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Abi machen, von Zuhause ausziehen, ein neues Leben beginnen- so sieht der grobe Plan vieler Studenten aus. Allein am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) starten 4.500 Studienanfänger in diesen Wochen in einen neuen Lebensabschnitt. Doch obwohl die Vorlesungen bereits begonnen haben, stehen manche vor einem großen Problem: Sie haben kein passendes Dach über dem Kopf gefunden.

Notunterkunft soll Studenten Zeit verschaffen

Dass Studenten zum Semesterbeginn keine passende Wohnung finden, ist kein neues Dilemma. "Die Wohnsituation für Karlsruher Studierende ist nachhaltig schlecht", erklärte  Michael Postert, Geschäftsführer des Studierendenwerks Karlsruhe, Anfang Oktober. Schätzungsweise 5.000 Studenten kämen auf 1.000 Wohnheimplätze- die restlichen 4.000 müssten dann auf eine Privatwohnung hoffen. Eine Hoffnung, die in diesem Jahr oftmals nicht erfüllt werden konnte.

So verzeichnete der Allgemeine Studierendenausschuss (AStA) am KIT noch vor Vorlesungsbeginn einen großen Ansturm auf die sogenannten Notfall-Schlafplätze. Hierbei bietet der AStA zusammen mit der Selbstverwaltung des Hans-Dickmann-Kollegs (HaDiKo) bis zu 20 kurzfristige Schlafplätze in einem Seminarraum des Kollegs an. Die Unterkünfte sind für die Betroffenen zwar kostenlos, allerdings gibt es keine Duschen; Schlafsäcke und Iso-Matten sollten ebenfalls mitgebracht werden. Die Notschlafplätze sind zudem nur eine Zwischenlösung: Bis zum 31. Oktober muss der Raum wieder geräumt sein.

Das tut der Nachfrage keinen Abbruch: "Im Vergleich zu den Vorjahren ist die Zahl der Notunterkunftsannehmer erneut gestiegen", so Thomas Wacker, Sprecher des Sozial Referats des KIT-AStAs. In der Regel würden die Studenten nach ein paar Tagen den Notfallschlafplatz gegen eine Unterbringung bei Freunden und Bekannten eintauschen. Dennoch ist sich Wacker nicht sicher, ob die bereitgestellten Notfall-Plätze in diesem Jahr ausreichen werden.

Finden Karlsruher Studenten auch andere Lösungen?

Während die Not vor allem zum Semesterstart groß ist, entspannt sich die Lage gegen Ende des Jahres. Wacker hat dafür zwei Erklärungen: "Zum einen stellen viele Studierende fest, dass das ausgewählte Studium nicht das richtige für sie ist." Laut einer Studie würde etwa ein Viertel der Bachelor-Studenten das gewählte Studium wieder abbrechen. "In MINT-Fächern ist diese Quote durchschnittlich nochmals höher." Die Folge für Karlsruhe: "Da hier die beiden größten Hochschulen, das KIT und die Hochschule für Technik und Wirtschaft, technisch orientierte Hochschulen sind, muss man leider davon ausgehen, dass es hier mehr Abbrecher gibt als in eher geistes- und sozialwissenschaftlich geprägten Universitätsstädten."

Gleichzeitig würden Studenten während der Vorlesungszeit neue Bekanntschaften schließen. "Man lernt sich kennen, hat gleiche Interessen. Da denkt man sich: Warum nicht eine WG gründen?", erklärt Wacker. Langfristig sieht er aber vor allem Stadt und Land stärker in der Pflicht. "Vonseiten der Studierendenschaft können wir nur mehr Bewegung von der Stadt und vom Land fordern", meint der AStA-Sprecher.

Ein kleiner Lichtblick für die Karlsruher Studenten: Das Studierendenwerk plant derzeit 200 bis 300 neue Wohnheimplätze. Im Gespräch sind das Gelände der Mackensen-Kaserne und der Rintheimer Querallee. Allerdings werde es noch zwei bis drei Jahre dauern, bis die neuen Plätze zur Verfügung stehen, so Geschäftsführer Postert. Bis es soweit ist, müssen Studenten weiterhin auf kurzfristige Lösungen zurückgreifen.

So teuer wohnen Karlsruher Studenten:

Ende September hat der Immobilienentwickler GBI AG eine Untersuchung zur Wohnsituation in Universitätsstädten vorgelegt. Das Ergebnis: Am teuersten wohnen Studenten in München, Frankfurt am Main und Hamburg. Karlsruhe belegt in diesem Ranking Platz 14. (Link führt auf externe Seite.)

Das International Students Office des KIT gibt die durchschnittlichen Wohnkosten in Karlsruhe mit 257,65 Euro an. Innerhalb Karlsruhes gibt es je nach Standort allerdings große preisliche Unterschiede, erklärt Wacker. "Außerhalb und ohne direkte Anbindung an das Netz der Verkehrsbetriebe Karlsruhe sind die Preise niedriger als innerstädtisch mit der Universität praktisch gegenüber." Weitere Informationen zu den Notfallschlafplätzen finden Sie hier.