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Karlsruhe Streit an Karlsruher HfG: Dozent wegen AfD-Mitgliedschaft in der Kritik

Der Wirbel um Marc Jongen reißt nicht ab: Nachdem bereits 2013 Kritik an dem Dozenten laut wurde, erheben jetzt mehrere Professoren Vorwürfe gegen den Mitarbeiter der Hochschule für Gestaltung (HfG) in Karlsruhe. Der Grund: Jongen ist Programmkoordinator der umstrittenen Alternative für Deutschland (AfD). Nun hat die Hochschule auf die Kritik reagiert.

Eigentlich ist die Schriftenreihe "HfG Forschung" als Forum für Autoren gedacht, in dem sie philosophische, medientheoretische, kultur- und sozialwissenschaftliche Studien und Essays veröffentlichen können. Doch nun gibt es Ärger unter den Kreativen: In einem öffentlichen Brief kritisieren insgesamt neun Autoren der Schriftenreihe den Karlsruher HfG-Dozenten Marc Jongen.

Professoren fordern Ablösung des Karlsruher Dozenten

Grundsätzlich habe man an der Schriftenreihe immer gern mitgearbeitet. "Dieses Vertrauen ist erschüttert, da sich der Herausgeber dieser Schriftenreihe, Dr. Marc Jongen, als Stellvertretender Sprecher und Programmkoordinator der AfD Baden-Württemberg und Mitglied der AfD-Bundesprogrammkommission entpuppte – und als solcher reaktionäre, fremden- und frauenfeindliche Positionen mit vertritt", schreiben sie in einem offenen Brief an die Karlsruher Hochschule.

Den Beweis sehen sie beispielsweise in einem "Manifest", das Jongen vergangenes Jahr als Gastbeitrag im politischen Magazin Cicero veröffentlichte. Wörtlich heißt es hier: "Genuin liberal zu sein, heißt heute, konservativ zu sein. Zuweilen sogar reaktionär." Besonders heftige Kritik an Jongen kommt von Beat Wyss, der als Professor für Kunstgeschichte ebenfalls an der HfG arbeitet. Er wirft seinem Kollegen Anfang Dezember im Interview mit der "Zeit" vor, politische Werbung für eine "Splitterpartei mit Verbindungen in die Neonazi-Szene" zu machen. Jongen sei damit ein "akademisches Feigenblatt für Rechtsradikale".

Die Autoren fordern die Hochschule auf, zu den Schriften ihres Mitarbeiters Stellung zu beziehen. "Gerade von der HfG Karlsruhe, die als inoffizielle Erbin der weltberühmten und politisch progressiven HfG Ulm gilt, erwarten wir, dass sie die Neue Rechte nicht salonfähig macht", schreiben die Autoren in ihrem öffentlichen Brief. Neben einer Stellungnahme fordern sie die Hochschule und den Wissenschaftlichen Beirat auf, Jongen als Herausgeber der Schriftenreihe abzulösen. 

(Marc Jongen ist seit 2003 Wissenschaftlicher Mitarbeiter und Dozent an der Hochschule für Gestaltung Karlsruhe.)

"Die Kritik ist insgesamt ein wenig absurd"

Es ist nicht das erste Mal, dass Jongens Parteimitgliedschaft für Aufsehen sorgt. Bereits bei seiner Bundestagskandidatur im Jahre 2013 habe es "studentischen Protest" gegeben, schildert er im Gespräch mit ka-news. Vor zwei Wochen hätten dann einzelne Studierende in Form von Rundmails erneut Kritik geäußert. "Es hat mich nicht ganz kalt erwischt", meint der Dozent. Über die Heftigkeit der Angriffe von Professor Wyss sei er dennoch überrascht gewesen. Den Vorwurf, sein politisches Engagement habe Auswirkungen auf seine Lehrtätigkeit, weist Jongen zurück. "Ich trenne beides strikt", beteuert er, "die Kritik ist insgesamt ein wenig absurd." 

Es ärgere ihn, dass man nicht das Gespräch mit ihm gesucht habe. "Ich verlange von niemanden, dass man mit der AfD oder mit mir einig ist", meint Jongen. Dennoch wünsche er sich einen gemeinsamen Dialog. Er habe bereits 2013 mit einem Gesprächsangebot auf die Kritik reagiert. "Ich würde mich einer Diskussion sehr gerne stellen." Ein solcher Vorschlag von seinem Kollegen Beat Wyss sei auch bereits schriftlich eingegangen, einen konkreten Termin gebe es noch nicht.

Karlsruher Hochschule bezieht Stellung nach offenenem Brief

Die Hochschule für Gestaltung stellt sich derweil öffentlich hinter ihren umstrittenen Dozenten. In den vergangenen Tagen habe das Rekorat immer wieder Emails bezüglich des politischen Engagements Jongens erhalten, heißt es in einer Stellungnahme, die ka-news vorliegt. Die Hochschule sei sich der AfD-Mitgliedschaft des Dozenten durchaus bewusst. Aber: "Bei der AfD handelt es sich um eine als verfassungskonform eingestufte Partei", so die Hochschule. Eine Mitgliedschaft in einer politischen, verfassungskonform eingestuften Partei ist aus Sicht der Hochschule eine reine Privatsache.

"Eine solche Mitgliedschaft stellt, solange die politische Tätigkeit des Mitglieds dessen hochschulspezifische Arbeit nicht tangiert, keinen Anlass, dieses Mitglied der Hochschule zu rügen", heißt es in der Stellungnahme. Die Hochschule betont: "Unabhängig von dieser, sich ausschließlich aus dem juristischen Status der Institution Staatliche Hochschule für Gestaltung Karlsruhe ergebenden Position, bekennt sich das Rektorat uneingeschränkt zur Initiative der Hochschulrektorenkonferenz Weltoffene Hochschulen - gegen Fremdenfeindlichkeit."

Der Artikel wurde nachträglich aktualisiert.

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Kommentare (116)
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  •   Hardy_spricht
    (751 Beiträge)

    11.12.2015 19:23 Uhr
    Huch... ne, total missverstanden. Natürlich ist sie GG konform
    Bis das Gegenteil bewiesen wurde. Und bis zu der Trennung Lucke-Petry war diese Partei recht interessant für MICH (Betonung auf mich... kann ja nur meine Meinung wieder geben). Die Verbindung Bürgerlich Konservativ mit Wirtschaftsaspekten war eine wirkliche Alternative zu den abgestandenen andere Parteien. Seit der Trennung in AfD und alpha (??) aber finde ich meine Interessen nicht mehr so wirklich in der AfD. Nun ist sie mir ehrlich gesagt etwas zu sehr nach rechts gerückt. Das aber ist meine Meinung. Kann mich ja auch irren. Hab ich schon an anderer Stelle in diesem Blog beschrieben. Am besten ich wähle doch die bibeltreuen Christen ..... oder die fußkranken Pilzesammler grinsen
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  •   Airfrance
    (342 Beiträge)

    11.12.2015 10:40 Uhr
    Inkonsequent
    ...Nein - ich mag die AfD nicht. Um gegen sie zu sein wähle ich eine andere Partei. Konform zum GG
    und unterstütze damit das undemokratische Verhalten dieser Parteien, da ihre Aufzählungen unter Absatz 1-4 leider sehr zutreffend sind
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  •   Hardy_spricht
    (751 Beiträge)

    11.12.2015 12:07 Uhr
    Hmmm...... Du weißt ja nicht
    welche Partei ich wähle. Woher also diese Aussage?

    Steht irgendwo "große Volkspartei" in meinen Zeilen ? NÖ
    Oder links-Mitte-rechts? NÖ
    Vielleicht wähle ich ja die bibeltreuen Christen oder die rosaroten Panther.
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  •   Airfrance
    (342 Beiträge)

    11.12.2015 14:22 Uhr
    Rate,Rate wer ist das ???
    Sorry, habe ich nicht bedacht grinsen
    Tierschutzpartei wäre vielleicht auch nicht schlecht; aber um Deutschland noch ein bisschen Struktur zu erhalten, gibt es für mich derzeit nur eine Partei!
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  •   Hardy_spricht
    (751 Beiträge)

    11.12.2015 15:46 Uhr
    Hast ja Recht ... viel bleibt nicht übrig
    Ich habe mich bisher nie festgelegt was ich wähle.. also welche Richtung; nicht nur welche Partei. Fand auch mal die Grünen sehr interessant (lange her). Bevor sie nun ganz unwählbar wurden. Eines war für mich aber immer tabu: Extreme. Da die allgemeine politische Stimmung zur Zeit eher LINKS angesiedelt ist sind alle anderen Meinungen zwangsläufig rechter Natur (brachte ja schon den Vergleich mit dem Südpol - von dort aus ist alles Norden) grinsen
    Die AfD wäre besser damit gefahren mit dem Gespann Petry/Lucke in den Wahlkampf zu gehen. Nun fehlt der Partei das ganze wirtschaftliche Spectrum und viel politisches Know How. Ohne Wertung wer an der Trennung Schuld hat. Zudem habe ich schon das Gefühl, dass die AfD weiter nach rechts gedriftet ist. Vor diesem internen Zoff war die Partei tatsächlich eine Alternative. Nun bin ich mir ehrlich gesagt unsicher.
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  •   Airfrance
    (342 Beiträge)

    11.12.2015 19:05 Uhr
    AfD
    Hardy,
    ich habe mich soeben auch per Mail wegen eines Vorschlages zur nächsten Bundestagswahl an die AfD gewandt. Mein Anliegen gilt einem Veto gegen das von der Bundesregierung unterstützte Vorhaben der Amerikaner, die taktischen Atomwaffen in Deutschland zu modernisieruen und auszubauen. Bin nun selbst mal gespannt, wie die AfD sich dazu äußern wird. Da der AfD aber sehr viel an einer Normalisierung der Beziehungen zu Russland gelgen ist, gehe ich davon aus, dass mein Anliegen nicht ganz untergehen wird. Weitere Atomwaffen sind das Letzte was wir derzeit in Deutschland noch brauchen.
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  •   Airfrance
    (342 Beiträge)

    11.12.2015 18:50 Uhr
    Wahlprogramm für Landtagswahl BW 2016
    Vielleicht hilft das Lesen des Wahlprogrammes der AfD bei der Entscheidungsfindung; ist sicherlich in vielen Punkten bemerkenswert und gibt reale Erkenntnisse über diese Partei.

    http://www.alternativefuer-bw.de/wp-content/uploads/Landtagswahlprogramm_AfD_2016.pdf
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  •   Hardy_spricht
    (751 Beiträge)

    11.12.2015 19:28 Uhr
    OK... nehm ich mir mal vor
    Hoffe deren Programm kommt nicht so wülstig daher wie die meisten Parteiprogramme.
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  •   Coolsrula
    (111 Beiträge)

    11.12.2015 07:34 Uhr
    Typisch ... demokratisch ... legitim ?
    So sieht verantwortungsbewusste Flüchtlingspolitik aus ? Keiner hat nen Plan? Jeder schiebt die Schuld und Verantwortung zum Anderen. Nix geht voran seit Monaten ! Berlin, was'n los !? Sorry, aber ich kann nur Chaos erkennen.

    Sieht so Demokratie aus ?
    Unglaublich,..wenn man sich politisch engagiert oder nur ein Wort dagegen sagt, ohne Brandsätze, ganz gewaltlos - wird man sofort in die Nazi-Ecke gedroschen. UNGLAUBLICH !!!
    Entschuldigt bitte, kein Wunder, aber dies erzeugt wirklich nur kuscheligen braunen, gefährlichen Nährboden.
    Diese Demokratie ist vergiftet !

    Nungut , jetzt wo die Bande in Berlin zeigen kann, was sie wirklich drauf hat ?! ... mehr als nur ernüchternd.
    Nur mit Anti -Rechts-Propaganda, Europa-blablabla und nicht Einhaltung bestehender Gesetze wird da nichts Positives bei rum kommen.

    Naja, war ja die ganzen letzten Jahre schön ruhig gewesen. Schääh wars.

    Banana Republica Tschermenie
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  •   Grezzo
    (890 Beiträge)

    10.12.2015 22:07 Uhr
    Hochschulen sind
    oh, du kennst dich an Hochschulen aus ...? grinsen
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