Das Ergebnis ist einstimmig: Sämtliche anwesende Stadträte sämtlicher Fraktionen stimmen am Dienstagnachmittag für eine Städtepartnerschaft in die von Krieg zerrüttete Ukraine. Karlsruhes neuer Partner soll dabei das zentral bis westlich gelegene Winnyzja werden, wie die Stadtverwaltung unter Oberbürgermeister Frank Mentrup bekannt gibt.

Oberbürgermeister Frank Mentrup hält eine Rede vor dem Karlsruher Rathaus.
Oberbürgermeister Frank Mentrup während der Mahnwache gegen den Ukraine-Krieg. | Bild: Thomas Riedel

"Erste Kontakte knüpften wir bereits mithilfe unserer rumänischen Partnerstadt Timisoara", so der OB. "Wir hoffen nun mit dieser Partnerschaft akute medizinische und humanitäre Hilfe vor Ort leisten zu können. Langfristig muss es dabei auch um den Wiederaufbau der Ukraine und letztendlich die Stabilisierung Europas gehen", sagt Mentrup. Ein Statement, dass entlang des politischen Fächers Anklang findet.

Partnerschaft mit Winnyzja: "Ein Zeichen gegen den Angriffskrieg"

"Es ist ein Zeichen für Europa und gegen den russischen Angriffskrieg", sagt Jorinda Fahringer stellvertretend für die Fraktion der Grünen. Ein Statement, in das SPD, Freie Wähler, Linke, FDP, CDU, Partei und AfD im selben Wortlaut mit einstimmen. Jedem sei dabei klar, dass die Städtepartnerschaft auch Verpflichtungen bedeute.

Jorinda Fahringer Grüne
Bild: Grüne Karlsruhe

"Aus unserer Sicht kommt diese Partnerschaft zu einem guten Zeitpunkt", sagt Karin Binder, Fraktionsmitglied der Linken. "Aufgrund seiner zentralen Lage ist Winnyzja auch eine wichtige Achse für Flüchtende aus der gesamten Ukraine, um Wege in sichere Länder zu finden", so ihre Worte. "Bei der Etablierung von sicheren Fluchtrouten kann Karlsruhe auf diese Weise seinen Beitrag leisten."

"Erstmals Raketenangriffe auf zivile Ziele"

Solch ein Hilfsbeitrag sei nicht das einzige, was sich Binder von einer Partnerschaft mit Winnyzja verspricht. "Nach Kriegsende könnten die Beziehungen nach Winnyzja und Krasnodar auch dazu beitragen, die Bevölkerung der Ukraine und Russland wieder ins Gespräch zu bringen", meint Binder weiter. Bis dahin sei es allerdings noch ein langer Weg - genauer gesagt sei auch die Partnerschaft noch nicht vollends in trockenen Tüchern.

Karin Binder für Die Linke.
Karin Binder für Die Linke. | Bild: Carsten Kitter

"Vor wenigen Tagen wurden in Winnyzja erstmals spezifisch zivile Einrichtungen Ziel eines russischen Raketenangriffs", erklärt Lüppo Cramer von der gemeinsamen Fraktion der Karlsruher Liste und der Partei. "Da hat die Stadt größere Probleme als Partnerstädte zu suchen. Wir sprechen uns also dafür aus, proaktiv auf die Stadt zuzugehen und die Partnerstadt möglichst schnell zu besiegeln - gerade weil Winnyzja ein wichtiger Knotenpunkt für Flüchtende ist."

Stellvertretender Bürgermeister von Winnyzja besucht Karlsruhe

Ob und wann aus ersten Kontakten eine wirklich feste Partnerschaft wird, lässt sich noch nicht auf ein genaues Datum fixieren. Dennoch sei OB Mentrup zuversichtlich, dass die Chancen auf eine baldige Stadtverbrüderung gut stehen. "Am Montag erhielt Karlsruhe erstmals Besuch von Winnyzjas stellvertretendem Bürgermeister Andrii Ocheretnyi", so Mentrup.

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"Er zeigte extremes Interesse an Karlsruhe, weshalb ich sicher bin, dass Karlsruhe die Liste seiner Partnerstädte innerhalb kurzer Zeit ganz offiziell um Winnyzja erweitern kann." Zumindest in Karlsruhes Wikipedia-Artikel wurde Winnyzja schon jetzt - wenn auch etwas vorschnell - in die Sektion der Partnerstädte eingetragen.