Karlsruhe Nach Amokfahrt in Trier: Wie sicher ist ein Besuch der Karlsruher Weihnachtsstadt?

Auf ihren traditionellen Christkindlesmarkt auf Markt- und Friedrichsplatz sowie die Eiszeit müssen die Karlsruher in diesem Jahr verzichten. Aufgrund von Corona stehen daher 21 weihnachtliche Buden in der ganzen Innenstadt verteilt. Doch wie sorgen hier Polizei und Ordnungsamt für die nötige Sicherheit und Präsenz - gerade nach der Amok-Fahrt in Trier am Dienstag?

Es ist wieder passiert: Am 1. Dezember rast in Trier ein SUV durch die Fußgängerzone. Fünf Menschen, darunter ein erst neun Wochen altes Baby, kommen bei der Amokfahrt ums Leben. Dieses Ereignis ist leider kein Einzelfall.

In jüngerer Vergangenheit wurden immer wieder schwere Fahrzeuge als Waffe eingesetzt - und oftmals sind Volksfeste wie Weihnachtsmärkte das Ziel der Angreifer. So steuert am 23. Dezember 2016 der Attentäter Anis Amri einen Lkw in den Weihnachtsmarkt am Berliner Breitscheidplatz. Elf Menschen sterben, 55 werden verletzt.

Auch Karlsruhe gerät 2017 in den Fokus eines mutmaßlichen Attentäters: Dasbar W. soll einen Anschlag auf die Eiszeit-Bahn vor dem Schloss geplant haben. Auch wenn die Richter dem 32-Jährigen die Anschlagspläne bis zum Ende des Prozesses am Mittwoch nicht nachweisen, sie aber auch nicht ausschließen konnten - die Angst vor einem möglichen Attentat in der Zukunft bleibt.

Poller sollen Plätze schützen

Daher hat die Stadt Karlsruhe schon im Jahr darauf begonnen, sich mit einem "sichtbaren und unsichtbaren" Sicherheitskonzept wie Zufahrtssperren für den möglichen Ernstfall zu rüsten. 2019 ging man sogar noch weiter: Für die generelle Sicherheit bei Veranstaltungen sollen verschiedene Plätze in der Stadt mit festen und versenkbaren Pollern ausgestattet werden.

1,8 Millionen Euro hat der Gemeinderat insgesamt für die neuen Sicherheitsmaßnahmen bereitgestellt. Hinzu kommen 240.000 Euro Unterhaltskosten. Umgesetzt sind bisher allerdings nur die Poller am Marktplatz. 

Bild: Lisa Schuster

Doch aufgrund der Corona-Pandemie wird die Weihnachtsstadt Karlsruhe in diesem Jahr nicht auf dem zentralen und mit Pollern geschützten Marktplatz ausgerichtet. Stattdessen finden sich 21 Buden in der ganzen Innenstadt verteilt. Das Ziel: große Menschenansammlungen verhindern. Doch kann so die flächendeckende Absicherung der weihnachtlichen Stände überhaupt gewährleistet werden? 

Dezentrale Buden sind kein Sicherheitsrisiko

Davon ist Bürgermeister Albert Käuflein überzeugt. Denn auch 2020 werde man - wo nötig - auf einen Zufahrtsschutz in Form von mobilen Barrieren setzen, die die einzelnen Stände umgeben sollen. "Die bisherigen Maßnahmen der vergangenen Jahre haben sich bewährt und werden ständig angepasst und fortgeschrieben", erklärt er auf Nachfrage von ka-news.de.

Bürgermeister Albert Käuflein leitet Dezernat 2.
Bürgermeister Albert Käuflein leitet Dezernat 2. | Bild: Roland Fränkle - Presseamt Stadt Karlsruhe

Ein erhöhtes Sicherheitsrisiko gehe von der dezentralen Verteilung der Buden dabei allerdings nicht aus. "Diese Verteilung hat zum Ziel, große Menschenansammlungen zu verhindern - vor allem, um der aktuellen Corona-Verordnung zu entsprechen. Hierdurch kann unter dem Gesichtspunkt sicherheitsrelevanter Aspekte die Prognose abgegeben werden, dass keine über das Normalmaß hinausgehenden Maßnahmen und Vorkehrungen zu treffen sind", so Käuflein.

Ralf Minet
Ralf Minet | Bild: ka-news.de

Alleine der Kommunale Ordnungsdienst (KOD) und die Polizei seien verstärkt in der Innenstadt präsent und "kontrollieren die geltenden Vorschriften im Rahmen ihrer Streifentätigkeit". Das sei allerdings mit hohem personellem Aufwand verbunden, so Polizei-Pressesprecher Ralf Minet: "Wir können uns nicht gasförmig in der Stadt ausbreiten."

Was passiert im Ernstfall?

Um dennoch für den Ernstfall gerüstet zu sein, "bewerten die zuständigen Behörden die Lage ständig und ergreifen die jeweils notwendigen Maßnahmen", erklärt Bürgermeister Albert Käuflein. Dennoch müsse letztendlich immer der konkrete Einzelfall bewertet werden.

Symbolbild (Fotomontage).
Symbolbild (Fotomontage). | Bild: Thomas Riedel/Paul Needham

Dabei sei man sich allerdings bewusst, "dass eine einhundertprozentige Sicherheit nicht garantiert werden kann". Taten wie in Trier seien nur sehr schwer vorherzusehen und dementsprechend schwer präventabel, erklärt auch Polizeisprecher Minet gegenüber ka-news.de.

Daher sei in solchen Fällen schnelles Handeln ganz besonders wichtig. In Trier etwa konnte der Täter schon vier Minuten nach dem ersten Notruf festgenommen werden.

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