Karlsruhe ...und zum Dritten

Kommt möglicherweise unter den Hammer: Darstellung der Geburt Jesu aus dem 13. Jahrhundert
(Foto: ka-news)
Wenn beim Festakt "200 Jahre Baden" diskutiert wird, muss es auch danach weiter gehen. Das meinen zumindest einige Politiker der Region, die nicht mit dem Verkauf badischen Kulturguts in Form mittelalterlicher Schriften einverstanden sind (ka-news berichtete). Kaum ist das kalte Büffett des Festakts im Badischen Staatstheater Karlsruhe warm, melden sich Vertreter von Grünen und FDP einhellig zu Wort: Kulturell wichtige Schriften aus Baden dürfen nicht verkauft werden. Auch die SPD hat diese Haltung und lud zu einer Pressekonferenz ein.

Johannes Stober, örtlicher Wahlkreisabgeordneter der SPD, stellte am gestrigen Montag gleich zu Anfang klar: Bevor ein Verkauf kulturell wichtiger Handschriften überhaupt diskutiert werden könne, müssten die juristischen Hintergründe geklärt werden. Es gebe noch zu viele offene Fragen: Wem gehören die Schriften tatsächlich? Gibt es möglicherweise eine Klausel im Testament des Großgerzogs von Baden, dass die Schriften immer der Öffentlichkeit zur Verfügung stehen müssten? Dies würde einen Verkauf nach Stobers Meinung von vornherein unmöglich machen.

Tauss: "Oettinger und Frankenberg sind kulturlos"

Eine kunstvolle Handschrift aus dem 13. Jahrhundert (Foto: ka-news)
Die kulturpolitische Sprecherin der Landtagsfraktion der SPD, Helen Heberer, wies auf einen europäischen Zusammenhang hin. Bei den besagten Schriften handle es sich teilweise um Briefe aus der Türkei und Spanien. Heberer ist sich nicht sicher, wie diese Länder auf einen Verkauf reagieren würden, der die Schriften möglicherweise ins nicht-europäische Ausland schafft. "Der Verkauf von kulturellen Schriften, die uns alle zusammenhalten, ist durch nichts zu rechtfertigen", unterstrich sie die Stellung der SPD. Zudem habe der Verkauf und Besitz von Kulturgütern nichts mit der Erhaltung des Schlosses Salem zu tun. "Die Güter gehören dem Land und Salem ist Privatbesitz der Familie Baden", so Heberer.

Der Generalsekretär der Südwest-SPD, Jörg Tauss, nennt Ministerpräsident Guenther Oettinger und Finanzminister Peter Frankenberg "kulturlos". Mache das "Verschachern" unersetzlicher Kulturgüter ausgerechnet in Deutschland Schule, stehe das kulturelle Erbe der Menscheit insgesamt auf dem Spiel, so Tauss. Er will den Bundestag und sogar die UNESCO bemühen, wenn sich keine andere Lösung findet, denn: "Es wäre unerträglich, wenn die unersetzlichen Handschriften nicht mehr der Wissenschaft zur Verfügung stehen, sondern in privaten Vitrinen verschwinden."

SPD-Vertreter: "Wir verhindern einen Schnellschuss"

Ähnliches befürchten auch die Landtagsabgeordneten der Grünen, Renate Rastätter und Gisela Splett. Sie sehen die wertvollen Schriften gar in Tresoren verschwinden. Der Kreisvorsitzende der CDU, Ingo Wellenreuther, versicherte gegenüber ka-news, dass die Badische Landesbibliothek in Karlsruhe natürlich nicht geplündert werden dürfe (ka-news berichtete). Und der Bezirksvorsitzende der FDP, Patrick Meinhardt, äußerte: "Der Ministerpräsident hätte gar keinen größeren Bock schießen können als den Verkauf kultureller Schriften kurz vor dem badischen Geburtstag bekannt zu geben. Das ist nicht nur takt- und instinktlos, sondern auch unverschämt."

Auch diese Schrift aus der BLB könnte verkauft werden (Foto: ka-news)
Dies alles kündigt eine nahezu geschlossene Front im baden-württembergischen Landtag an. Die SPD will jetzt einen Antrag zur Klärung des Vorgehens der Landesregierung einbringen. Der soll neben den rechtlichen Hintergründen vor allem eins klären: Seit wann ist der Verkauf bereits geplant worden? Eine erste Reaktion wird allerdings erst Ende Oktober erwartet. Doch egal wie diese ausfällt, die SPD-Politiker sind sich einig: Eine "Schnellschuss-Abwicklung" noch in diesem Jahr wollen sie verhindern. Die Grünen im Landtag haben bereits einen Antrag gestellt.

Darin fordern sie das Land auf, den Verkauf der Handschriftensammlung zu unterbinden und deren Bestand als Teil der Sammlung der Badischen Landesbibliothek sicher zu stellen. Jürgen Walter, kulturpolitischer Sprecher der Fraktion: "Mit dem Verkauf der Sammlung wird ein wichtiger Teil des öffentlichen historischen und kulturellen Gedächtnisses in privaten Tresoren verschwinden. Die Landesregierung wird ihrer Verantwortung für die Geschichte unseres Landes somit in keiner Weise gerecht."

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