Nach wie vor steigen sowohl in Karlsruhe als auch bundesweit die Infektionszahlen an. Das schlägt sich natürlich auch auf die Hospitalisierungsinzidenz vom Land Baden-Württemberg nieder: Waren am Mittwoch noch 275 Corona-Patienten in intensivmedizinischer Behandlung, so sind es einen Tag später schon 289. 

Lage in Karlsruhe "noch entspannt"

"In Norddeutschland verzeichnen wir einen Rückgang der Infektionen. Das kann damit zusammenhängen, dass Omikron dort angefangen hat und dort den Peak bereits hinter sich hat. Wir im Südwesten sind aber noch nicht soweit", erläutert Michael Geißler auf einer Pressekonferenz am Freitag. Angesichts der steigenden Intensivfälle fügt der Klinik-Chef hinzu: "Bei uns in Karlsruhe ist es noch entspannt, aber wir sehen, dass die hohe Inzidenz nicht mehr dazu führt, dass die Fälle runtergehen."

Michael Geißler ist medizinischer Geschäftsführer am Städtischen Klinikum in Karlsruhe.
Michael Geißler ist medizinischer Geschäftsführer am Städtischen Klinikum in Karlsruhe. | Bild: Thomas Riedel

Des Weiteren sei nach Angaben des Klinikums eine Verschiebung der Infizierungen erkennbar. Demnach würden sich inzwischen wieder mehr die Menschen höheren Alters mit dem Virus infizieren. Die Folge: Es gebe wieder mehr Todesfälle. 

Keine Massentestungen mehr ab März?

In diesem Zusammenhang scheint die aktuelle Corona-Lage mit der Prognose des Epidemiologen Stefan Brock vom Landesgesundheitsamt nicht wirklich zusammenzupassen. Der Grund: Nach Aussage von Brock werden ab März die routinemäßigen Testungen und die Isolation von Infizierten wegfallen. Auf Nachfrage der Redaktion scheint auch Geißler bei diesem Thema zwiegespalten.

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Einerseits sollten Lockerungen nicht zu schnell vorgenommen werden, um eine Situation wie in Israel zu verhindern. Andererseits hält Geißler es für möglich, auf die Testungen bald zu verzichten, wenn die Kontaktbeschränkungen in den nächsten Wochen eingehalten werden. Hintergrund: In Israel, das bezüglich Corona-Impfungen immer als Vorreiter galt, laufen aktuell die Intensivstationen voll. Grund dafür sollen zu vorschnelle Lockerungen und der Wegfall der Impfnachweispflicht gewesen sein. 

In Israel haben bereits mehr als 600.000 Menschen eine vierte Impfdosis erhalten.
In Israel haben bereits mehr als 600.000 Menschen eine vierte Impfdosis erhalten. | Bild: Tsafrir Abayov/AP/dpa

"Um Ressourcen zu schonen, sollten die PCR-Tests nur noch in Kliniken und anderen Bereichen verwendet werden, wo sie wirklich gebraucht werden. Wenn alles gut läuft, werden die Kliniken dann auch vermehrt auf Antigentests zurückgreifen und die PCR-Test dann nur noch in Risikobereichen anwenden. Ich gehe fest davon aus, dass sich das im Frühjahr in diese Richtung entwickeln wird", sagt Geißler.

Verkürzung der Quarantäne-Zeit. Eine gute Idee?

Hinsichtlich des Wegfalls der Isolation verweist der Klinikchef lediglich auf die Notwendigkeit einer (allgemeinen) Impfpflicht: "Wir müssen weiter daran arbeiten, dass wir eine generelle Impfpflicht bekommen, damit der Immunstatus auch wirklich nachhaltig ist. Wenn wir weiterhin denken, 'die Infektion regelt das Ganze', dann werden wir nicht in die endemische Lage kommen."

Um die Kapazitäten von PCR-Tests künftig gezielter nutzen zu können, soll der Labortest bald nur noch nach positivem Schnelltest ...
(Symbolbild) | Bild: Julian Stratenschulte/dpa

Anders sieht seine Meinung bei den Mitarbeitern der kritischen Infrastruktur aus. Hier plant das Land, die Quarantäne-Zeit entsprechend zu verkürzen. Vorausgesetzt, die Betroffenen sind nicht infiziert. Geißler begrüßt diese Entscheidung, da dem Personal so wieder mehr Flexibilität gegeben wird. 

"Ich begrüße das sehr, weil das dazu führt, dass die kritische Infrastruktur handlungsfähig bleibt. Und durch die hohe Impfquote und die hohen Hygienemaßnahmen am Städtischen Klinikum, werden wir sicherstellen, dass wir mehr Patienten behandeln können ohne sie zu gefährden."

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