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Karlsruhe 10 Jahre nach Zoo-Brand: Wie gut ist der Karlsruher Zoo inzwischen geschützt?

Zehn Jahre ist die Katastrophe nun her, als ein Feuer im Karlsruher Streichelzoo 26 Tiere das Leben kostete. Unter ihnen Ponys, Esel und Alpakas. Noch immer ist die Stadt dabei, denn Zoo für den Brandfall besser zu rüsten. Warum Feuerwehrmänner mit Schafen und Ziegen trainieren, die neuen Brandmelder wieder abmontiert werden mussten und ein Feuerwerksverbot rund um den Tierpark nicht so einfach durchzusetzen ist.

Vor zehn Jahren hat der große Brand im Karlsruher Zoo die Stadt erschüttert. Das Streichelzoogehege, in dem Walachschafe, Zwergziegen, Alpakas, Ponys und Esel untergebracht waren, stand  nachts um 4 Uhr lichterloh in Flammen. Als die Feuerwehr eintraf, waren aus dem Streichelzoo bereits keine Tierlaute mehr zu hören, sodass sich die Kräfte entschieden, nur die benachbarten Elefanten zu retten. 26 tierische Bewohner des Streichelzoos überlebten diese Nacht nicht

Ist der Karlsruher Zoo gegen Brände geschützt?

In diesem Jahr wurden die Erinnerungen durch den Brand im Krefelder Zoo wieder wachgerüttelt. In der Silvesternacht zum Jahreswechsel 2019/2020 starben hier 30 Tiere in den Flammen.  Ist der Karlsruher Zoo ausreichend gegen derartige Unglücke gerüstet? Schon fünf Jahre nach dem verheerenden Feuer im Karlsruher Zoo hat ka-news.de bereits eine Bilanz gezogen. Doch wie sieht es heute, ein Jahrzehnt nach dem verheerenden Brand, in Sachen Brandschutz aus? 

Bei dem Feuer im Affenhaus des Krefelder Zoos waren in der Silvesternacht mehrere Menschenaffen gestorben, darunter Orang-Utans, Gorillas und ein Schimpanse.
Bei dem Feuer im Affenhaus des Krefelder Zoos waren in der Silvesternacht mehrere Menschenaffen gestorben, darunter Orang-Utans, Gorillas und ein Schimpanse. | Bild: Christoph Reichwein/dpa

Im letzten Jahr hat sich hier einiges getan: Seit September 2019 absolvieren die Berufsfeuerwehrmänner einmal im Jahr eine Übung mit den Tieren selbst. "Wir haben schon mit Schafen, Ziegen, Pferden trainiert", sagt Markus Pulm, Leiter der Branddirektion. "An manche Tiere dürfen wir uns zu unserem eigenen Schutz aber nicht heranwagen."

Die Käfigtüren signalisieren den Feuerwehrleuten, ob sich dahinter ein gefährliches Tier verbirgt. So beispielsweise auch bei den Karlsruher Elefanten. "Da nähern wir uns bei einem Feuer den Tieren nicht", so Pulm.

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Einmal im Jahr trainiert die Feuerwehr im Karlsruher Zoo. (Symbolbild) | Bild: Thomas Riedel

Die Kräfte öffnen im Ernstfall lediglich die Türen des Geheges, damit sich die Dickhäuter selbst in Sicherheit bringen können. Ein in voller Montur bekleideter und mit Geräten ausgestatteter Feuerwehrmann würde die Elefanten in einer solchen Ausnahmesituation nur noch mehr verstören - eine Gefahr für Mensch und Tier gleichermaßen. 

Feuerwehrleute erhalten wichtiges Know-how

Von den Feuerwehrübungen zwischen Schimpansen, Papageien und Co. profitiert jedoch nicht nur der Karlsruher Zoo. Die Kräfte erhalten dabei wichtiges Wissen für Einsätze außerhalb der Zoomauern, sei es auf Bauernhöfen oder in privaten Haushalten. "Nicht nur der Zoodirektor hat einen Papagei", scherzt Branddirektor Pulm. 

Damit ein Feuer im Brandfall gar nicht erst um sich greifen kann, hat die Stadt zwei externe Firmen zur Beratung herangezogen. Eines der Ergebnisse: Brandmeldeanlagen sind dann am effektivsten, wenn sie direkt bei der Feuerwehr aufgeschaltet sind. Schlägt der Rauchmelder an, sollte niemand mehr zum Hörer greifen müssen, sondern die Löschfahrzeuge sich direkt auf den Weg machen.

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Im Brandfall sollen die Kräfte schnell vor Ort sein - mittels direkt im Revier aufgeschalteter Feuermelder. (Symbolbild) | Bild: Thomas Riedel

Doch von diesen Anlagen, dem "direkten Draht" zur Feuerwehr, besitzt der Karlsruher Zoo aktuell nur eine einzige -  im Exotenhaus. Einige der Brandmelder mussten wieder abmontiert werden, da in den Ställen so viel Heu aufgewirbelt und bei der Reinigung so viel Wasser in der Luft war, dass die Melder ausgelöst hatten.

Problem Brandmelder: Fehlalarme im Karlsruher Zoo

"Im neu erbauten Streichelzoo und im alten Elefantenhaus kam es regelmäßig zu Fehlalarmen", teilt die Stadt Karlsruhe in einer Stellungnahme mit. Nun sollen neue Brandmelder eingebaut werden, ein Exemplar steht dem Zoo bereits seit März zur Verfügung. Im nächsten Schritt soll ein Sicherheitskonzept für den Zoo erarbeitet werden. "Ich bin zuversichtlich, dass es noch bis Ende des Jahres vorliegt", so Grünen-Fraktionsvorsitzende Zoe Mayer. 

Zoe Mayer, Fraktionsvorsitzende der Karlsruher Grünen. | Bild: Grüne Karlsruhe

Besonders heikel ist wohl die Silvesternacht. Das hat der Großbrand im Krefelder Zoo beim vergangenen Jahreswechsel vor Augen geführt. Daher fordern mehrere Fraktionen im Karlsruher Gemeinderat stärkere Vorkehrungen seitens der Stadt. Neben der SPD und der AfD auch die Karlsruher Grünen. 

Kommt die "böllerfreie Zone" rund um den Zoo?

"Die Stadt hat bereits zugesagt, zu prüfen, ob vielleicht die Tiergartenbrücke in der Nacht vom 31. Dezember gesperrt werden könnte", sagt Zoe Mayer im Gespräch mit ka-news.de. Besagte Brücke führt über den Köpfen der Elefanten hinweg von einer Seite des Zoos auf die andere.

Darüber hinaus ist in der Diskussion, eine böllerfreie Zone rund um den Tierpark zu errichten. Eine solche wurde bereits im letzten Jahr vor dem Karlsruher Schloss umgesetzt. Ein Feuerwerksverbot zu erlassen, ist allerdings nicht ohne weiteres möglich, sondern laut der Sprengstoffverordnung nur in der Nähe von "brandempfindlichen Gebäuden".

Zum ersten Mal im Jahr 2019: Böllerverbot rund um den Schlossplatz in Karlsruhe. | Bild: ka-news.de

"Zoos und Tierheime sind hier nicht explizit aufgeführt", teilt die Stadt Karlsruhe mit. Es werde derzeit ermittelt, ob der Zoo zu den brandempfindlichen Gebäuden zählen darf - der Grundstein für die Errichtung einer böllerfreien Zone. 

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Alle Infos und Neuigkeiten rund um der Karlsruher Zoo finden Sie hier in unserem Dossier!

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Kommentare (9)
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  •   Nachteule
    (902 Beiträge)

    14.08.2020 15:05 Uhr
    Eine Grüne als besorgte Tierschützerin?
    Das kann nur eine Fata Morgana sein.
    Oder ist der Schutz von Tieren im Zoo nun das neue grüne Feigenblatt?
    Wenn Rotmilane oder andere Greifvögel von Windkraftanlagen geschreddert werden, ist die Frau Mayer auf Tauchstation.
    Mehr Heuchelei geht nicht:
    https://www.suedkurier.de/region/linzgau/pfullendorf/initiative-mensch-und-natur-tote-milane-bei-windpark-hilpensberg-gefunden;art372570,10507313
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  •   Deisyy
    (327 Beiträge)

    14.08.2020 17:30 Uhr
    Massenkommentator als besorgter Tierfreund?
    Nein, nur die übliche Hetze gegen die Grünen... traurig
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  •   Nachteule
    (902 Beiträge)

    14.08.2020 18:07 Uhr
    Massenkommentator und "übliche Hetze gegen Grüne"?
    Mit nur 800 Kommentaren in 3.700 Tagen!
    Und wieso "Hetze"?
    Das sind Fakten!
    Fakten, auf die Sie keine Gegenargumente haben!
    Noch mehr Fakten
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  •   mueck
    (11915 Beiträge)

    14.08.2020 20:58 Uhr
    !
    Der Bestand windkraftsensibler Arten incl. Rotmilan hat die letzten Jahre zugenommen.
    Die Verluste durch Windkraft sind eh Peanuts ggü. Autoverkehr und Stromleitungen und selbst bei Kleinvögeln ist der Vogelschlag nix ggü. Katzen und die sind nix ggü. Glasscheibentod, davon hatten wir es vorhin erst in einer Runde mit einen Amtsveterinär ...
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  •   IchKA
    (969 Beiträge)

    14.08.2020 13:00 Uhr
    Nach den Bränden in KA und Krefeld
    hat die Stadt von Großherzogs und Mentrups Gnaden zugesagt "zu prüfen" ob die Tiergartenbrücke gesperrt werden kann.
    Das ist ja phantastisch ...
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  •   myopinions
    (1158 Beiträge)

    14.08.2020 10:54 Uhr
    ...................es ist ganz sicher dem
    damaligen "Elefanten-Chef" Robert Scholz zu verdanken, dass bei den Dickhäuter keine Panik entstanden ist. Bedauerlicherweise hat er mittlerweile den Zoo und seine geliebten Elefanten verlassen ( m ü s s e n? )
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  •   Ullermann
    (149 Beiträge)

    14.08.2020 08:43 Uhr
    Was gibt es da zu prüfen
    Das es dort brandempfindliche Gebäude gibt hat man doch gesehen als der Streichelzoo abgefackelt ist. Außerdem ist die Knallerei auch nichts für die Tiere. Typisch deutscher Bürokratismus, manchmal echt zum k.....
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  •   andip
    (10710 Beiträge)

    14.08.2020 12:10 Uhr
    Eben nicht
    Weil der Streichelzoo abgebrannt ist, hat man entsprechend vorgesorgt und die neuen Gebäude brandsicher gemacht.
    Dass nicht alle Tiere auf das Geböllere stehen ist klar, aber das gilt genauso für alle andere Tiere, die irgendwo in der Stadt leben, egal ob als Haustiere oder frei lebende Wildtiere.
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  •   mueck
    (11915 Beiträge)

    14.08.2020 09:48 Uhr
    !
    Wir bräuchten junge Eisbären, dann geht was ...
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