Wenn der Wecker von Claus Hofmann klingelt, liegen die meisten Arbeitnehmer in Karlsruhe noch im Bett. Doch er muss so früh aufstehen, damit die Bahn-Pendler an ihr Ziel kommen. Seit über acht Jahren fährt Hofmann die Triebwagen der Verkehrsbetriebe Karlsruhe (VBK) über die Schienen der Fächerstadt. ka-news hat er einen Einblick in seinen Arbeitstag gegeben.

Um drei Uhr klingelt in einer Wohnung in Mühlburg der Wecker: Der Tag von Claus Hofmann beginnt sehr früh. Rund 45 Minute später ist er im Betriebshof West und wird mit einer Straßenbahn das Depot wieder verlassen. Für die Mitarbeiter der Verkehrsbetriebe fährt ein Pendelbus vom Entenfang zum Betriebshof, eine Bahn fährt um diese Zeit noch nicht in diese Richtung.

Spontaner Fahrzeugwechsel

Im Betriebshof stehen die Fahrzeuge zu dieser Zeit auf vielen Gleisen nebeneinander und auch hintereinander und warten auf ihren Einsatz. Im Schichtplan ist genauestens geplant, welches Fahrzeug er übernimmt und welche Linie er an diesem Tag fahren soll.

"Bevor ich losfahren kann, kommt eine erste Kontrolle des Fahrzeugs", beschreibt Hofmann seinen Arbeitsbeginn. Erst dann darf das Fahrzeug auf die Strecke. "Manchmal, aber sehr selten, kommt es vor, dass der Fahrer eines vorderen Fahrzeugs verschlafen hat, dann komme ich auch nicht aus der Schlange", gibt Hofmann schmunzelnd an. Dann könnte ihn die Leitstelle anweisen, dass er ein anderes Fahrzeug nimmt: "Dann geht die Kontrolle aber wieder von vorne los" so der VBK-Fahrer weiter.

"Ich habe es mir leichter vorgestellt"

Den Arbeitsplatz hinter dem Steuerpult der Bahn hat Hofmann per Zufall gefunden. "Ich war davor bei der Bundeswehr in Karlsruhe angestellt. Als die Basis geschlossen wurde, habe ich mich nach etwas Neuem umgesehen", erzählt Hofmann. Die Ausschreibung für den Job in einem öffentlichen Dienst hat ihm dabei auf Anhieb zugesagt. "Auch wenn ich mir anfangs die Arbeit leichter vorgestellt habe."

Es folgten drei Monate Ausbildung in Vollzeit. "Viel Praxis aber auch einiges an Theorie", wie Hofmann berichtet. Ziel sei es, dass die Fahrer das Fahrzeug kennen. "Wir müssen uns in jeder Situation zu helfen wissen." Nicht alle Teilnehmer beweisen diese Fertigkeit und werden daher nicht übernommen. "Das ist aber nur ein kleiner Teil", weiß Hofmann. Anders sieht es bei den Kollegen der Albtal-Verkehrs-Gesellschaft (AVG) aus, hier ist die Durchfallquote höher.

Nur noch in der Frühschicht

Anfangs war er im sogenannten "Großen Turnus" eingeteilt. Diese Fahrer können in allen Schichten, von morgens bis in die Nacht, eingeteilt werden. "Die Arbeit ist eine Herausforderung", sagt Hofmann. Neben diesem Schichtmodell gibt es zudem einen "Kleinen Turnus" und einem "Wunschturnus". In letzterem Schichtmodell können die Fahrer angeben, wann sie arbeiten und wann sie frei haben wollen. "In rund 80 Prozent der Fälle kann dem Wunsch entsprochen werden." Hofmann hat sich vor einiger Zeit für den "Kleinen Turnus" beworben und fährt seither ausschließlich in der Frühschicht.

"Gerade zu dieser frühen Uhrzeit, in der noch nicht viel los ist, kennt man die Fahrgäste oft", so Hofmann. Viel Kontakt hat er allerdings nicht mit ihnen. "Eigentlich nur, wenn mal jemand eine Auskunft haben möchte." Umso mehr freut er sich über kleine Gesten: "Wenn ich schon angefahren bin und nochmal anhalte und die Tür aufmache, freue ich mich schon über ein Dankeschön."

"Mit der Zeit kennt man die Brennpunkte"

Die Abwechslung macht für ihn dabei den Job des Bahnfahrers aus: "Jeder Tag ist anders. Die Arbeit besteht nicht nur aus Fahren und Türen öffnen." Für die Arbeit müsse er hochkonzentriert sein und auch teilweise für die anderen Verkehrsteilnehmer mitdenken. "Mit der Zeit kennt man die Brennpunkte auf den Strecken."

Über Umleitungen und Sperrungen auf der Strecke werden die Fahrer regelmäßig per E-Mail oder Post informiert. In der Zentrale an der Tullastraße gibt es zudem eine Pinnwand, auf der alle Betriebsanweisungen gesammelt sind.

Nur ein Teil der Betriebsanweisungen, die jeder Fahrer im Kopf haben sollte.

"Einmal konnte ich gerade so einen Unfall verhindern", erzählt Hofmann. "Ein Lastwagen stand neben den Schienen und ich bin vorsichthalber sehr langsam herangefahren. Dann springt der Fahrer plötzlich aus seiner Kabine auf die Schienen." In diesem Fall sei nichts passiert, aber immer wieder würden Fußgänger oder Autofahrer den Weg der Bahn kreuzen. "Gerade für die jüngeren Kollegen ist es eine Belastung, dass es jederzeit zu einem Unfall kommen kann", gibt Hofmann an. Er versucht diesen Stress nicht zu nah an sich ran zu lassen. "Wenn ich aus der Kabine aussteige, schalte ich ab."

Für Verspätung können Fahrer selten was

Auch Verspätungen sind häufiger ein Thema für die Fahrer. Auf einem kleinen Monitor in der Fahrerkabine wird ihnen angezeigt, ob sie im Fahrplan sind - oder eben nicht. Für die Verspätungen können die Fahrer meist selbst nichts: "Größere Gruppen drücken sich immer zu einer einzigen Tür rein", berichtet Hofmann. Aber auch blockierte Schienen durch parkende Autos oder Fahrzeugstörungen können Gründe sein.

"Mit der Leitstelle kann dann ein verkürzter Fahrweg abgesprochen werden, damit wir wieder in den Zeitplan kommen", beschreibt der VBK-Fahrer das Vorgehen. Kürzere Verspätungen können mit den Wendezeiten an den Endhaltestellen ausgeglichen werden.

An diesem Tag gab es keine besonderen Vorkommnisse, so ist Hofmann um kurz vor elf Uhr mit seiner Schicht fertig. Der Vorteil an seiner Schicht sei, dass er so mehr Zeit für die Familie hätte. "Am Mittag brauche ich eine kurze 'Augenpflege' aber dann bin ich schon fit." Doch lange aufbleiben wird er am Abend nicht, denn um drei Uhr wird schon wieder sein Wecker klingeln.

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