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Karlsruhe Willkommen Nanda: Wie geht es der Elefanten-Dame im Karlsruher Zoo?

Der Karlsruher Zoo wird zum Ruhesitz für alte Elefanten. Am Dienstag erreichte die erste neue Bewohnerin die Fächerstadt: Die 49-jährige Elefantendame "Nanda" aus einem Berliner Zirkus. Doch die Ankunft des Dickhäuters sorgt nicht nur für Freude unter den Tierfans - in den sozialen Netzwerken hagelte es Kritik. Die Vorwürfe: Ein zu kleines Gehege, die Trennung der alten Dame von ihrer früheren Artgenossin sowie ein vermeintlicher Stress für die Dreiergemeinschaft Shanti, Jenny und Rani.

Wie es dem Tier seit seiner Ankunft am Dienstagmorgen in seiner neuen Heimat ergangen ist, das wissen Chefelefantentrainer Robert Scholz und Ex-Besitzer Hardy Scholl. "Das wichtigste war, dass es dem Tier gut geht", sagt Scholl bei der offiziellen Vorstellung der neuen Bewohnerin am Mittwoch im Karlsruher Zoo.

15 Jahre hat "Nanda" mit ihm gelebt und gearbeitet - ursprünglich kommt die alte Zirkusdame aus Italien. "Sie ist ein sehr guter Elefant", erzählt Scholl, "mit einem gutmütigen Charakter." Der Abschied fällt schwer und dennoch war er notwendig, denn die 49-jährige Elefantenkuh leidet an Grauem Star und ist beinahe blind. "Sie erkennt in der Entfernung Umrisse", so Scholl, "aber alles in der näheren Umgebung wird schwierig." Die Elefantendame tastet sich überwiegend durch das Leben.

"Nanda" braucht ärztliche Betreuung

Ähnlich wie beim Menschen werden ärztliche Betreuung oder eine altersgerechte Umgebung zu wichtigen Faktoren bei alternden Elefanten. "Die Altersresidenz hier ist ein ganz, ganz toller Schritt", betont Scholl. Er hat sich bewusst für die Abgabe seines Tieres nach Karlsruhe entschieden - auch wegen der guten tierärztlichen Betreuung. Als einer der wenigen Zoos in Deutschland praktiziert man in Karlsruhe noch eine "Hands-On"-Haltung im Elefantengehege. Das heißt, das Pflegerteam hat einen engen Kontakt zu den Tieren.

Auch aus diesem Grund hat man sich beim Karlsruher Zoo bewusst für die "Altersresidenz" entschieden: Zunächst hatte man über eine große Elefantenzucht inklusive Anlage nachgedacht - diese Idee aber wieder verworfen. "Bis diese fertig gebaut ist, ist sie dann doch wieder zu klein", so Bürgermeister Michael Obert. Stattdessen gibt es ab Anfang 2018 - sofern der Gemeinderat in diesem Jahr grünes Licht zum Baubeginn im September 2017 gibt - eine großzügige Erweiterung des Elefanten-Außengeheges. Auf 3.000 Quadratmeter - bislang sind es rund 1.000. 

Laut Säugetiergutachten eignet sich die Anlage dann für sechs Elefanten - im Innenstall können bis zu fünf untergebracht werden. Aber die Übernahme von weiteren Elefanten sei vorerst nicht geplant, so Obert im Gespräch mit ka-news. Die Kosten für das neue Gelände belaufen sich laut Zoodirektor Matthias Reinschmidt auf rund 500.000 Euro. Diese werden jedoch doppelt investiert: Nachts sollen die Flusspferde die Außenanlage ebenfalls nutzen können - dann sind die Elefanten im Stall untergebracht.

Gerade Zirkustiere sind den engen Kontakt zu Menschen gewohnt und empfinden die Isolation als Verlustgefühl. Aber auch in Bezug auf die Tierpflege ist die Nähe zum Menschen ein wichtiger Vorteil - wenn der Tierarzt mal eben die Füße untersuchen muss oder die heilende Wundsalbe auftragen, beispielsweise nach dem tragischen Zoobrand im Jahr 2010. In Zoos können Elefanten bei guter Pflege bis zu 70 Jahre alt werden - in freier Wildbahn undenkbar. Noch deutlicher wird Bürgermeister Obert: Kommt der Arzt nicht zur Pflege an das Tier, muss dieses je nach Erkrankung eingeschläfert werden.

Wie macht sich "Nanda" bislang?

Bislang hat sich die alte Dame gut in die "Wohngemeinschaft" eingefügt: "Alle waren ruhig und relaxed", erzählt Cheftrainer Robert Scholz. Die neue Mitbewohnerin steht aktuell noch separiert im Elefantenhaus - sie muss sich erst an die neue Umgebung gewöhnen. Probleme bei der Integration von "Nanda" in die bestehende Elefantengruppe sieht Scholz nicht: Man hat ein gutes Gefühl. Die nächsten Nächte wird die Dame noch von einem Tierpfleger betreut - danach soll sie sich eingewöhnt haben. Sollte es länger dauern, auch kein Problem: "Wir haben keine Eile", sagt Scholz.

"Das Verhältnis der Tiere zueinander wird sich ändern", sagt der Chefelefantentrainer, "wie es sich ändern wird, kann keiner sagen, im besten Fall wird es eine neue Viererkonstellation." Und im schlimmsten Fall - verträgt sich "Nanda" nicht mit den den drei Bewohnerinnen Shanti, Jenny und Rani. Dann muss sie wieder abgegeben werden. Doch danach sieht es nicht aus: Die vier Elefantendamen hätten sich bereits "berüsselt", so Scholz. Und Ex-Besitzer Scholl ergänzt: "'Nanda' hat mit ihm schon geschmust, als wäre es ich."

Scholl wird weiterhin im Karlsruher Zoo nach seiner "Nanda" schauen, doch Zuhause wartet das Zirkusunternehmen und "Maya" - die frühere Gefährtin von "Nanda". "Sie ist nicht alleine", betont Scholl. Der Elefant sei zum einen sehr auf die Zirkusfamilie fixiert, zum anderen soll sie bald eine neue Kameradin bekommen. Man kennen einen Elefanten, der aktuell ebenfalls alleine lebe, so Scholl.

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  •   Rundbau-Gespenst
    (9735 Beiträge)

    08.06.2016 23:29 Uhr
    es bleibt zu hoffen, das der Herr Zirkusdirektor
    für seinen ehemaligen, lebenden Inventar, den er langjährig ausgebeutet hat, künfftig noch finanzielle Aufwendungen tätigen wird.

    Andere Unternehmen müssen ja auch z.B. für ihre Schrott-Kfz die Entsorgung berappen...
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  •   kommentar4711
    (1486 Beiträge)

    09.06.2016 12:13 Uhr
    Anstatt
    Anstatt immer nur zu nörgeln sollte man froh sein, dass es nun einen Elefanten weniger in einem kleinen Zirkus gibt und stattdessen einen mehr in einem sicher deutlich tiergerechteren Artenschutzprojekt im Zoo.
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  •   ALFPFIN
    (5731 Beiträge)

    09.06.2016 10:24 Uhr
    Vielleicht sollten Sie das dem
    Gemeinderat vortragen. Für die Kosten, die wir dann für den Unterhalt der Frau Elefantin einsparen, wäre es sicher möglich, die im Stadthaushalt eingesparten Glückwunschkarten wieder an die älteren Karlsruher Bürger zu schicken. Oder man könnte für eingesparte Unterhaltskosten doch noch einen Kopierer zusätzlich anschaffen. grinsen

    Ich wünsche der Elefantin trotzdem noch ein paar geruhsame Jahre und unseren älteren Mitbürgern trotz fehlender Glückwunschkarten von der Stadt ein gesundes Alter. grinsen
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  •   NackterMann
    (669 Beiträge)

    09.06.2016 09:15 Uhr
    Du machst mich
    Neugierig....
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  •   Rundbau-Gespenst
    (9735 Beiträge)

    08.06.2016 23:31 Uhr
    oh,
    in der Überschrift fehlt ein "s".

    Wer es findet kann es sich als Rüssel-Schlüsselnhänger um den Hals hängen.
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  •   Kartoffelsalat
    (460 Beiträge)

    09.06.2016 03:49 Uhr
    -
    Dafür ist ein f zuviel.
    Im zweiten Kommentar fehlt ein a und ein Komma. zwinkern
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