Mit seinem schwarzen Gewand wirkt er auf den ersten Blick wie ein Besucher aus einer anderen Welt: Isaak Barakat ist Oberbischof der Antiochenisch-Orthodoxen Kirche in Damaskus, Syrien. Rund 10.000 Mitglieder seiner Gemeinschaft leben in Deutschland, 150 Familien allein in Baden-Württemberg. Sie beherbergen 45 syrische Flüchtlinge, oftmals sind es Verwandte. 

Syrischer Bischof spricht IS-Kämpfern jegliche Menschlichkeit ab

Bischof Barakat ist nun in die Fächerstadt gekommen, um über ihre Situation zu sprechen - und von der Verfolgung von Christen durch den Islamischen Staat (IS) zu berichten. Bei einem Zusammentreffen mit Landesbischof Jochen Cornelius-Bundschuh in Karlsruhe beschreibt er die Situation in seiner Heimat als äußerst problematisch. "In Damaskus sind wir noch in der Lage, jeden Tag einen Gottesdienst abzuhalten, unsere Schule ist noch immer geöffnet", schildert er, "in anderen Städten sieht das anders aus. Hier sind viele Kirchen bereits zerstört".

Für die IS-Kämpfer findet er daher deutliche Worte: "Die Terroristen der IS sind keine Menschen! Wer andere zum Tode verurteilt, ist kein Mensch mehr", meint er, "wir können nur hoffen, dass sie bald aus Syrien verschwunden sind". Viele Syrer seien aus Angst vor dem Terror der Islamisten daher auch nach Damaskus geflohen und fristen seither ihr Dasein in Klöstern, Privathäusern oder in Flüchtlingslagern.

Letztere betrachtet Barakat allerdings als rechtsfreien Raum. In den Flüchtlingslagern würden keinerlei Gesetze herrschen: Entführungen, Vergewaltigungen und Organhandel stünden auf der Tagesordnung. Viel sicherer sei da die Unterbringung bei Verwandten. 

Unterbringung bringt Gastfamilien an ihre Grenzen

In Baden-Württemberg landen viele davon in der Fächerstadt. Haben sie dort Verwandte, ist ihre Integration durch das sogenannte Familienaufnahmeverfahren auch ohne Aufenthalt in einer Landeserstaufnahmestelle möglich - zumindest in der Theorie, wie eine Sprecherin der Evangelischen Landeskirche in Baden gegenüber ka-news erklärt. "Die Kontingente für eine Familienunterbringung sind in Baden-Württemberg erschöpft", erklärt sie, "die meisten Leute reisen daher ohne Genehmigung, also illegal, nach Deutschland ein und müssen dann erstmal zur LEA in Karlsruhe". Ab da gebe es kein geregeltes Verfahren mehr: "Landen Verwandte erstmal in einer solchen Einrichtung, ist es schwierig bis unmöglich, sie binnen weniger Tage dort wieder herauszubekommen". 

Doch selbst wenn: In Baden-Württemberg würden diese Familien allerdings oft an ihre Grenzen stoßen. "Vor allem der finanzielle Druck wird oftmals zum Sprengstoff innerhalb der Familie", bestätigt Annette Stepputat, die Landeskirchliche Beauftragte für Flucht und Migration. Viele Familien hätten eine Verpflichtungserklärung abgegeben, und müssen nun für alle anfallenden Kosten aufkommen.

"Zumindest die Krankenversicherung sollte, wie in anderen Bundesländern bereits der Fall, vom Land übernommen werden", kritisiert Landesbischof Cornelius-Bundschu, "wir alle reden über Kosten für Waffenlieferungen. An einer Stelle zeigt sich die Regierung daher knausrig, während sie Geld für Waffen ausgibt - ohne zu wissen, in wessen Hände diese einmal landen werden". 

Mehr zum Thema:

Vorschlag der Landeskirche: Privat-Zimmer für Flüchtlinge in Karlsruhe?

LEA-Chaos in Karlsruhe: "Es geht nicht so geordnet zu, wie es sollte"

Zweites Flüchtlings-Zelt für Rintheim: Notunterkunft soll erweitert werden

Flüchtlings-Unterkünfte in Karlsruhe: Rheinstrandhalle wird geschlossen

Kaserne in Rintheim: Mega-Zelt wird Zweck-Heim für Flüchtlinge

Weitere Notunterkunft in Karlsruhe: 700 Flüchtlinge beziehen Rintheimer Kaserne

250 Flüchtlinge in Rheinstrandhalle: "Karlsruhe platzt aus allen Nähten"

Flüchtlingsstrom in Karlsruhe: CDU will "humanitäre Taskforce" und Krisenstab

Mehr zum Thema asyl-karlsruhe: Asylsituation in Karlsruhe