Dass der baden-württembergische Innenminister, Heribert Recht, Geige spielen kann, dürfte zumindest einen Großteil der rund 700 Gäste überrascht haben, die der Einladung des Bund der Vertriebenen (BdV) gefolgt waren. Dennoch fügte sich die kleine musikalische Einlage, die Rech wohl vor allem dem Leiter des  Festausschusses, Gregor Wick, zu verdanken hatte, gut in das Programm aus Tanz-, Sing- und Dichtdarbietungen. Und auch wenn Rech beteuerte, schon seit Jahren nicht mehr gespielt zu haben, machte er seine Sache nicht ganz gut - er gab sogar später auch noch einige Takte auf dem Flügel zum Besten.

"Unrecht muss als Unrecht benannt werden - egal, wo es geschieht"

"Durch Wahrheit zum Miteinander", so das Motto des diesjährigen "Tag der Heimat" - und das sei, so Rech, durchaus passend. "Versöhnung kann nur auf dem Boden der Wahrheit stattfinden", rief er den Anwesenden zu. Unrecht müsse als Unrecht benannt werden - egal wo es geschehe.

Wie schlimm der Verlust der Heimat sei, könnten nur die verstehen, die selbst ihre Heimat verloren haben, wiederholte Rech, was auch schon Karlsruhes Oberbürgermeister Heinz Fenrich in seiner Rede betont hatte. Dennoch hätten die 14 Millionen Vertriebenen Deutschen schon 1950 nach vorne geblickt und mit der Charta der deutschen Heimatvertriebenen die Grundlage für ein friedliches Miteinander in Europa gelegt. "Europa stünde nicht da, wo es heute steht, wenn nicht diese großartige Leistung der Heimatvertriebenen gewesen wäre."

Für ein "Zentrum gegen Vertreibung"

Daran zu erinnern, sei eine wichtige Aufgabe, so Rech: "Der Tag wird kommen, an dem junge Europäer nicht mehr wüssten, dass der Friede in Europa nicht selbstverständlich ist." Es sei wichtig, dass die Menschen dies nicht vergessen. "Wir brauchen eine europäische Erinnerungskultur", so Rech. Ausdrücklich sprach er sich zudem für das vom BdV geplante, umstrittene "Zentrum gegen Vertreibung" aus. Vertreibung sei Teil der deutschen Geschichte und müssten in der Erinnerungskultur deutlicher sichtbar sein. 

Dass Heribert Rech sich auf der Bühne im Karlsruher Kongresszentrum durchaus wohl fühlte, war dem Innenminister nicht nur anzumerken. Gleich mehrfach betonte er es auch: "Sie können sich vorstellen, dass ich nirgends lieber bin als bei Ihnen, deshalb bleibe ich so lange ich kann", erklärte er gleich zu Beginn seiner Rede. Seit dem eskalierten Polizeieinsatz am 30. September in Stuttgart  steht Rech in der Kritik. Ganz entkommen konnte er der auch in Karlsruhe nicht. Mit Transparenten hatten einige wenige Stuttgart 21-Gegner aus Karlsruhe, Baden-Baden und Umgebung vor dem Kongresszentrum gegen protestiert. Mindestens einer von ihnen wurde des Kongresszentrums verwiesen.