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Karlsruhe Aufschrei wegen Aufpreis im Karlsruher Zoo: Ist der Artenschutz-Euro eine versteckte Preiserhöhung?

Im Oktober 2018 hat der Karlsruher Gemeinderat den Artenschutz-Euro für den Zoo beschlossen. Seit Jahresbeginn kostet der Eintritt in den Zoologischen Stadtgarten daher einen Euro mehr, das Geld fließt in die zooeigene Artenschutzstiftung - zumindest, wenn man dem nicht widerspricht. Der Umstand treibt manche Karlsruher aber zur Weißglut, das sei eine versteckte Preiserhöhung. Ist das so?

Elf Euro kostet der Eintritt in den Karlsruher Zoo für einen Erwachsenen, zwölf Euro, wer den Artenschutz-Euro noch mitbezahlen möchte. Die Betonung liegt dabei auf "möchte", denn: Jeder erwachsene Besucher - Kinder zahlen den "Aufpreis" nicht - kann dem Artenschutz-Euro an der Kasse widersprechen.

Damit ist der Karlsruher Zoo nach eigenen Angaben Vorreiter in Deutschland, auch der Dresdner Zoo hat bereits nachgezogen und die freiwillige Abgabe eingeführt. "Die Erkenntnisse aus den ersten beiden Monaten sind, dass über 90 Prozent der Besucher das für gut empfinden und diesen Euro auch bezahlen. Das Modell kommt gut an", sagt Matthias Reinschmidt, der Direktor des Zoos, im Gespräch mit ka-news.

Verdacht auf versteckte Preiserhöhung

Das gilt wohl allerdings nicht für jeden Zoobesucher: So beschreibt eine Karlsruherin in den sozialen Netzwerken, dass sie nicht auf den zusätzlichen Euro hingewiesen worden sei. Erst auf Nachfrage beim Kassenpersonal, warum der Eintritt denn teurer sei, als im Internet ausgewiesen, sei die Sprache auf den Artenschutz-Euro gekommen. Ihr Verdacht: Bei dem Artenschutz-Euro könnte es sich um eine versteckte Preiserhöhung handeln. 

Zoo Eingang Bahnhof
Versteckte Preiserhöhung beim Karlsruher Zoo? (Symbolbild) | Bild: Paul Needham

Das weist Matthias Reinschmidt entschieden zurück. Bis auf die Diskussion in den Social Media-Kanälen sei noch kein negatives Feedback an den Zoo zurückgekommen. Er verweist auf die transparente Kommunikation: "Wir haben das an der Kasse mit zwölf Euro ausgeschildert und den Artenschutz-Euro deutlich markiert", sagt der Zoodirektor gegenüber ka-news.

"Deutlicher kann man es nicht machen!"

"Wer den nicht bezahlen möchte, sagt das an der Kasse. Das schreiben wir auch im Internet so - deutlicher kann man es nicht machen!" 

Fortschritt Bauarbeiten Zoo
Zoodirektor Matthias Reinschmidt. | Bild: Anya Barros

Das sieht die Zoobesucherin, die die Diskussion online entfacht hat, anders. "Unter dem Deckmantel des Artenschutzes sieht es anders aus, als wenn sie sagen würden, der Zoo wird teurer", sagt sie gegenüber ka-news.

"Es braucht Mut, Nein zu sagen"

"Das wird ausgenutzt, dass man lange an der Kasse steht und dann zahlt, ohne sich da Gedanken zu machen!" Aufgeklärt, warum der Eintritt nun einen Euro teurer sei, wurde sie nach eigener Aussage auch nicht. Erst auf Nachfrage beim Personal an der Kasse habe sie eine "genervte Antwort" bekommen. "Daher habe ich den Euro auch nicht bezahlt!" 

Karlsruher Zoo
An der Kasse können Besucher dem Artenschutz-Euro widersprechen. | Bild: Zoo Karlsruhe

Doch setzt das den Zoobesucher nicht unter Druck, etwa weil er sich schämt, den einen Euro mehr abzulehnen? "Es braucht schon Mut, Nein zu sagen, wenn man den Euro nicht bezahlen möchte", sagt die Karlsruherin. 

"Das sehen wir nicht so, außerdem ist das Geld für den Artenschutz, nicht für den Zoo", entgegnet Matthias Reinschmidt gegenüber ka-news. Damit werden verschiedene Projekte der Stiftung unterstützt, etwa für den Lebensraum der Wildbiene in der Region oder die Orang Utans auf Borneo. Der Zoologische Stadtgarten will daher auch weiterhin an dem freiwilligen Aufpreis festhalten.

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  •   ralf
    (3645 Beiträge)

    10.06.2019 14:40 Uhr
    Wirklich schlimm
    Wäre echt krass, wenn meine Organe nicht verrotten oder verbrennen, sondern einem Menschen das Leben retten. 🤔
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  •   Kruppstahl
    (954 Beiträge)

    10.06.2019 23:47 Uhr
    Deine Organe sind allerdings mehr wert,
    als ein lumpiger Euro. Mit Organen wird richtig Geld verdient. Es ist auch hier ein aktives Widersprechen vonnöten. Genau das, worüber sich hier viele aufregen.
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  •   ralf
    (3645 Beiträge)

    11.06.2019 15:21 Uhr
    Es geht alles nur noch ums Geld
    Mag sein, dass in unserer Gesellschaft vieles schief läuft. Das mit dem Geschäft um die Organe kann ich gerade nicht nachvollziehen. Aber auch wenn dem so wäre: Die Organspende zu verweigern und damit einen Menschen nicht retten zu können, da Jemand was dran verdienen könnte, wäre doch irgendwie barbarisch. Davon hat am Ende Niemand etwas.
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  •   Krawallradler
    (412 Beiträge)

    11.06.2019 09:25 Uhr
    ich hab
    schon immer ein Organspendeausweis dabei und auf dem steht: open source

    Ich schätze mal, da ist ihre Meinung manipuliert worden. Ist ja heute leider normal.
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  •   andip
    (9641 Beiträge)

    11.06.2019 08:45 Uhr
    Das ist absoluter Unsinn
    den die Spenderverweigerer immer wieder behaupten.
    Weder verdient jemand an den Organen selber, (ausser kriminellen Banden vielleicht), noch verdienen daran die Krankenhäuser, die die Organe entnehmen bzw. wieder einpflanzen.
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  •   silberahorn
    (9777 Beiträge)

    10.06.2019 13:52 Uhr
    .
    Ich will aber nur den Artenschutz-Euro zahlen und gar nicht in den Zoo gehen, weil ich zur seltenen Art gehöre, die Menschen gerne meidet. Und von diesen lauten und vergnügungssüchtigen Lebewesen sind einfach für meine Nerven zu viele vor den Käfigen und vor den Freigehegen unterwegs.
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  •   vielvornichtsdahinter
    (1055 Beiträge)

    10.06.2019 13:40 Uhr
    In
    Klüngelruhe sind solche Methoden gang und gebe.
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  •   DonHasi
    (976 Beiträge)

    10.06.2019 13:28 Uhr
    Recht haben und Recht bekommen.
    Warum regt sich hier alles wegen einem "läppischen" Euro denn so auf. Für was gibts Rechtsschutzversicherungen, Verbraucherschutzverbände und Rechtsanwälte die wollen doch alle auch ihr Geld verdienen. Die erklären Herrn Reinschmidt sicherlich gerne, dass das er den "Artenschutzhubug" an der Kasse zu unterlassen hat. Oder kriegen wieder mal ein paar "Helikoptereltern" den dicken Arsch nicht aus dem SUV. Widerstand heißt sich bewegen zu müssen (wie lästig:-((
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  •   Kiwi
    (245 Beiträge)

    10.06.2019 12:57 Uhr
    Artenschutz
    der Stiftung unterstützt, etwa für den Lebensraum der Wildbiene in der Region oder die Orang Utans auf Borneo.

    Umweltschutz -Klimaschutz hin oder her- werde die nächste Woche nach Borneo fliegen um nach zu schauen wies es den Affen so geht .
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  •   ALFPFIN
    (6633 Beiträge)

    10.06.2019 18:02 Uhr
    @Kiwi
    Viele Grüße aus Karlsruhe (auch von den Affen) an die Affen auf Borneo. Und nicht vergessen, sagen Sie ihnen (also den Affen) der eine oder andere Artenschutz-Euro wird schon bei ihnen ankommen (hoffentlich).😊
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