"Meistens macht man sich nicht allzu viele Gedanken darüber, welche Anforderungen der Betrieb eines Tunnels eigentlich stellt", sagt Oberbürgermeister Frank Mentrup bei der Vorstellung der Sicherheitstechnik des Karoline-Luise-Tunnels. "Man fährt in den Tunnel rein und kaum ist man drinnen auch schon wieder raus. Das kann einen schon dazu verleiten zu glauben, es sei einfach nur eine Röhre in der Erde und sonst nichts. Aber weit gefehlt", sagt er.

Karoline-Luise-Tunnel: Vorführung der Technik
Karlsruhes Oberbürgermeister Frank Mentrup im Karoline-Luise-Tunnel vor seiner Fertigstellung. | Bild: Lars Notararigo

Alleine die Elektrotechnik des Tunnels sei ein filigranes Konstrukt, das allerlei Fehlerquellen zu bieten habe. "Der Tunnel verfügt über 36 Belüftungsanlagen, 70 Lautsprecher, 90 Kameras, 23 auf vielfach verkabelte Notrufnischen, 700 Leuchten und er wird im Brandfall automatisch gesperrt", sagt der Projektleiter für den Umbau der Kriegsstraße, Johannes Häberle. "Dabei haben wir über 6.000 Fehlermeldungen, die wir in einer Schaltzentrale überwachen."

Karoline-Luise-Tunnel: Vorführung der Technik
Johannes Häberle, Bauingenieur bei der Kasig und Projektleiter zum Umbau der Kriegsstraße. | Bild: Lars Notararigo

"Probleme summieren sich häufig"

In dieser Zentrale sind die verschiedenen Segmente auf mehreren Bildschirmen angezeigt und werden von den dortigen Mitarbeitern mittels Sicherheitsprogrammen und Software überwacht. "Grundsätzlich können die Programme die Fehler auch selbst lokalisieren und identifizieren", so Häberle. "Aber die Nuancen muss das Personal immer noch selbst bestimmen, beziehungsweise entscheiden, was zu tun ist."

Karoline-Luise-Tunnel: Vorführung der Technik
Die Mitarbeiter der Schaltzentrale prüfen die Technik des Tunnels schon jetzt auf Fehler. | Bild: Lars Notararigo

Häufig komme eine Fehlermeldung nämlich nicht alleine, sondern ziehe - wie in jedem komplexeren System - einen Rattenschwanz nach sich. "Alleine die Belüftungsanlagen haben 38 Kontakte und wenn eine davon ein Problem hat, weiß man im ersten Moment nicht. Ob die anderen auch davon betroffen sein werden oder nicht - man muss also manchmal schneller als die Software die Quelle des Problems erkennen. Außerdem summieren sich die Probleme  ja auch sehr häufig", sagt der Projektleiter.

Karoline-Luise-Tunnel: Vorführung der Technik
Auch OB Mentrup und KVV-Chef Alexander Pischon sprechen großes Interesse für die Schaltzentrale aus. | Bild: Lars Notararigo

Ebenso könne die Schaltzentrale nur die Komposition des Tunnels überwachen, was von Fehlern der Verkabelung bis zur Rauchmeldung im Tunnel reiche. Was im Tunnel passiert, könne sie nicht erfassen, entsprechend bleibe ein Teil der Sicherheitsvorsorge auch bei den Fahrern selbst.

Unfälle müssen selbst gemeldet werden

"Einen Unfall im Tunnel erkennt die Software nicht", sagt Häberle dazu. "Polizei und Rettungskräfte müssen immer noch selbst alarmiert werden - aber das ist ja auf allen Strecken so. Natürlich wird das Personal das auch übernehmen, wenn sie gerade einen Unfall mitbekommen, aber bis dahin haben meist schon die Autofahrer die Initiative ergriffen", so Häberles Einschätzung. "Auch deshalb gibt es im Tunnel alle 150 Meter eine Notrufstelle."

Karoline-Luise-Tunnel: Vorführung der Technik
Eine separate Notrufnische ist in regelmäßigen Abständen in den Beton eingelassen. | Bild: Lars Notararigo

Notrufe vom Tunnel aus seien dabei sogar nur die zweite Wahl. "Wir gehen davon aus, dass in Zeiten des Mobilfunks die meisten Notrufe sowieso über das Smartphone ablaufen werden", so Häberle. "Deshalb haben wir auch hier unten Schaltkästen und Repeater der drei großen Netzbetreiber Vodafone, O2 und Telekom, damit das Mobilfunknetz auch im Tunnel immer problemlos für einen Notruf reicht", sagt er. "Sobald die Polizei für den Tunnel unterwiesen ist, sind wir also unfallsicher."

Karoline-Luise-Tunnel: Vorführung der Technik
Den Schaltkästen für Vodafone, O2 und Telekom fehle noch ihre Ummantelung. | Bild: Lars Notararigo

Eine unsichtbare Radarfalle?

Um einem möglichen Unfall aber präventiv zuvorzukommen, werde auch die Geschwindigkeitskontrolle nicht vergessen. "Obwohl die Fahrbahn des Tunnels einspurig ist, rechnen wir nicht mit einer Verlangsamung des Verkehrs. Immerhin gibt es keine Kreuzungen, Knotenpunkte oder Seiteneinflüsse an den unterirdischen Fahrspuren. Damit die Sicherheit aber auch bei ungestörtem Verkehrsfluss gewährleistet bleibt, wird die Geschwindigkeit überwacht", erklärt Häberle.

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"Derzeit werden bereits einige Blitzer installiert", so der Projektleiter. "Allerdings funktioniert eine normale Radarfalle ja meistens mit einem Infrarot-Blitz, der hier im Tunnel eine blendende Wirkung hätte." Aus diesem Grund sei der Tunnel mit auf Schwarzlicht basierten Blitzern ausgestattet. "Und das hat einen entscheidenden Nachteil für Fahrer", sagt er.

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Jene unverwechselbare Schrecksekunde, wenn der Infrarot-Blitz aufleuchtet, ist kaum zu verpassen. Ein Schwarzlicht-Blitz hingegen sei gerade im Tunnel nur sehr schwach mit bloßem Auge wahrzunehmen. "Es ist also wahrscheinlich, dass man gar nicht bemerkt, dass man geblitzt wurde", sagt der leitende Ingenieur Häberle. Entsprechend könnte dem ein oder anderen Autofahrer eine böse Überraschung bevorstehen, wenn er einige Wochen nach der Tunnelfahrt seine Post durchgeht.

Alle Bilder zur Sicherheitstechnikvorführung:

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