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Karlsruhe Karlsruher Christkindlesmarkt: Wie steht's um die Barrierefreiheit?

Ist der Karlsruher Christkindlesmarkt barrierefrei? "Nein, nicht wirklich" berichtet ka-Reporterin Sonja Stahl. Mit einem Elektrorollstuhl hat sie den den Weihnachtsmarkt getestet. Ergebnis: An einigen Stellen hakt es gewaltig. Besonders die Holzschnitzel zwischen den Buden sowie eine in diesem Jahr neu errichtete Fußgänger-Rampe sorgt für Frust bei den Rollstuhlfahrern.

"Karlsruhe wäre gerne eine 'barrierefreie' Stadt", schreibt ka-Reporterin Sonja Stahl in ihrer Mail an ka-news. "Wäre gerne", schreibt sie, nicht "ist". Dabei weiß Stahl genau wovon sie spricht: Sie ist mit ihrem Elektrorollstuhl unterwegs, um die Fächerstadt auf ihre Barrierefreiheit zu prüfen. Mit dem Christkindlesmarkt ist sie dabei alles andere als zufrieden.

Einige Probleme sind der Stadt bekannt, wie am Dienstag bei einem Pressetermin auf dem Karlsruher Weihnachtsmarkt deutlich wurde. Doch die Verantwortlichen versichern: Im Vergleich zum letzten Jahr habe sich schon einiges getan - weitere Schritte sollen folgen.

Enge Gassen und Rindenmulch werden zum Hindernis

Man habe ihr als Rollstuhlfahrerin bereits vor einem Jahr davon abgeraten den Christkindlesmarkt, damals erstmals auf dem Friedrichsplatz, zu besuchen. Der Grund: Viele der "Gassen" zwischen den Ständen könne sie mit dem Rollstuhl nicht benutzen. Stahl hat diese Vorwarnungen ignoriert - doch sie haben sich bewahrheitet: "Etliche Wege waren mit Rindenmulch abgedeckt und deshalb mit dem Rollstuhl wegen der dünnen Bereifung fast nicht befahrbar", erinnert sich sich ans Premierenjahr auf dem Friedrichsplatz.

Mit Blick auf dieses Jahr schildert sie ernüchtert: "Eigentlich hoffte ich, dass man dieses Jahr etwas anders machen wird - aber da habe ich falsch gedacht" heißt es in ihrer Mail. Auch dieses Jahr könne von Barrierefreiheit auf dem Karlsruher Christkindlesmarkt keine Rede sein. "Ich finde es schade, dass durch solche Dinge viele Besucher abgehalten werden", so Stahl. Und weiter: "Was nützen die Organisation und tolle Attraktionen, wenn die Leute nicht durchkommen?"

Probleme sind bei der Stadt bekannt

Armin Baumbusch, Leiter des Marktamts der Stadt Karlsruhe, kennt die von Stahl geschilderten Probleme. Bei der Besichtigung des Weihnachtsmarkts am Dienstagnachmittag sagt er: "Es gilt, die Barrieren so gut es geht abzubauen. Nicht nur mit Blick auf das nächste Jahr. Vielmehr suchen wir auch nach Möglichkeiten, noch in diesem Jahr tätig zu werden."

Trotzdem, so Baumbusch, habe sich im Vergleich zur letzten Weihnachtszeit auf dem Karlsruher Friedrichsplatz schon viel getan: "Wir haben in diesem Jahr teilweise umgestellt, um eine größere Freifläche mit festem Untergrund in der Mitte zu bekommen", so der Chef des Marktamts. "Theoretisch", sagt er, "kann sich durch die Veränderungen in diesem Jahr jeder Rollstuhlfahrer auf dem kompletten Markt bewegen."

Hindernis: Rampen am Naturkundemuseum

Baumbusch betont das Wort "theoretisch" - denn er weiß, in der Praxis sieht es für die Karlsruher Rollstuhlfahrer anders aus. Das "neueste" Problem ist dabei dieses Jahr eine Fußgänger-Rampe, die an den Stufen vor dem Naturkundemuseum angebracht ist. Für Rollstuhlfahrer ist sie nicht selten ein unüberwindbares Hindernis: Mit einer hohen Kante sowie Querstreifen, die den Fußgängern die Rutschgefahr nehmen soll, sind sie für Rollstuhlfahrer nicht geeignet. Ein Umstand, den Baumbusch jetzt kennt und schnell ändern will: "Die Rampe ist zum Beispiel etwas, was sich noch in diesem Jahr verbessern ließe", hofft er.

Kritik wie die von Sonja Stahl ist für die Stadt dabei nichts Neues. Baumbusch räumt ein: "Uns haben schon mehrere Zuschriften erreicht, in denen die Barrierefreiheit kritisiert wurde." Dabei gehe es auch immer wieder um die Holzhackschnitzel, die quer über die Friedrichsplatz und im Kinderland auf dem Kirchplatz St. Stephan verteilt liegen.

Holzschnitzel haben wichtige Funktion

Baumbusch nimmt diese Kritik gerne an, sagt: "Es gilt hier 'Learning by Doing'. Viele Probleme können einfach nur Betroffene herausfinden." Dennoch seien besonders die Holzschnitzel ein echter Hingucker und erfüllten überdies auch eine wichtige Funktion. Baumbusch erläutert: "An vielen Stellen schützen sie den Rasen." Bei Regen verhindern sie laut dem Marktamtschef zudem, dass der Belag, die sogenannte wassergebundene Decke aufweicht und für dreckige Schuhe und jede Menge Schlammfrust bei den Besuchern sorgt.

Marion Schuchardt, Koordinatorin für Behinderte der Stadt Karlsruhe, erkennt ohnehin eine deutliche Verbesserung zum letzten Jahr: "Vor einem Jahr waren die Holzschnitzel fast überall. Dieses Jahr sind breite Gassen frei gelassen und es wird regelmäßig gefegt", stellt sie zufrieden fest.

Um Menschen mit Behinderungen die Möglichkeit zu geben, den Weihnachtsmarkt in diesem Jahr problemlos zu besuchen, bietet das Inklusionsbüro am Donnerstag, 11. Dezember, von 13 bis 15 Uhr sowie am Donnerstag, 18. Dezember, von 15 bis 17 Uhr, kostenfrei begleitete Rundgänge über den Karlsruher Weihnachtsmarkt an.


 

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  •   DAASSI
    (358 Beiträge)

    03.12.2014 13:38 Uhr
    die Holzschnitzel
    sind deutlich besser als die rutschigen Gummiplatten und komplett nassen Stoffbeläge, wäre besser, wenn die überall sind.
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  •   DAASSI
    (358 Beiträge)

    03.12.2014 13:40 Uhr
    verstehe nicht ganz
    wo mit Rollstühlen da große Probleme sein sollen? Mit den großen Rädern müsste man da doch ganz gut vorankommen müssen oder irre ich mich?
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  •   firerwheel
    (20 Beiträge)

    03.12.2014 14:37 Uhr
    Du irrst gewaltig
    a graben sich die kleinen Vorderräder in den Mulch so das sie schon mal blockieren und b geht es den großen Rädern aufgrund der schmalen Reifen ebenso. Zusätzlich kommt hinzu, dass eine große Last auf eine kleine Fläche auf weichen Untergrund wirkt - alles andere als optimal. Leidtragende dieses Schwachsinns sind beim weiterer Denkweise auch Mütter/Väter mit Kinderwagen, Omi/Opi mit Rollator oder Gehbehinderte mit Krücke
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  •   firerwheel
    (20 Beiträge)

    03.12.2014 08:42 Uhr
    the same procedure is every year
    die hier aufgezeigten barrierefreien Mängel sind zum größten Teil letztes Jahr schon genannt worden
    "Es gilt hier 'Learning by Doing'. Viele Probleme können einfach nur Betroffene herausfinden." Dennoch seien besonders die Holzschnitzel ein echter Hingucker und erfüllten überdies auch eine wichtige Funktion. Baumbusch erläutert: "An vielen Stellen schützen sie den Rasen."
    - wenn er lernen will stelle ich ihm gern einen Rollstuhl zur Verfügung
    - form follow function: Die Funktion des Weihmachtsmarktes besteht doch darin ihn zu besuchen. Durch die Holzschnitzel ist dies nicht möglich
    - Anfahrrampen mit querliegenden Holzleisten - Zimmermansarbeit 1. Ausbildungswoche?

    Es gibt fertige, funktionale und gut aussehende Systeme für den Rasenschutz /(Vlies, Bodenplatten, Gewebe) Abgesehen davon wo ist bei St. Stephan am Kinderland Rasen?
    Analog gilt dies auch für Anfahrrampen. Hier bvietet der Markt gängige funktionale Systeme.

    learning by doing the next 3 years? Nachdenken!!!!
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