18.10 Uhr: Voller Vorfreude auf den anstehenden Disco-Abend machen sich die typischen Clubgänger vom Party-Schuhe-Shoppen auf den Heimweg. Daheim angekommen, wird erstmal Gute-Laune-Boom-Boom-Musik aufgedreht - schließlich gilt es, sich richtig einzustimmen und die Samstagabend-Müdigkeit zu überwinden. Obwohl man sich zum gemeinsamen "Richten" verabredet hat, geht es nun auf weiblicher Seite an ein hektisches "Vorrichten" - undenkbar, die Freundinnen mit Jogginghose und Augenringen zu empfangen. Währenddessen ist es beim anderen Geschlecht an der Zeit, die "Simpsons" im TV zu schauen.

Wenn der Fahrer mault, geht's los

18.45 Uhr: Nun treffen sich die Mädels zum Aufhübschen: Natürlich findet das obligatorische Sektglas neben Glätteisen und Schminkköfferchen auch seinen Platz. Pausenlos Quatschen und Wimpern-Tuschen passt nicht zusammen, schließlich steht der Mund bei letzterem reflexartig stets offen - und weil dabei auch mal was ins Auge geht, dauert die Badezimmer-Zeremonie mal wieder länger als geplant. "Ich hab nichts zum Anziehen" - die Wahl fällt dennoch mal wieder auf das altbewährte kleine Schwarze. Zeitgleich riechen die männlichen Discogänger an ihren Achseln, um festzustellen, wie wichtig eine Dusche nun noch ist. Man(n) entscheidet sich für das Karo-Hemd, welches schon viele Jahre im Besitz und nun überfordert damit ist, den kleinen Bauchansatz zu verstecken.

21 Uhr: Alle Mann treffen sich zum Vortrinken. Nach tagelangen hitzigen Diskussionen in Smartphone-Messenger-Gruppen wird nun entschieden, wer den Kutscher spielt. Nach Sekt ist man auf weiblicher Seite nun bei Malibu-Maracuja angelangt - das Mannsvolk bleibt bei Bier, eventuell mal ein Havanna-Cola zwischendurch. Natürlich hat wieder jemand nicht zu Abend gegessen - nun wird noch der Pizzalieferant eingespannt.

23.30 Uhr: Wenn der Fahrer mault, geht's los - einen Kurzen zum Anstoßen für alle. Der "Motivationspegel" hat seinen Höchststand erreicht.

24 Uhr: Nach Baustellen-Staus steht man jetzt in der Schlange vor dem Club und friert, schließlich ließ man die Jacken bewusst im Auto - an der Garderobe wird man trotz Pfand eh nur abgezockt.

Hilfloses Rumgewackel zwischen Ball-Werf-Gestiken und vermeintlichen Burlesque-Moves

0.10 Uhr: Hatschi! Auf ins Vergnügen (nachdem man sich mit Mitte 20 oder sogar Anfang 30 darüber aufgeregt hat, dass die Türsteher den Ausweis sehen wollten). Zum Warm-up geht es zunächst an die Bar, um die restliche Meute zu beobachten und zu tratschen: "Guck mal, ihr Rock ist viel zu kurz", "Was will sie nur mit diesem Spinner?", "Richtig peinlich wie die da tanzen, das Lied ist furchtbar." Man selbst wippt "rhythmisch" auf dem Hocker herum und meint, es sehe graziöser aus. Obwohl sie in der Gruppe unterwegs sind, kapseln sich die Single-Männer ab, um ihre Flirtpartnerinnen, die sich wiederum selbst im Rudel aufhalten, nicht mit zu viel Testosteron zu verschrecken.

0.50 Uhr: Sobald das erste Lieblingslied ertönt, schnappt man sich die beste Freundin oder den neugewonnenen Flirt von der Bar und es geht auf die "Tanze". Dort angekommen, regt man sich sogleich darüber auf, wie der DJ den Song mit unmelodischen Sound-Effekten verhunzen konnte.

1.30 Uhr: Hoffen, dass das eigene hilflose Rumgewackel zwischen vermeintlichen Burlesque-Tänzen sowie Basketball-Werf-und-Personen-Angel-Gestiken nicht negativ auffällt.

3 Uhr: Man sehnt sich nach einer kleinen Verschnaufpause. Zum Durchatmen steht ein Abstecher in den überdachten Raucherbereich an. Falls man selbst nich konsumiert, hängt man sich an jemanden der es tut. Der "Motivationspegel" bewegt sich nun auf seiner Abwärtskurve. Aufgrunddessen...

...konsultiert man gegen 3:40 Uhr den ohnehin schon genervten Fahrer und rät ihm ein Machtwort zu sprechen - leider ist nunmal immer jemand der Dumme, der vor allen anderen heim will. Und so werden sämtliche Alkoholleichen eingesammelt, die Draufgänger und Ladykracher von der Bühne geholt und die Schreihälse aus dem internen Schlagerschuppen per Kurznachricht an den Ausgang bestellt. Der obligatorische Besuch eines Fast-Food-Restaurants gehört auch zu später Stunde noch zum Club-Abend dazu, selbst wenn der Magen schon angeschlagen ist und man maximal noch ein Piepsen im Ohr hört. Juhu, der nächste Samstag kann kommen!

Mit der ka-news-Serie "Wie feiert Karlsruhe?" decken wir die Klischees der einzelnen Feiertypen in der Fächerstadt auf: immer samstags servieren wir in den kommenden Wochen eine neue Glosse über die Verhaltensmuster sowie den Abendablauf der verschiedenen Charaktere innerhalb des Karlsruher Partyvolks. Was macht zum Beispiel den typischen WG-Partygänger und was das Cocktailbar-Chick aus? Immer donnerstags gibt es außerdem den "ka-Clubtester" und natürlich noch weitere Artikel rund ums Feiern in Karlsruhe.

 
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