Jongen sieht, "dass sich die FDP in den vergangenen Jahren schon weitgehend selbst zugrunde gerichtet hat" und beruft sich dabei nicht nur auf die Meinung der AfD, sondern auch auf "große Teile der Bevölkerung und zahlreicher politischer Kommentatoren". Grund dafür sei der "Verrat an den liberalen Ideen", den die FDP begangen haben soll. Für Eidenmüller hat die FDP an sich nichts mit dem Aufreger rund um die Aussage des Bundesvorsitzenden zu tun.

Angriff, Gegenangriff, Ernüchterung

Denn eigentlich sollte es nicht um die Stellung der FDP selbst gehen, für Eidenmüller stellte die Aussage Luckes eine undemokratische Denkrichtung dar, die er so nicht tolerieren wollte. In einem offenen Brief wandte er sich direkt an die AfD Karlsruhe: "Und es wird Sie nicht wundern, dass ich nichts anderes als eine totale Distanzierung von diesen Worten Ihres Bundesvorsitzenden erwarten kann", heißt es in dem Schreiben an den AfD-Bundesvorsitzenden. Andernfalls sei eine "erträgliche Diskussionsbasis unter Demokraten" in Karlsruhe nicht möglich.

Den scheinbar persönlichen Aufreger Eidenmüllers deutet Jongen in seinem Antwortbrief jedoch ganz anders. "Mit Befremden" habe man den Brief Eidenmüllers zur Kenntnis genommen. "Ein Minimum an taktischem Kalkül unterstellend, müssten wir Ihren Brief daher als einen weiteren Versuch [...] werten, die Alternative für Deutschland in der Öffentlichkeit als undemokratisch zu diffamieren", kontert Jongen. Doch er schließe die Möglichkeit nicht aus, dass Eidenmüller durch die "verzerrende Medienberichterstattung" über die AfD der Partei tatsächlich "totalitäres Gedankengut" unterstelle. Dies sei jedoch nicht der Fall, denn man wolle mit keinen anderen als demokratischen Mitteln die eigenen Ziele verfolgen.

"Das ist üble Demagogie!"

Auf die sich scheinbar offenbarende "totalitäre Denkweise", wie Eidenmüller die Aussage Luckes kritisierte, hat Jongen ebenfalls eine Antwort - wenn auch Eidenmüller in einer erneuten Antwort auf Jongens Antwort keine tatsächliche Antwort sieht. "Als erfahrenem Politiker" solle Eidenmüller bekannt sein, dass in "Wahlkampf- oder Parteitagreden aller Parteien oftmals polemische Metaphern zum Einsatz kommen". Jongen nennt Beispiele wie "unter Beschuss nehmen" oder "an vorderer Front". Dass es sich dabei jedoch bloß um Metaphern handele und den Rahmen einer "fairen und demokratischen Auseinandersetzung" nicht verlasse, sei ein "selbstverständliches Übereinkommen" unter Demokraten.

"Das sind keine 'politischen Metaphern', sehr geehrter Herr Jongen, das ist üble Demagogie!", kritisiert Eidenmüller seinerseits die Antwort. Seine Hoffnung, dass man sich mit der Antwort auseinandersetze habe sich nicht erfüllt. "Wenn das Gesagte [...] nicht totalitär ist, was ist denn dann totalitär?" Entscheidend bleibe die Wortwahl, nicht die Wahl der angegriffenen Partei.