen- und Kult-Gemeinderatsfraktion sowie die Linken-Stadträte so. "In der ergänzenden Planoffenlage durch Rheinland-Pfalz im Dezember 2015 haben die planenden Stellen weiterhin die Zahlen von 2010 zugrunde gelegt - mit der Begründung 'keine wesentlichen Veränderungen'", kritisieren sie in einem gemeinsamen Antrag.

Die Stadträte fordern, dass die veralteten Zahlen zur zweiten Rheinbrücke zu aktualisieren seien. Zudem solle auch das Modell der "Brücke zwischen den Brücken" in die Prognosen aufgenommen werden. "Schon beim Faktencheck im Jahr 2011 wurde ja deutlich, dass die Zahlen von Modus Consult, erhoben im Auftrag der planenden Behörden aus Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz, nicht korrekt sind", heißt es im Ergänzungsantrag.

Und auch das Thema B36-Anbindung landet in der Sitzung erneut im Karlsruher Gemeinderat. Im Gegensatz zur Stadtverwaltung drängen die Karlsruher CDU-Fraktion als auch die AfD-Stadträte darauf, das Planfeststellungsverfahren zügig einzuleiten.

Stadt zeigt Grenzen des Handelns auf

In beiden Fällen sieht sich die Stadt allerdings nicht zuständig. Sowohl der Bau der zweiten Rheinbrücke als auch der Bau einer Straßenanbindung zur B36 liege in der Straßenbaulast des Bundes, so die Stadt. "Ob und wann ein Planfeststellungsverfahren für die Anbindung an die B36 durchgeführt wird, entscheiden Bund und das Land Baden-Württemberg."

Da sich aber ohnehin schon bald die Möglichkeit ergeben könnte, dass sich der Gemeinderat mit dem Thema befassen müsse, empfiehlt die Stadt, die Diskussion über die B36-Anbindung im Planungsausschuss zu führen. Zu einer weiteren Diskussion kommt es bei der Sitzung im Gemeinderat damit nicht. Nach Rücksprache mit den Stadträten entscheidet Oberbürgermeister Frank Mentrup am Dienstag, das Thema zu vertagen. Im November soll die Diskussion fortgeführt werden.

Das sind die Mehrheitsverhältnisse im aktuellen Gemeinderat:

Fahren Sie mit dem Mauszeiger einfach über die Sitze und erfahren Sie mehr über die einzelne Stadträte!

Mehr zum Thema
Karlsruhes zweite Rheinbrücke: Eine zweite Rheinbrücke für Karlsruhe ob mit oder ohne Nordtangente wird schon lange diskutiert. Die Argumente der Rheinbrücken-Befürworter und der Rheinbrücken-Gegner in Karlsruhe, der Pfalz sowie den aktuellen Stand der Planung haben wir für Sie zusammengefasst.
Haben Sie einen Fehler entdeckt?
Unsere Sonderthemen
Das wird gerade bei ka-news heiß diskutiert
Die besten Themen
Kommentare (84)
Hinweis: Kommentare geben nicht die Meinung von ka-news wieder.
Bitte beachten Sie die Kommentarregeln und unsere Netiquette!
  •   mueck
    (9101 Beiträge)

    25.10.2016 19:26 Uhr
    !
    Und wer bei den empfohlenen Fahrten mal RICHTIG hinschauen würde, täte feststellen, dass die Brücke NICHT die Stauursache ist, sondern andere Ursachen stauverursachend sind, die durch die Brücke nicht gelöst werden.

    Eine Brücke mit 2x3 Spuren, wie sie jetzt vorhanden ist, kann die prognostizierte Verkehrsmenge locker über den Rhein bringen und von dieser Prognose sind wir noch deutlich entfernt mit seit Jahren stagnierenden Zahlen.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Icy
    (106 Beiträge)

    26.10.2016 23:34 Uhr
    Im Gutfall vielleicht...
    die Zeiten, in den wir nur neuwertige Straßen und Brücken auf Jahr(zehnt)e hinaus hatten sind vorbei. Ständig wird es auch weiterhin Staus geben weil irgendein Bauwerk gerade wieder saniert werden muss. Da nützt die zweigeteilte "ausreichend"leistungsfähige Rheinbrücke auch nichts wenn der Wörther Trog saniert werden muss.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   samsonsulzbach
    (428 Beiträge)

    26.10.2016 10:20 Uhr
    darauf würde ich mich nicht verlassen...
    Dass die Brücke überlastet ist, kann jeder persönlich feststellen: einfach mal zu Fuß über die Brücke gehen und versuchen, sich am Geländer festzuhalten!
    Gar nicht so einfach, wenn das Geländer sich auf und nieder zittert....
    Auf Dauer macht das kein Material mit und sei noch soviel Stahlbeton verbaut. Daraum wird auch so in ziemlich jedem Jahr die Brücke "saniert" (mit Verkehrseinschränkungen etc.)
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   mueck
    (9101 Beiträge)

    26.10.2016 12:16 Uhr
    !
    Jede Brücke schwingt, muss schwingen, sonst wäre soe falsch gebaut.
    Im übrigen ist die Rheinbrücke aus Stahl und nicht aus Stahlbeton.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   chris
    (342 Beiträge)

    25.10.2016 18:25 Uhr
    Die "Stadt Karlsruhe"...WER IST DAS?
    Im Artikel steht "die Stadt Karlruhe" sei gegen den Bau der zweiten Rheinbrücke - wer ist damit gemeint?
    KONKRET: Mentrup und seine SPD, die GRÜNEN das sind die Blockierer, inkl. gewissen Bekannten, Herr Hermann und Frau Splett, die in Stgtt die Fäden im Hintergrund in der Hand halten.

    ZUR SACHE: KA braucht die 2. Rheinbrücke "DEFINITIV", wer das nicht akzepiert, ist SACHFREMD unterwegs.

    Die Gründe die, die og Parteien vorbringen, sind allesamt NICHT stichhaltig, sondern verfolgen nur EIN ZIEL: Den Bau zu verhindern oder zumindest zu verzögern. DESTRUKTIV bis in den TOD...Frau Splett hat sich den NICHTBAU der zweiten Rheinbrücke zum Lebensziel gemacht. Tja - KARLSRUHER wählen ruhig weiter SPD und GRÜNE, wenn NIX mehr gehen soll. Gibt genug Beamte, die zu Fuß und mit dem Rad fahren können, in dieser langweiligen BEAMTENSTADT! Freut Euch!!! KA mal wieder dort wo es hingehört, ganz hinten eben!
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   dipfele
    (4240 Beiträge)

    26.10.2016 12:37 Uhr
    weil.....
    ... auf Pfälzer Seite ein Naturschutzgebiet zerstört werden würde und auf Karlsruher Seite Wohn- und Naherholungsgebiete. Die Autoegomanen sollten berücksichtigen, wenn vor ihrer Türe eine neue Strasse gebaut werden sollte, wie die dann reagieren würden. Jedenfalls kämme dann bestimmt der Naturschutz zum tragen.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   mhitzler
    (89 Beiträge)

    25.10.2016 23:01 Uhr
    Warum?
    Warum braucht Karlsruhe die 2. (korrekt: 3.) Rheinbrücke?
    Die Pendler, die in der Pfalz wohnen, und zu bequem sind, um die reichlich vorhandenen Bahnlininen zu nutzen, der Fernverkehr ( dem die französchie Ost/West-Autobahn zu teuer ist)?
    NE, wir brauchen nicht noch mehr Verkehr und Staus auf der Südtangente, und für die Pfälzer den nördlichen Hardwald opfern? Nein.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Mammut
    (585 Beiträge)

    30.10.2016 20:14 Uhr
    Es gibt bisher eine vollwertige Rheinbrücke....
    ...die in der Lage ist alle Transportaufgaben zu übernehmen.
    Wenn Ihre "erste" Rheinbrücke (die übrigens nicht als erstes gebaut wurde) mal wieder ausser Betrieb ist, dann läuft der Schienenersatzverkehr über die Rheinbrücke.
    Wenn diese ausser Betrieb ist - was angesicht der splettschen "Sanierung ohne Vollsperrung" bald der Fall sein wird - ist die Bahnbrücke nicht in der Lage, einen "Straßenersatzverkehr" zu bewältigen.
    Insofern ist das Gerede von einer "dritten" Rheinbrücke nur etwas für Leute, die demonstrieren müssen, dass sie bis drei zählen können.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  • unbekannt
    (427 Beiträge)

    25.10.2016 21:50 Uhr
    DIE Stadt Karlsruhe ..
    ... der OB und der GR wurden vor allem von Karlsruher Bürgern gewählt. Die Pendlerströme sind eher eine Sache von RLP die Staus sind aber auch auf Karlsruher Seite und da macht das Ding mit Anschluss an die Südtangente keinen Sinn. Wenn die Pfälzer das Ding an jener Stelle wollen dann bitte auch die Kosten tragen.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   mueck
    (9101 Beiträge)

    25.10.2016 19:14 Uhr
    Die "Stadt Karlsruhe"
    ... ist erst mal die Stadtverwaltung unter Führung des OB und unter Mithilfe der Stadtverwaltung mit den Fachleuten dort, die die Vorlage geschnitzt haben, die dann vom Gemeinderat genehmigt wurde, dem anderen Organ der Stadt Karlsruhe.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten

Seite : 1 2 3 4 5 6 7 8 9 (9 Seiten)

Schreiben Sie Ihre Meinung
Ein neues Posting hinzufügen
Fett Kursiv Link Zitat
Sie dürfen noch Zeichen schreiben