Von einem auf den anderen Tag war er plötzlich da: der rot-weiß-gestreifte Tresen vor der Johanniskirche. Ein ka-Reporter machte die Redaktion vor wenigen Tagen auf die "Outdoor-Bar" aufmerksam. Ein Unbekannter muss sie klammheimlich aufgebaut haben. Seit einigen Wochen rätselt die Südstadt über die Herkunft der mysteriösen Theke. 

Doch bereits vor jener geheimnisvollen Nacht war die Ecke zwischen der Luisen- und Marienstraße ein beliebter Treffpunkt. Das erfährt ka-news bei einem Besuch am Tresen. Schon am frühen Nachmittag treffen wir dort auf vier Männer, die uns gerne an ihrer Freude über das Upgrade ihrer Bar teilhaben lassen. "Wir treffen uns hier schon seit 15 Jahren", erklärt einer der Freunde.

Outdoor-Tresen Südstadt
Bild: Anna Krüger

"Da hat es einer gut mit uns gemeint"

Die Stammgäste sind Hartz IV- Empfänger oder Ein-Euro-Jobber, die sich tagsüber an der Ecke zusammenfinden und ein Bier trinken. Bevor die Theke aufgebaut wurde, war an der Stelle bereits ein Gestell, allerdings nur mit schmalem Balken. "Da sind aber immer die Bierflaschen heruntergefallen", erzählt einer der Männer.

Bei genauerem Hinsehen wird klar, dass der Tresen wie für das Gestell gemacht ist. Es muss eine professionelle Anfertigung auf Maß sein. Für die Stammgruppe bedeutet die Outdoor-Theke zunächst großes Glück. "Da hat es einer gut mit uns gemeint", sind sich die Männer einig und bezeichnen den Unbekannten als "Robin Hood der Südstadt". Der Tresen sorgt also für große Begeisterung. Das könnte man zumindest meinen - denn er stößt nicht bei allen auf so viel Gegenliebe. 

Der Tresen vor der Johanniskirche mit seinen Stammgästen
Die "Stammgäste" freuen sich über ihre neue Theke vor der Johanniskirche. | Bild: Anna Krüger

Beschwerden häufen sich

Bei weiterer Recherche wird deutlich, dass das wohlwollende Projekt eine unerwartete Wendung genommen hat. Seit die Theke steht, bekommen die Stammgäste auf einmal Aufmerksamkeit von allen Seiten. Darunter sind jedoch auch viele Beschwerden. Sowohl die Polizei, als auch die Stadt und Diakonie seien bereits am Tresen gewesen, erzählen die Männer. 

Der Unmut einiger Karlsruher ging sogar soweit, dass jemand versuchte, die Theke wieder abzubauen. Zwei Schrauben ließen sich jedoch nicht lösen und der Outdoor-Tresen blieb stehen. Die Spielverderber, so sehen es die Stammgäste, teilten ihnen mit, dass sie für die Stadt arbeiten würden. Auf Nachfrage von ka-news erklärt ein Sprecher der Stadt jedoch: "Wir sind dabei nicht involviert! Es ist Privatgelände der Kirche." 

Robin Hood bleibt hartnäckig

Dass der geheimnisvolle Unbekannte Wind vom versuchten Abbau bekommen hat, wurde am darauffolgenden Tag klar. Die Stammgäste entdeckten einen Zettel mit der Aufschrift "Eigentum der Kirche" am Tresen. Zudem stellten sie fest, dass die Schrauben festgeklebt wurden. "Die Theke kann jetzt gar nicht mehr wegbewegt werden", erklärt einer der Männer gegenüber ka-news. Der "Robin Hood der Südstadt" scheint nicht locker zu lassen, bedenkt dabei aber nicht die Konsequenzen seiner Taten. 

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"Das Projekt geht nach hinten los", stellt Lara Pflaumbaum, Pfarrerin der Johanniskirche, im Gespräch mit ka-news fest. "Der Tresen erzeugt ein völlig falsches Bild." Seitdem die Theke aufgebaut wurde, hagelt es Beschwerden. Sprüche wie "Die Kirche fördert Saufen!" und "Das ist doch Außenbewirtschaftung!" werden ihr an den Kopf geworfen. 

Gut gemeint ist nicht gut gemacht

Dabei pflegt Pflaumbaum eigene Kontakte zu den langjährigen Stammgästen vor der Kirche. "Wir arbeiten eng mit ihnen zusammen", erzählt die Pfarrerin. Sie sorgen für Sauberkeit und halten Drogenabhängige fern. "Es sind unsere Leute. Und es ist schön, dass sie da sind", sagt Lara Pflaumbaum mit Nachdruck. 

Einer anonymen Quelle zufolge könnte der Tresen auch Teil eines Kunstprojektes sein, vertraut uns Pflaumbaum an. In jedem Fall hat die gut gemeinte Tat eine unerfreuliche Wendung genommen: Die Beschwerden nehmen überhand und auch wenn das Gelände Privateigentum ist, kann die Kirche dem Druck nicht standhalten. Eines ist also klar: Lange kann - und soll - der Tresen so nicht mehr stehen bleiben. Sehr zum Leidwesen der "Stammgäste"...