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Karlsruhe Zukunft der Turmbergbahn: Seilbahn-Idee ist vom Tisch

2019 ist Schluss für die historischen Wagen der Turmbergbahn. Die Verkehrsbetriebe in Karlsruhe stellen sich daher die Frage, wie es mit der ältesten noch in Betrieb befindlichen Standseilbahn Deutschlands weitergehen soll. Drei Varianten sind im Rennen - und die Durlacher haben einen ganz klaren Favoriten.

Im Rahmen der Durlacher Ortschaftsratssitzung am Mittwoch stellte Christian Höglmeier, technischer Prokurist der Verkehrsbetriebe Karlsruhe (VBK), mögliche Varianten einer Sanierung und Modernisierung der Turmbergbahn vor. Man habe potenzielle Varianten auf finanzielle und technische Machbarkeit untersucht und drei Varianten in die engere Auswahl genommen, so Höglmeier in seinem Vortrag.

VBK halten Seilbahn für nicht zumutbar

Variante 1 wäre eine "einfache" Erneuerung der bestehenden Gleistrasse, Bauwerke und Fahrzeuge – allerdings weiterhin nur eingeschränkter Barrierefreiheit. Variante 2 wäre die Variante 1 plus einer einspurigen Standseilbahn im Grünstreifen, die die Talstation der Turmbergbahn mit der Endhaltestelle der Straßenbahn verbinden könnte.

Variante 3 wäre eine neue durchgängige Bahn, die von der Endhaltestelle Straßenbahn bis hinauf auf den Turmberg führt, dann ohne die existierende Talstation und mit einem Einstieg an der Bundesstraße – die wohl für den Kunden attraktivste Version, wie Höglmeier ausführte. Die Standseilbahn könnte ohne Personal dann im automatisierten Betrieb von der Leitstelle aus überwacht werden. So lassen sich laut Höglmeier dementsprechend langfristig auch Kosten einsparen. Komplett ausgeschlossen wurde die Variante "Seilbahn" – da technisch, finanziell und mit Rücksicht auf die Anwohner nicht realisierbar.

Ortschaftsrat favorisiert Bahn bis ins Tal

Was die Investitionen betrifft, würde die Variante 1 die Verkehrsbetriebe neun Millionen Euro kosten, Variante 2 käme auf etwa zwölf Millionen Euro und Variante 3 auf rund 15 Millionen. Allerdings könnte ein kompletter Neubau – also die dritte Variante – mit bis zu 75 Prozent Zuschüssen vom Land rechnen, damit wäre ein Neubau kostengünstiger als die einfache Sanierungsvariante.

Der Durlacher Ortschaftsrat sprach sich, auch im Hinblick auf diese Tatsache, einstimmig für Variante 3 aus, weil sie das sei, was sich die Durlacher schon lange wünschen und was das Beste für das beliebte Ausflugziel sei. Auch Familienfreundlichkeit und Barrierefreiheit könnten nur so wirklich garantiert werden.

Tatsächlich sprechen auch die Erhebungen und angestiegenen Fahrgastzahlen, die die Verkehrsbetriebe vorlegten für diese kundenfreundliche Version. Mit der Umgestaltung der Turmbergterrasse seien die Fahrgastzahlen beträchtlich gestiegen, wie Höglmeier erklärte.

Endgültige Entscheidung nicht vor November

Fakt ist: Die Betriebserlaubnis für die bestehende Turmbergbahn läuft zum Jahresende 2019 aus, das Karlsruher Wahrzeichen dürfte dann nicht mehr weiter betrieben werden. Allerdings habe das Regierungspräsidium bereits signalisiert, dass wenn der Planungsprozess für eine Sanierung dann bereits angestoßen wäre, man durchaus über eine Ausnahmeregel nachdenken könne, heiß es am Mittwoch.

Die Verkehrsbetreibe haben nun auch einen weiteren Ablaufplan vorgelegt. Am 18. Juli soll das Projekt "neue Turmbergbahn" der Öffentlichkeit vorgestellt werden, danach will der VBK-Aufsichtsrat im November über die bevorzugte Variante entscheiden, die dann planerisch weiterverfolgt werden soll. 2018/19 wolle man dann in das Planungs- und Genehmigungsverfahren einsteigen und 2020 letztlich mit den Bauarbeiten beginnen.

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  •   bier2
    (884 Beiträge)

    23.06.2017 07:51 Uhr
    Bahn stillegen und abbauen
    und eine Buslinie auf den Turmberg einrichten. Wegen den Ökos könnte das ja auch ein E-Bus sein.

    Auf der ehemalgen Strecke könnte Wohnraum entstehen.
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  •   DerSpinner
    (2056 Beiträge)

    23.06.2017 00:17 Uhr
    Die Turmbergbahn braucht ein H-Kennzeichen.
    Dann ist der Kittel geflickt. Man muß nur die notwendigen Vorschriften erlassen.
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  •   DerSpinner
    (2056 Beiträge)

    23.06.2017 00:19 Uhr
    Dann läuft sie so schön weiter, wie bisher.
    !
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  •   aridus
    (213 Beiträge)

    22.06.2017 17:24 Uhr
    Es ist natürlich illusorisch,...
    ...aber wäre toll, wenn die Bahn nach der Sanierung wieder mit Wasserballast als Antrieb führe. Die erforderliche Pumpstation könnte ja - statt wie früher mit Dampf aus Kohle - mit Solarenergie betrieben werden.
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  •   Ozeiger
    (1459 Beiträge)

    22.06.2017 17:00 Uhr
    Wenn
    die Betriebsgenehmigung 2019 ausläuft kann man sich mal locker auf 5-10 Jahre Stillstand einstellen.
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  •   haku
    (4160 Beiträge)

    22.06.2017 18:38 Uhr
    Was hast Du...
    bei
    Allerdings habe das Regierungspräsidium bereits signalisiert, dass wenn der Planungsprozess für eine Sanierung dann bereits angestoßen wäre, man durchaus über eine Ausnahmeregel nachdenken könne, heiß es am Mittwoch.
    nicht verstanden?
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  •   Ozeiger
    (1459 Beiträge)

    22.06.2017 19:52 Uhr
    Dass
    wenn der Planungsprozess für eine Sanierung dann bereits angestossen wäre....was hast du daran nicht verstanden?
    Du glaubst doch nicht ernsthaft, dass die das in zweieinhalb Jahren schaffen, oder?
    Das gibt jetzt wieder ein endloses Gequatsche, dann verschwindet das Thema für eine Weile komplett und wenns irgendwann wieder vorgeholt wird ist die Zeit längst um.
    Und ich wollte mit meinen 5-10 Jahren auch auf die Bauzeit hinaus, denn während dieser kann ja wohl kein Betrieb stattfinden.
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  • unbekannt
    (3017 Beiträge)

    22.06.2017 19:22 Uhr
    Klar- aber
    das Wort "Planungsprozess" schließt sich bei der aktuellen Rathausbesetzung glatt aus.
    Also ist das Teil dann eine recht tote Angelegenheit....
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  •   Winston_Smith
    (704 Beiträge)

    22.06.2017 16:53 Uhr
    Nicht kleckern - klotzen
    Klar ist die Variante III die sinnvollste - zumal wenn das mit der Bezuschussung durch das Land so stimmt.

    Die 15 Mio dafür würde ich allerdings im Reich der Fabel ansiedeln. Aber über die Güte der "Kostenschätzungen" während der Entscheidungsphase über Projekte in unserer Gegend hier hat man ja so einiges gelernt in jüngster Vergangenheit.
    Alternative Zahlen könnten den ein oder anderen Bürger verunsichern grinsen
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  •   kommentar4711
    (2660 Beiträge)

    22.06.2017 19:27 Uhr
    Milchmädchenrechnung
    Das ist eine Milchmädchenrechnung. Das Geld vom Land kommt ja nicht aus dem Dukatenesel, das zahlen wir als Steuerzahler trotzdem.
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