In einem Brief an die Stadtverwaltung hatten die Grünen nach eigener Aussage Anfang Mai dieses Jahres gebeten, die Benennung der Vierordtstraße in Palmbach einer geschichtlichen Neubewertung und Kommentierung zu unterziehen. Der Grund: ihr Namensgeber, Schriftsteller Heinrich Vierordt. 

Vierordt identifizierte sich von Beginn an mit dem nationalsozialistischen Deutschland, schrieb unter anderem Lobgedichte auf Adolf Hitler. "Tatsächlich zeigt sich bei Vierordt über eine längere Schaffenszeit ein Nationalismus gepaart mit Vernichtungsfantasien, die mit der NS-Ideologie kompatibel waren", so das Urteil der Stadt Karlsruhe. Bereits vor Beginn des Ersten Weltkriegs hatte der Karlsruher Schriftsteller für Aufsehen gesorgt: 1914 hatte im Gedicht "Deutschland jetzt hasse mit eisigem Blut" zur Tötung der Kriegsgegner aufgerufen. 

Wie die Grünen-Gemeinderatsfraktion berichtet, wurde erst zu Beginn des Jahres bekannt, wer Namensgeber der Palmbacher Straße war. Das soll sich nun ändern: "Oberbürgermeister Mentrup schließt sich in seiner Antwort unserer Einschätzung an. Eine Straßenbenennung nach einem Dichter, der kriegsverherrlichende Äußerungen publiziert hat, ist aus heutiger Sicht unannehmbar", teilen die Grünen mit. 

Da Namensänderungen für die Anwohner mit großem Aufwand verbunden sind, soll künftig anstatt Heinrich Vierordt (1855- 1945) sein Großvater Heinrich Vierordt (1797- 1867) als Pate für den Straßennamen zugrunde gelegt werden. "Dieser vermachte im Jahre 1867 der Stadt Karlsruhe 60.000 Gulden für wohltätige Zwecke, die den Grundstock für die Errichtung eines öffentlichen Bades, das heutige Vierordtbad, bildeten", so die Fraktionsvorsitzende Ute Leidig und Michael Borner, Mitglied im Bauausschuss der Stadt Karlsruhe.