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Karlsruhe Zoff auf dem Christkindlesmarkt: Liebe Stadträte, wo war Euer Protest?

Die Kritik an der Vergabepraxis für den Karlsruher Christkindlesmarkt reißt nicht ab. Die GfK will in einer Anfrage nun wissen, ob bei den Richtlinien nachgebessert werden muss. Dabei sollte die Frage lauten: Warum kommt die Kritik erst jetzt? Ein Kommentar von Ramona Holdenried.

Es ist ein Drama, das Charles Dickens nicht besser hätte entwerfen können: Wochen vor dem Fest der Liebe erteilt die Stadtverwaltung mehreren armen Standbetreibern eine Absage. Nach vielen, vielen Jahren dürfen sie erstmals nicht mehr auf dem Christkindlesmarkt dabei sein. Die Entrüstung in der Fächerstadt ist groß.

Extrawürste darf es für niemanden geben

Was in der Debatte über die geschassten Beschicker oft untergeht: Das Marktamt hat das neue Punktesystem nicht aus einer schlechten Laune heraus entwickelt. Auf dem Friedrichsplatz gibt es lediglich Platz für 90 Stände. Was zunächst nach viel klingt, birgt Konfliktpotential. In der Vergangenheit kam es immer wieder zu Beschwerden von Standbetreibern, die keinen Platz auf dem Christkindlesmarkt bekommen hatten. Es musste ein einheitliches und rechtssicheres System her.

Es gibt also einen guten Grund für die neuen Regelungen. Diese gelten folglich für alle und müssen dann auch konsequent eingehalten werden - auch wenn es dann vielleicht jemanden trifft, bei dem man es nicht erwartet hätte. Das ist dann aber nur recht und billig. Wenn bei jeder neuen Richtlinie Sonderregelungen für einzelne Betroffene gemacht werden, kann man es mit neuen Regeln von vornherein sein lassen.

Warum kam vorher keine Kritik?

Ob man einem Pizzabäcker Gebert, der immerhin seit 46 Jahren mit auf dem Christkindlesmarkt dabei war, in der Kategorie "Traditionsgeschäft" wenig bis keine Punkte geben muss, darf an dieser Stelle durchaus bezweifelt werden. Einen Vorwurf kann man allerdings nicht gelten lassen: Die neue Regeln wurden nicht im Hinterzimmer getroffen und auch nicht verschwiegen.

Genau dies klingt aber nun bei einer  Anfrage der Wählergemeinschaft für Karlsruhe (GfK)  durch. Sie werfen der Stadt vor, der Bewertungsprozess sei nicht transparent und objektiv genug gewesen. Hierzu sei gesagt: Die Entscheidung des Gemeinderats ist seit bald einem halben Jahr öffentlich zugänglich und zwar für alle Karlsruher Bürger.

Um verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen, schlägt die GfK nun zudem noch vor, Tradition bei der Beurteilung künftig stärker zu gewichten und die "Jury" für die Bewertung der Stände besser auszusuchen. Zudem sollen altbewährte Beschicker stärker unterstützt werden.

Wenn das System Fehler hat, so muss doch die Frage erlaubt sein, wie die Richtlinien sowohl den Ausschuss für öffentliche Einrichtungen, den Hauptausschuss und dann den Gemeinderat - ohne große Diskussion - passieren konnten. Liebe Stadträte, wo waren hier Kritik und Protest gegen vermeintliche Fehler? Die jetzigen Verbesserungsvorschläge kommen schlichtweg ein halbes Jahr zu spät!

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Kommentare (11)
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  •   Robina
    (202 Beiträge)

    02.12.2016 16:05 Uhr
    Mein erstes Weihnachtsgeschenk!
    Ein wirklich entlarvender Artikel über diese "Gemeinsam für Karlsruhe" Wählerliste!
    Statt aktiv sich einzubringen - "heulen" ihre Stadträte wie üblich dann "wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist!"
    Weiter so - nehmen Sie auch die anderen Gruppierungen und Parteien "ins Visier"!
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  •   bergdoerfler
    (1629 Beiträge)

    01.12.2016 14:50 Uhr
    Weihnachtsmarkt Pfründe für wenige?
    Es ist doch gut, dass wir freie Marktwirtschaft haben und jeder Beeerber soll dann die selben Chancen haben. Das kann er nur duch Bewerbungen, die Auslese bei Platzmangel muss dann nach Kriterien erfolgen. Besitzstandswahrung gibt es dabe keine. Sonit haben auch andere Bewerber malch die Möglichkeit ihren Stand auf zu machen. Die "Schausteller" haben über das Jahr gesehen doch mehr Gelegenheiten ihre Ware zu verkaufen. Da ist der Christkindlesmarkt doch nicht ihre einzige Verdienstquelle oder? Übrigens hat mir der Pizzastand mit seinem grellen Licht noch nie gefallen. Der Riesenglühweinstadl vom Keth ist auch jedes Jahr immer größer geworden. In dessen Anfangszeiten war es dort viel gemütlicher! Die Qualität war auch besser.
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  •   ALFPFIN
    (6695 Beiträge)

    01.12.2016 14:13 Uhr
    Christkindlesmarkt
    Nimmt man es genau, das mit dem Christkindlesmarkt (also zur Geburt Jesu) dürfte da nur wie damals durch die drei Heiligen Gold, Weihrauch und Myrrhe angeboten werden und der ganze sonstige Nippes gehört eigentlich da nicht hin. Auch kein Glühwein, der ja auf dem Weihnachtsmarkt an mehreren Ständen, sagen wir einmal teilweise auch in recht merkwürdigen „Geschmacksrichtungen“ angeboten wird. Gut, später soll der Herr Jesus aus Wasser Wein (vielleicht auch Glühwein) gemacht haben, daran erinnert man sich ja heute hie und da noch und das eine oder andere Gesöff, das diese Wandlung durchgemacht hat, war ja auch schon im Handel.

    Also wenn man sich an die eigentliche Bescherung der drei Heiligen hält auf dem Weihnachtsmarkt, wäre der sehr überschaubar und man bräuchte auch kein Punktesystem.
    Sollte jetzt jemand meinen, dass ist aber arg ironisch ausgedrückt, so hat er recht. grinsen
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  •   ulika
    (175 Beiträge)

    01.12.2016 13:18 Uhr
    Christkindlesmarkt
    Die Gfk reitet leider immer die Populismuswelle und tut dann so als wären sie die Kümmerer.
    Ich bin aus Nürnberg und als ich vor vielen Jahren nach Karlsruhe zugezogen bin fand ich den Christkindlesmarkt hier zum Grausen. Vor allem die Stände die außer einem Tannenwedel quasi unverändert von der Mess übernommen waren, fand ich gruselig für einen Weihnachtsmarkt. Mittlerweile finde ich den Karlsruher Markt ganz nett, auch dank der Tatsache, dass man mehr Wert auf das Aussehen der Stände legt. Meiner Meinung nach, hat das nichts damit zu tun ob jetzt Pizza oder Fladenbrot angeboten wird oder ob der Händler schon immer da war, es ist die Frage des Gesamteindrucks. Danke liebe Stadtverwaltung, dass man da endlich zur richtigen Einsicht kommt. Ich finde zB. auch, dass Stände mit Töpfen und Pfannen nichts auf einem Weihnachtsmarkt verloren haben.
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  •   fuzzynervzwerg
    (1148 Beiträge)

    01.12.2016 14:28 Uhr
    Mir ging das pfeilgrad genau so.
    Als ich hierher kam und den ersten Weihnachtsmarkt in Karlsruhe gesehen hab, dachte ich auch, na, bis zum Christkindlesmarkt isses aber noch ein weiter Weg.
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  •   haku
    (4063 Beiträge)

    01.12.2016 12:54 Uhr
    @ka-news: Was soll das?
    Zitat von ka-news Einen Monat vor dem Fest der Liebe erteilt die Stadtverwaltung mehreren armen Standbetreibern eine Absage.


    Hallo!? Die Absagen kamen schon vor ein paar Monaten und die Betroffenen konnten wohl noch nachbessern. Kein (potentieller) Standbetreiber hat einen Monat vor Weihnachten eine Absage bekommen.
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  •   ckckck
    (421 Beiträge)

    01.12.2016 12:56 Uhr
    von wegen arm
    sorry, aber ich kann kaum glauben, das die arm sind... meist sind es Budenbetreiber, die quasi nur über den Weihnachtsmarkt arbeiten und den Rest des Jahres die Füße hochlegen.
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  •   Originalteil
    (1242 Beiträge)

    01.12.2016 16:43 Uhr
    Aha,
    du glaubst auch, dass die Müllabfuhr nur donnerstags arbeitet, oder?
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  •   ratzfatz67
    (314 Beiträge)

    01.12.2016 13:14 Uhr
    Sich gleich am ersten Satz
    aufzuhängen und dabei die Ironie in der Bezeichnung "arm" nicht wahrzunehmen, ist schon bemerkenswert.
    Vielleicht zukünftig einen Beitrag einfach mal bis zum Ende durchlesen?

    Denn die Frage, warum im Vorfeld keine Beschwerden (Stadtrat, Beschicker) kamen, ist sehr berechtigt.
    Diese ganze Diskussion ist aber für die betroffenen Stände eine prima kostenlose Werbung. Würde mich mal interessieren, ob sich das am diesjährigen Umsatz bemerkbar macht. Denn alle, die sich über die "Ungerechtigkeit" beschweren, müssten dann ja erst recht genau diese Stände erst recht frequentieren zwinkern
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  •   Robert1959
    (1927 Beiträge)

    01.12.2016 12:39 Uhr
    'Wenn die Nachfrage so hoch war!
    Dann hätte man ihn auch auf dem Festplatz machen können. Die jetzigen Stände sind dort ohnehin schon zu eng beianander Ein Paradies für Diebe!
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