Nach 38 Tweets musste der 19-jährige Blogger Jonathan Müller den Account einstellen. Die Internet-Gemeinde reagierte mit Unverständnis auf das Verhalten des Karlsruher Verkehrsverbunds. "Schade - warum denn das?", twitterte ein Nutzer auf den Abschiedsbeitrag des Karlsruhers im Namen von "KVVinfo". Eine weitere Abonnentin bezeichnete die Reaktion des KVV als "starkes Stück".

Strafbewehrte Unterlassungserklärung für KVV-Twitterer

"Ich folge den Dresdner Verkehrsbetrieben bei Twitter und fand diesen Service so gut, dass ich ihn auch für Karlsruhe einrichten wollte", begründet Jonathan Müller seine Motivation gegenüber ka-news. Während der 19-Jährige es nach eigener Aussage "nur gut meinte", war er sich jedoch nicht über die rechtlichen Folgen bewusst. Denn der Karlsruher musste den Twitter-Account nicht nur unverzüglich löschen, sondern auch eine strafbewehrte Unterlassungsunterklärung abgeben.

Müller hatte ohne Absprache das KVV-Logo genutzt und weder auf der Twitter-Seite noch im Austausch mit den Nutzern kenntlich gemacht, dass es sich um einen inoffiziellen Twitter-Account des KVV handelte. Jonathan Müller selbst meldete sich schließlich bei den Verkehrsbetrieben, als die ersten Nutzer von einem offiziellen KVV-Twitter-Account ausgingen. Das bestätigt auch eine KVV-Sprecherin. "Wir haben selbst bereits an einem eigenen Twitter-Account geplant und deshalb sein Angebot dankend abgelehnt", so die Unternehmenssprecherin gegenüber ka-news.

Für Jonathan Müller ging das allerdings aus dem Schreiben des KVV nicht deutlich hervor. Er twitterte munter weiter - und bekam prompt Post von den Verkehrsbetrieben, in denen diese ihm rechtliche Konsequenzen und Strafzahlungen, laut Müller in fünfstelliger Höhe, androhten

Falsche Twitteraccounts sind kein Einzelfall

"Ich kann nachvollziehen wie der KVV reagiert hat", sagt Jonathan Müller heute, betont aber: "Ich habe niemandem mit dem Twitter-Account schaden wollen". Auch wenn er sein Handeln im Nachhinein bereut, ist der Karlsruher trotzdem über die Reaktion des KVV enttäuscht. "Man hätte defintiv menschlicher reagieren können", findet der 19-Jährige. Der KVV verteidigt seinen Bescheid zur Unterlassungserklärung dagegen als "gängigen Vorgang".

Der falsche Twitteraccount der Verkehrsbetriebe jedenfalls ist kein Einzelfall. Vor zwei Jahren fingen die Freunde Michael Umlandt und Marco Bereth an, im Namen des ZDF Programminfos zu twittern und sogar auf Zuschauerkritik zu antworten - zunächst ohne Wissen des Senders. Der zeigte sich aber so beeindruckt von der Arbeit der Beiden, dass er ihnen kurzerhand einen Arbeitsvertrag anbot. "Die beiden haben einen klasse Job gemacht und so getwittert, wie wir es selber auch getan hätten", sagt Tina Kutscher, Leiterin der Zentralredaktion Neue Medien im ZDF damals.

ka-news - zwei Mal bei Twitter?

Selbst von ka-news gibt es einen inoffiziellen Twitter-Account: ein unbekannter Nutzer hat sich schon vor geraumer Zeit die Mühe gemacht den Namen ka_news bei Twitter registriert und lässt diesen seitdem per Automatik mit den neuesten Nachrichten befüllen. Offiziell ist ka-news dagegen unter dem Account kanews (ohne Unterstrich) bei Twitter aktiv, twittert Nachrichten und antwortet auch auf Nachfragen von Nutzern.

Auch die KVV wird es demnächst wieder bei Twitter geben. Schon ab der kommende Woche wolle man unter dem Account "KVV GmbH" eigene Informationen über Twitter einstellen, so eine Sprecherin.

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Stadtblog Karlsruhe

ka-news bei Twitter: http://twitter.com/#!/kanews