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Karlsruhe Meine morgendliche Segway-Tour durch den Zoo: Von badenden Elefanten, fruchtbaren Flusspferden und viel Ruhe

Es ist Donnerstagmorgen, kurz nach 8 Uhr: Der Karlsruher Zoo liegt noch still und verschlafen da. Die wenigen Tiere, die schon wach sind, genießen die Ruhe. Doch die Stille wird jäh unterbrochen und den Bewohnern des Zoos bietet sich plötzlich ein seltsames Bild: Eine über 20 Mann und Frau starke Personengruppe saust auf surrenden, futuristischen Zweirädern an den Gehegen vorbei. Was ist da los?

Zooführung einmal anders - das wird seit eineinhalb Jahren bei der "Earlybird" Segway-Tour durch den Karlsruher Zoo groß geschrieben. Denn: Man erkundet den Zoologischen Stadtgarten nicht nur per Elektro-Flitzer, sondern auch noch vor den offiziellen Öffnungszeiten. So sollen die Teilnehmer die frühmorgendliche Stimmung in einem Zoo erleben können. Gleichzeitig kommen sie so mit den anderen Zoobesuchern nicht - Achtung Wortspiel - ins Gehege.

Segway-Tour Karlsruher Zoo
Die Segways stehen bereit. | Bild: Melissa Betsch

Klingt toll, also habe ich beschlossen, mir die Tour mal anzuschauen - oder besser: mitzufahren. Und so finde ich mich an einem Donnerstagmorgen im Karlsruher Zoo wieder: Begrüßt werde ich zusammen mit den anderen Teilnehmern von Zoodirektor Matthias Reinschmidt, Baubürgermeister Michael Obert und Klaus Hoffmann, Geschäftsführer der Karlsruhe Tourismus GmbH. Sie werden uns auf der Tour begleiten. Nach ein paar einleitenden Worten geht es auch schon los. "Jeder bekommt einen Helm und eine kurze Einweisung", sagt Jürgen Reiss, Inhaber der Firma Cityseg Karlsruhe, die die zweistündigen "Earlybird"-Touren anbietet.

Segway-Tour Karlsruher Zoo
Von links: Cityseg-Chef Jürgen Reiss, Klaus Hoffmann, Geschäftsführer der Karlsruhe Tourismus GmbH, Zoodirektor Matthias Reinschmidt und Bürgermeister Michael Obert. | Bild: Melissa Betsch

"Kopf hoch" beim Segway-Fahren - noch sind meine Knie etwas wacklig

Mithilfe der Segway-Guides erklimme ich mein Segway - die Nummer 5. "Kopf hoch!", höre ich immer wieder mahnende Stimmen - denn sobald ich auf meine wackeligen Knie hinunter sehe, fängt das zweirädrige Gefährt bedrohlich an zu kippeln.

Doch wackeln darf es ruhig, denn gesteuert wird der Segway nur durch Verlagerung des Körpergewichts. Auch wenn die Lenkung denkbar simpel ist, habe ich zuerst noch so meine Probleme damit. Aber schon nach wenigen Minuten haben ich und die anderen Teilnehmer den Bogen raus - und die Tour beginnt.

Segway-Tour Karlsruher Zoo
Zoo-Guide Stefanie Monninger führt die Teilnehmer durch die Tour. | Bild: Melissa Betsch

Gemächlich rollen wir durch den Stadtgarten, vorbei an träge auf dem See treibenden Booten und verschlafenen Enten, die am Ufer ihr Gefieder putzen. Unseren ersten Zwischenstopp machen wir am Rosengarten. Hier versorgt uns Zoo-Guide Stefanie Monninger mit wissenswerten Informationen zur Geschichte des Zoos. Für sie ist die Segway-Tour heute auch eine Premiere, erzählt sie.

Gibt es bald Flusspferd-Nachwuchs?

Nach einer kurzen Fahrt erreichen wir das Elefantengehege. Die steile Holzbrücke davor entpuppt sich für mich und andere Segway-Neulinge als unerwartetes Hindernis: Gar nicht so einfach, beim Abwärtsrollen sein Gleichgewicht zu halten!

Doch schließlich haben es alle geschafft und werden mit einem exklusiven Blick auf Elefantendame Lina belohnt, die gerade auf das Außengehege geführt wird. Der Dickhäuter entscheidet sich sogleich für ein erfrischendes morgendliches Bad und macht uns, die unter ihren Helmen ordentlich schwitzen, ein klein wenig neidisch.

Segway-Tour Karlsruher Zoo
Elefantendame Lina nimmt ein kühles Bad. | Bild: Melissa Betsch

Während wir unsere Tour fortsetzen, kommen auch die letzten Zoobewohner aus ihren Gehegen und werden von ihren Pflegern versorgt. Immer wieder machen wir kurze Pausen, bei denen Zoo-Guide Monninger uns dieses oder jenes Detail zu den Tieren auf den Anlagen verrät. So erfahren wir beispielsweise, dass Flusspferddame Kathi  nach dem tragischen Tod ihres Sohnes Karl Wilhelm im letzten Jahr  nun endlich wieder trächtig werden könnte! "Vielleicht haben wir dann bald wieder ein Baby-Hippo im Zoo", meint Monninger.

Flusspferd Karl Wilhelm
Das Flusspferd Karl Wilhelm im Jahr 2015. | Bild: Paul Needham

Gegen Ende der zweistündigen Rundfahrt sind wir alle ziemlich erschöpft: Durch das dauerhafte Balancieren auf den Segways brennen unsere Füße. "Keine Sorge, das wird noch schlimmer!", lacht Cityseg-Chef Jürgen Reiss.

Elektro-Flitzer schafft 20 Stundenkilometer

Als Entlohnung für unser wortwörtliches Stehvermögen erhaschen wir zum Schluss einen Blick auf das knapp drei Wochen alte Zebrafohlen auf der Afrika-Anlage. Eifrig werden Fotos geschossen, begleitet von entzückten Ausrufen der weiblichen Teilnehmer, bevor wir mit einer Höchstgeschwindigkeit von 20 Stundenkilometern entlang des Seeufers wieder Richtung Ausgang brettern. 

Segway-Tour Karlsruher Zoo
Das kleine Zebrafohlen zeigte sich den Tour-Teilnehmern. | Bild: Melissa Betsch

Selbst diejenigen, die - wie ich - ihren Segway vor Beginn der Tour noch argwöhnisch beäugt hatten, gleiten nun behände und mit strahlenden Gesichtern über den Asphalt. Und auch ich muss zugeben: Am Ende bin ich doch ein kleines bisschen wehmütig, dass ich meinen elektrischen Flitzer wieder abgeben muss.

 

Die "Earlybird" Segway-Tour findet immer donnerstags und samstags ab 6.30 Uhr (im Winter ab 7.30 Uhr) statt. Die Fahrt dauert rund zwei Stunden und kostet pro Person 59 Euro. Segway-Kenntnisse sind nicht nötig, vor der Tour gibt es eine Einweisung samt Übungsfahrt. Die Teilnahme ist auch für Erwachsene ohne Mofa- oder Autoführerschein und für Kinder ab 12 Jahren gestattet.

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  •   hubendubel
    (45 Beiträge)

    28.07.2018 21:27 Uhr
    Im Gegensatz zu den Segway „Fahrern“ bewegen sich die Nilpferde wenigstens. Dieser segway-Kram geht mir sowas von auf den seg. Der Zoo ist nicht wirklich so groß, als das man ihn nicht in einer Stunde durchgelatscht wäre. Inkl tiereguggn. Mal drüber nachdenken.
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  •   Chris23
    (307 Beiträge)

    29.07.2018 09:57 Uhr
    Mir sind die hetzer ...
    ... unsymppathisch die unter einer Stunde durch dem Zoo rennen zwinkern Und ja hier werden zwei Freizeit veranstaltungen kombiniert, einmal der Zoo besuch inklusive Führung und das Segway fahren. Wodurch der Pfleger aber evtl. 20 minuten Länger schlafen darf, da die Füürhung ja vor der Öffnung beendet werden soll.
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