Dass sich Karlsruhes Einzelhändler schon vor der Pandemie ernste Gedanken um ihre Zukunft machen mussten, ist allgemein bekannt. Selten war diese Zukunft jedoch so nebulös und unsicher wie in den Corona-Jahren 2020 und 2021. Ob sich die Lage für den Einzelhandel 2022 verbessern, verschlechtern oder überhaupt verändern wird, lasse sich noch mit noch geringer Präzision vorhersagen als in den Jahren davor - doch auch dafür existierten gewisse Vorkehrungen.

"Wir müssen sehr flexibel bleiben"

So seien viele Karlsruher Einzelhändler darauf bedacht, ihre Flexibilität zu erhöhen. "Der Einzelhandel musste in den vergangenen Jahren oft sehr schnell auf neue Regeln und Verordnungen reagieren. Viele Händler sind dadurch sensibilisiert und haben zum Beispiel weniger Ware bestellt um bei einem weiteren Lockdown nicht in Zahlungsschwierigkeiten zu geraten", erklärt Petra Lorenz, Präsidentin des Handelsverbandes Nordbaden, gegenüber ka-news.de.

Petra Lorenz spricht bei ka-news.de über die aktuelle Situation des Karlsruher Einzelhandels.
Petra Lorenz, Präsidentin des Handelsverbandes von Baden-Württemberg (HBW). | Bild: Lorenz

Ein Eindruck, den mehrere Vertreter des Einzelhandels bestätigen. "Auf Vieles kann man sich nicht vorbereiten und wir wissen vor allem nicht, was die Omikron-Mutante noch bringt", sagt die Filialleiterin der Thalia-Buchhandlung in der Herrenstraße, Iris Grißtede. "Wir müssen also sehr flexibel bleiben und uns auch an die kurzfristigen Verordnungen anpassen."

Iris Grißtede, Filialleiterin der Thalia Buchhandlung in der Herrenstraße.
Iris Grißtede, Filialleiterin der Thalia Buchhandlung in der Herrenstraße. | Bild: Thalia

"Wir bleiben im 2G-Krisenmodus"

Dabei habe sich unter der Kundschaft auch ein gewisser Gewöhnungseffekt eingestellt. Zum Beispiel bereite sich das Einkaufscenter Ettlinger Tor auf ein "ein reguläres Werbejahr vor, – natürlich unter der Prämisse Corona. Dies bedeutet, dass wir uns weiterhin auf ein flexibles Agieren einstellen und sozusagen im Krisenmodus bleiben", so Center-Managerin Anne Klausmann. Dieser Gewöhnungseffekt betreffe sogar die 2G-Regeln.

Anne Klausmann, Center-Managerin des Ettlinger Tors.
Anne Klausmann, Center-Managerin des Ettlinger Tors. | Bild: Klausmann

"Nicht alle Corona-Verordnungen sind zielführend und ich bin mir nicht immer sicher, ob die 2G-Regeln dazu zählen. Grundsätzlich bin ich aber immer dafür, sinnvolle Maßnahmen einzuhalten und wir haben sehr viele Stammkunden, die sie mit viel Verständnis einhalten. Wir sehen also positiv in die Zukunft", meint Andreas Preißler, Mitinhaber des nachhaltigen Modegeschäftes Unikat.

Michael und Andreas Preißler (v.l.). Die Brüder sind Gründer und Inhaber des Unikat Lifestyle in Karlsruhe.
Michael und Andreas Preißler (v.l.). Die Brüder sind Gründer und Inhaber des Unikat Lifestyle in Karlsruhe. | Bild: Unikat

"Die 2G-Regelung ist für Einzelhändler eine Katastrophe"

Natürlich hoffe dabei jeder Einzelhändler, dass "die 2G Regelung im Einzelhandel mit sinkenden Inzidenzen und steigender Impfquote fällt", wie Klausmann anführt. Für viele Einzelhändler nämlich sei die 2G-Regelung eine "Katastrophe. Der Einzelhandel ist nachgewiesenermaßen kein Infektionstreiber und benachteiligt viele Einzelhändler. Wir hoffen also, dass das Land die Verordnungen nachjustiert", meint Lorenz.

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Ähnliches gelte für die neu eingeführte FFP2-Maskenpflicht, wie die Managerin des Ettlinger Tors erklärt. Es gebe für das kommende Jahr aber auch gute Nachrichten für den Einzelhandel. Der neu eröffnete Straßenbahntunnel etwa.

"Der Tunnel ist eine zweischneidige Angelegenheit"

"Karlsruhe hat viele schöne Seitenstraßen, die zum Einkaufsbummel einladen. Und nun, wo der Tunnel fertig ist und die Innenstadt weniger Baustellen und Verkehr ausgesetzt ist, könnte sich das positiv auf den Kundenzulauf auswirken", sagt Preißler. Die positiven Auswirkungen der Kombilösung seien dabei schon sehr deutlich im Ettlinger Tor zu spüren.

Ettlinger Tor Haltestelle
Das Shopping-Center am Ettlinger Tor hat einen Zugang zu einer eigenen Untergrund-Haltestelle. | Bild: Tim Carmele

"Mit der Bahn direkt ins Center fahren - ob von nah oder fern - einfacher geht es nicht mehr. Der neue U-Bahn-Eingang wird bereits rege genutzt. Wenn dann Ende März noch der Autotunnel mit Anbindung an unser Parkhaus eröffnet wird, sind wir verkehrlich optimal aufgestellt", erklärt Center-Managerin Klausmann. Die restlichen Einzelhändler ziehen allerdings nicht nur Vorteile aus dem U-Strab-Tunnel.

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"Der Tunnel ist eine zweischneidige Angelegenheit. Zum einen merkt man natürlich, dass die Innenstadt nun auch zum Flanieren genutzt werden kann und die Kunden berichten von einem angenehmeren Aufenthalt. Zum anderen ist es für die Fahrgäste im Tunnel nicht mehr möglich von der Bahn aus etwas in einem Schaufenster sieht, was einem gefällt", so Lorenz. "Ich bin aber überzeugt, dass die Vorteile der bahnfreien Innenstadt auf Dauer überwiegen werden."

Die Chance auf Normalität

"Auf Dauer" meine dabei auch eine Zeit, in der die Corona-Inzidenzen etwas abgeflaut sind. "Ich hoffe nur, dass wir zur Mitte des Jahres 2022 eine gewisse Herden-Immunität erreicht haben und sich unser aller Leben wieder etwas normalisiert", erklärt Handelsverbands-Vertreterin Lorenz. Eine Hoffnung, in die jeder Karlsruher Einzelhändler einstimmt.

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Neben dem Risiko, dass sich die Lage noch weiter verschärft, bringe ein neues Jahr laut Anne Klausmann nämlich auch "die Chance, uns vom 'Corona-Blues' zu lösen und mit Abflachung der Pandemie wieder an Frequenz und Lebensqualität zu gewinnen."

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