45  

Karlsruhe Aufschrei wegen Aufpreis im Karlsruher Zoo: Ist der Artenschutz-Euro eine versteckte Preiserhöhung?

Im Oktober 2018 hat der Karlsruher Gemeinderat den Artenschutz-Euro für den Zoo beschlossen. Seit Jahresbeginn kostet der Eintritt in den Zoologischen Stadtgarten daher einen Euro mehr, das Geld fließt in die zooeigene Artenschutzstiftung - zumindest, wenn man dem nicht widerspricht. Der Umstand treibt manche Karlsruher aber zur Weißglut, das sei eine versteckte Preiserhöhung. Ist das so?

Elf Euro kostet der Eintritt in den Karlsruher Zoo für einen Erwachsenen, zwölf Euro, wer den Artenschutz-Euro noch mitbezahlen möchte. Die Betonung liegt dabei auf "möchte", denn: Jeder erwachsene Besucher - Kinder zahlen den "Aufpreis" nicht - kann dem Artenschutz-Euro an der Kasse widersprechen.

Damit ist der Karlsruher Zoo nach eigenen Angaben Vorreiter in Deutschland, auch der Dresdner Zoo hat bereits nachgezogen und die freiwillige Abgabe eingeführt. "Die Erkenntnisse aus den ersten beiden Monaten sind, dass über 90 Prozent der Besucher das für gut empfinden und diesen Euro auch bezahlen. Das Modell kommt gut an", sagt Matthias Reinschmidt, der Direktor des Zoos, im Gespräch mit ka-news.

Verdacht auf versteckte Preiserhöhung

Das gilt wohl allerdings nicht für jeden Zoobesucher: So beschreibt eine Karlsruherin in den sozialen Netzwerken, dass sie nicht auf den zusätzlichen Euro hingewiesen worden sei. Erst auf Nachfrage beim Kassenpersonal, warum der Eintritt denn teurer sei, als im Internet ausgewiesen, sei die Sprache auf den Artenschutz-Euro gekommen. Ihr Verdacht: Bei dem Artenschutz-Euro könnte es sich um eine versteckte Preiserhöhung handeln. 

Zoo Eingang Bahnhof
Versteckte Preiserhöhung beim Karlsruher Zoo? (Symbolbild) | Bild: Paul Needham

Das weist Matthias Reinschmidt entschieden zurück. Bis auf die Diskussion in den Social Media-Kanälen sei noch kein negatives Feedback an den Zoo zurückgekommen. Er verweist auf die transparente Kommunikation: "Wir haben das an der Kasse mit zwölf Euro ausgeschildert und den Artenschutz-Euro deutlich markiert", sagt der Zoodirektor gegenüber ka-news.

"Deutlicher kann man es nicht machen!"

"Wer den nicht bezahlen möchte, sagt das an der Kasse. Das schreiben wir auch im Internet so - deutlicher kann man es nicht machen!" 

Fortschritt Bauarbeiten Zoo
Zoodirektor Matthias Reinschmidt. | Bild: Anya Barros

Das sieht die Zoobesucherin, die die Diskussion online entfacht hat, anders. "Unter dem Deckmantel des Artenschutzes sieht es anders aus, als wenn sie sagen würden, der Zoo wird teurer", sagt sie gegenüber ka-news.

"Es braucht Mut, Nein zu sagen"

"Das wird ausgenutzt, dass man lange an der Kasse steht und dann zahlt, ohne sich da Gedanken zu machen!" Aufgeklärt, warum der Eintritt nun einen Euro teurer sei, wurde sie nach eigener Aussage auch nicht. Erst auf Nachfrage beim Personal an der Kasse habe sie eine "genervte Antwort" bekommen. "Daher habe ich den Euro auch nicht bezahlt!" 

Karlsruher Zoo
An der Kasse können Besucher dem Artenschutz-Euro widersprechen. | Bild: Zoo Karlsruhe

Doch setzt das den Zoobesucher nicht unter Druck, etwa weil er sich schämt, den einen Euro mehr abzulehnen? "Es braucht schon Mut, Nein zu sagen, wenn man den Euro nicht bezahlen möchte", sagt die Karlsruherin. 

"Das sehen wir nicht so, außerdem ist das Geld für den Artenschutz, nicht für den Zoo", entgegnet Matthias Reinschmidt gegenüber ka-news. Damit werden verschiedene Projekte der Stiftung unterstützt, etwa für den Lebensraum der Wildbiene in der Region oder die Orang Utans auf Borneo. Der Zoologische Stadtgarten will daher auch weiterhin an dem freiwilligen Aufpreis festhalten.

Mehr zum Thema
Zoo in Karlsruhe:

Im Zoo Karlsruhe leben rund 5.000 Tiere in mehr als 300 Arten. Umzug, Auszug, Umbau: In welchen Gehege gibt es Nachwuchs, wer zieht ein und wer muss den Zoo verlassen? Welche Tiere bekommen neue Gehege und wie funktioniert eigentlich die Tierpflege?

Alle Infos und Neuigkeiten rund um der Karlsruher Zoo finden Sie hier in unserem Dossier!

Haben Sie einen Fehler entdeckt?
Unsere Sonderthemen
Das wird gerade bei ka-news heiß diskutiert
Die besten Themen
Kommentare (45)
Hinweis: Kommentare geben nicht die Meinung von ka-news wieder.
Der Kommentarbereich wird 7 Tage nach Publikationsdatum geschlossen.
Bitte beachten Sie die Kommentarregeln und unsere Netiquette!
  •   ALFPFIN
    (6765 Beiträge)

    11.06.2019 18:06 Uhr
    Ich habe mir auch
    eine Jahreskarte zum "Durchlaufen" gekauft. Den Antrag hierzu hatte ich ausgedruckt und schon ausgefüllt.
    Mit keinem Wort wurde auf den Aufschlag von 4 Euro Artenschutzzuschlag hingewiesen. Gut man konnte annehmen, ich habe es auf der Internetseite gelesen, man hat mich nicht gefragt, ob ich diesen Zuschlag bezahlen will. Ich war mit diesem Zuschlag einverstanden. Auf meine Frage, warum ich darauf nicht hingewiesen wurde, ob ich mit dem Zuschlag einverstanden bin, war die Antwort "Ach so".
    Es gibt ja auch viele Rentner, die den Antrag direkt bei der Ticketausgabe ausfüllen, ob die auf den Zuschlag aufmerksam gemacht werden?
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   ALFPFIN
    (6765 Beiträge)

    11.06.2019 18:13 Uhr
    Und dann hat mich noch etwas gestört.
    Auf dem Antragsformular wird auch neben der Datenschutzerklärung auf eine Einverständniserklärung "spekuliert"
    "Einwilligung in die Datenverarbeitung
    Hiermit erkläre ich mich damit einverstanden, dass der Zoologische Stadtgarten Karlsruhe meine Postadresse / E-Mail-Adresse / Telefonnummer (Unzutreffendes bitte streichen) verarbeitet und zu Werbezwecken für eigene Veranstaltungen und für die Information bzw. Rücksendung bei Verlust der Jahreskarte nutzt. Eine Rücksendung von wiedergefundenen Jahreskarten ist nur möglich, wenn die vollständige Postadresse (siehe oben **) angegeben ist. Ich habe das Recht, diese Einwilligung jederzeit für die Zukunft zu widerrufen."


    Jetzt frage ich mich vom Verlust der Jahreskarte einmal abgesehen, was die Zooverwaltung mit meinen Daten machen will (verarbeiten zu Werbezwecken für eigene Veranstaltungen?) und was noch?
    Muss man natürlich nicht unterschreiben. Werde die Zooverwaltung einmal anschreiben.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   hajmo
    (4172 Beiträge)

    10.06.2019 16:05 Uhr
    Wilhelma
    Ok, dort wird bissele mehr geboten, deshalb teurer - 19,00 Euro/Erwachenen. Oder Opel-Zoo 15,50 €.

    Irgendwie stimmt da doch die Relation.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   andi79
    (2768 Beiträge)

    10.06.2019 10:06 Uhr
    unabhänig davon
    dass der Eintritt gern etwas mehr kosten könnte für entsprechend tiergerecht Haltung... die Methode es ist freiwillig, man muss aber aktiv widersprechen geht gar nicht. Das sind psychologie Abzockmethoden. Freiwillig zahlen tut man wenn man es will, das heißt aber nicht dass wenn man es nicht macht auch automatisch widerspricht eben weil es unbequem ist und im Kopf so ausgelegt wird dass man gegen den Artenschutz ist, bzw. dass es einem scheiß egal ist.

    Also... rauf mit den Preis, aber offiziell.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Mondgesicht
    (2109 Beiträge)

    10.06.2019 09:28 Uhr
    "Freiwillig",
    aber man muss an der Kasse ausdrücklich widersprechen? Was sind denn das für Methoden! Das ist ja wohl ein Thema für die Verbraucherschutzverbände. Würde ein Unternehmen sich so was erlauben, wäre schon eine Abmahnung gekommen.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten

Seite : 1 2 3 4 5 (5 Seiten)

Dieser Artikel kann nicht mehr kommentiert werden.