30  

Karlsruhe Dichter, reißfester, stabiler: Was hinter dem Beton steckt, der auf die Rheinbrücke kommen soll

Das hohe Verkehrsaufkommen belastet die Rheinbrücke zwischen Karlsruhe und Wörth. Bis zu 90.000 Fahrzeuge rollen an Werktagen über die Brücke, darunter auch viele Schwerlastfahrzeuge. Die Belastung durch viele tausend Autos und Lastwagen täglich haben ihre Spuren hinterlassen. Ein neuer Straßenbelag aus hochfestem Beton soll der hohen Verkehrsbelastung besser gewachsen sein.

Die Rheinbrücke Maxau ist im Umkreis von 25 Kilometern die einzige Verbindung zwischen Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz. Doch seit dem Bau Mitte der 1960er Jahre, als das Bauwerk auf eine tägliche Verkehrslast von knapp 30.000 Fahrzeugen ausgelegt war, hat sich der Verkehr auf der Brücke mittlerweile verdreifacht. Entsprechend belastet ist die knapp 300 Meter lange Brücke, die dringend saniert werden muss. Ein neuer Fahrbahnbelag aus hochfestem Spezialbeton soll die Fahrbahn fit machen für viele Jahre.

Untersuchungen einer Machbarkeitsstudie hatten gezeigt, dass die Fahrbahnplatte der Rheinbrücke durch die Verkehrsbelastung Ermüdungsprobleme aufweist. Diese Probleme führten in der Vergangenheit zu feinen Rissen an einzelnen Bauteilen oder bauteilverbindenden Schweißnähten.

Durch eine Verstärkung der Fahrbahnplatte mit sogenanntem ultra-hochfestem Faserbeton sollen die bestehenden Defizite wirkungsvoll und dauerhaft beseitigt werden. Demnach soll die Fahrbahnplatte großflächig durch Aufbringen einer dünnen Schicht des hochfesten Faserbetons versteift werden.

Rheinbrücke
Zehntausende Autos rollen tagtäglich über die Rheinbrücke Maxau. (Symbolbild) | Bild: Thomas Riedel

Die Verantwortlichen sprechen von einem "Super-Beton", der speziell für den Brückenbau konzipiert wurde. "Es kommt ein hochfester Beton zum Einsatz, der speziell entwickelt wurde, um Brückenfahrbahnplatten aus Stahl zu ertüchtigen", erklärt das Regierungspräsidium (RP) auf ka-news-Nachfrage. In Deutschland handelt es sich um ein neuartiges Verfahren, in den Niederlanden wurden bereits mehrere Brücken mit dem Spezialbeton saniert. 

Probeplatte muss betontechnologische Anforderungen erfüllen

Die Festigkeit des Betons soll dreimal so hoch sein, als bei herkömmlichem Straßenbeton. Stahlfasern, die in das Material gemischt werden, stabilisieren ihn zusätzlich. Dadurch wird der Straßenbelag widerstandsfähig und dicht. Mit einem herkömmlichen Standardbeton könne laut RP nicht die gewünschte Festigkeit, Dichtigkeit und der gewünschte Haftverbund erreicht werden.

Rheinbrücken-Beton
Mit einem solchen Förderband soll der Beton an die jeweilige Einbaustelle transportiert werden, denn anders als herkömmlicher Beton kann der ultra-hochfeste Beton nicht gegossen werden. | Bild: Lukas Hiegle

In Karlsruhe hakt es allerdings bereits bei der Vorbereitung, deswegen verzögerte sich die Sanierung der Rheinbrücke. Schon zwei Versuche, eine Probeplatte zu gießen um die auf ihre Haltbarkeit zu testen, scheiterten. Vor kurzem wurde in einem dritten Anlauf von dem beauftragten Unternehmen ein weiterer Versuch unternommen. In einigen Tagen soll sich zeigen, ob die Werte den erforderlichen Bedingungen des Regierungspräsidiums entsprechen.

"Nach wie vor die beste Methode zur Ertüchtigung!"

Die in den Niederlanden mit diesem Bauverfahren verstärkten Brücken bestätigen den Verantwortlichen aber, dass das Verfahren erfolgreich realisiert werden kann. Einige der dort ertüchtigten Brücken seien deutlich länger und weisen auch eine höhere Verkehrsbelastung auf als die Rheinbrücke Maxau, erklärt das Verkehrsministerium in einer Anfrage der Ettlinger Landtagsabgeordenten Christina Neumann-Martin zum Thema Sanierung der wichtigen Verbindung zwischen Karlsruhe und der benachbarten Pfalz. 

Am Super-Beton für Brückenbauwerke soll aber in jedem Fall festgehalten werden, einen 'Plan B' gibt es daher nicht. "Sollte die Probeplatte die erforderlichen Materialeigenschaften nicht aufweisen, ist durch die Baufirma auf eigene Kosten eine weitere Probeplatte herzustellen", erklärt das Regierungspräsidium. Nach Auffassung aller am Projekt Beteiligten steht keine bessere alternative und erprobte Methode zur Ertüchtigung der Rheinbrücke zur Verfügung.

Rheinbrücken-Beton
Der ultra-hochfeste Beton wurde speziell für Brückenbauwerke konzipiert. | Bild: Lukas Hiegle

Zelt soll Arbeiten von Wettereinflüsse unabhängig machen

Für das sichere Gelingen der Baumaßnahme sind Mindest- und Höchsttemperaturen sowie vorgegebene klimatische Bedingungen bei den Beschichtungs- und Betonierarbeiten notwendig. Schon im Sommer betonte das Regierungspräsidium, Sicherheit gehe vor Schnelligkeit, um die Stärken und Qualitäten des Betons optimal zu nutzen. "Um möglichst unabhängig von äußeren Einflüssen zu sein, wird die gesamte Baustelle für einen wesentlichen Teil der Arbeiten mit einem Zelt eingehaust sein", so das RP.

Rheinbrücke bei Maxau
(Symbolbild) | Bild: Thomas Riedel

Durch das Zelt sollen wettertechnische Einflüsse wie Regen, Schnee aber auch Hitze im Sommer und frostige Temperaturen im Winter ausgeschlossen werden. Der Einfluss ungünstiger Temperaturen kann dadurch deutlich vermindert werden. So soll eine höhere Planungssicherheit für das Sanierungsprojekt erreicht werden.

Trotz der Verzögerungen im Baubeginn - immerhin war der für August 2018 anberaumt - ist die Fertigstellung der Sanierung weiterhin wie ursprünglich geplant für Dezember 2019 vorgesehen.

Mehr zum Thema
Karlsruhes zweite Rheinbrücke | ka-news.de: Eine zweite Rheinbrücke für Karlsruhe wird schon lange diskutiert. Die Argumente der Rheinbrücken-Befürworter und der Rheinbrücken-Gegner in Karlsruhe, der Pfalz sowie den aktuellen Stand der Planung haben wir für Sie zusammengefasst.
Haben Sie einen Fehler entdeckt?
Unsere Sonderthemen
Das wird gerade bei ka-news heiß diskutiert
Die besten Themen
Kommentare (30)
Hinweis: Kommentare geben nicht die Meinung von ka-news wieder.
Bitte beachten Sie die Kommentarregeln und unsere Netiquette!
  •   Malerdoerfler
    (4652 Beiträge)

    11.10.2018 22:24 Uhr
    Am besten wir bleiben im Ländle
    und fahren nicht mehr nach drüben.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Saxonette
    (3 Beiträge)

    12.10.2018 12:10 Uhr
    Es gibt aber auch Leute,
    zugegeben es sind nicht so viele, die zum Arbeiten in die Pfalz müssen.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   kommentar4711
    (2065 Beiträge)

    11.10.2018 14:24 Uhr
    Soso
    "Sollte die Probeplatte die erforderlichen Materialeigenschaften nicht aufweisen, ist durch die Baufirma auf eigene Kosten eine weitere Probeplatte herzustellen" - Und wie oft will man das im Zweifelsfall machen wenn die Firma es einfach nicht hin bekommt? Und wenn das so kritisch ist, wie stellt man sicher, dass die 4 Platten auf der Brücke dann später auch den Vorgaben entsprechend? Da gibt es dann nämlich jeweils nur einen Versuch.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   glaubnetalles
    (210 Beiträge)

    11.10.2018 14:29 Uhr
    Mir
    probiere bis klabbt, und wenns net klabbt froge ma de Kredschmonn!
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Fiddelix
    (40 Beiträge)

    11.10.2018 13:45 Uhr
    Wir
    Stehen doch jetzt schon jeden Tag im stau....Und man kann das nicht einmal mehr an einer Tageszeit abhängig machen. Wissen die klugen Köpfe das auch? Zweite rheinbrücke ist ein muss! Das wird doch wieder nix mit Ende Oktober. Berliner Flughafen lässt grüßen
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   betablocker
    (3670 Beiträge)

    11.10.2018 11:17 Uhr
    Beton
    ist viel zu schwer, ich würd die Brücke aus Carbon laminieren. Sieht auch besser aus. Und die Pälzer Landeier können dann mit ihren carbonfolienbeklebten Toyota und Nissan Flügelmonstern drauf posieren. grinsen
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Bundesadler
    (297 Beiträge)

    11.10.2018 15:11 Uhr
    Das schlimmst Flügelmonster in Hagenbach
    (steht da jeden Abend rum wenn ich heimwärts fahre) hat ein Kennzeichen mit dem Anfang KA-KE, was auch ziemlich gut das Auto beschreibt.....
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   betablocker
    (3670 Beiträge)

    11.10.2018 18:28 Uhr
    Muss
    ich mal drauf achten. grinsen
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   denis_g_v
    (78 Beiträge)

    11.10.2018 09:21 Uhr
    ...
    Das RP hat aus dem Experiment in Rastatt scheinbar nichts gelernt. Daher sollten wir uns schon mal auf eine mehrmonatige Sperrung der Rheinbrücke einstellen 🤭
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   IchKA
    (619 Beiträge)

    11.10.2018 09:05 Uhr
    Superbeton und kein Plan B ?
    doch, endlich die 2. Brücke nördlich bauen und zwar nicht aus Stahlbeton, sondern aus Stahl, denn die Dauersanierungen der Stahlbetonbrücken in der BRD ist ein Jahrhundertgeschäft mit eingebauter Halbwertszeit.
    Jedenfalls sind diese Dauerstaus, oftmals zurück bis zu den Autobahnauffahrten, ein unhaltbarer Zustand, für Anlieger wie für Verkehrsteilnehmer. Obendrein ein permanenter volkswirtschaftlicher Schaden.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten

Seite : 1 2 3 (3 Seiten)

Schreiben Sie Ihre Meinung
Ein neues Posting hinzufügen
Fett Kursiv Link Zitat
Sie dürfen noch Zeichen schreiben