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Karlsruhe Speed-Dating mal anders - Studentenbude statt Flirt

Ab dem ersten Oktober startet für viele Karlsruher Studenten das neue Wintersemester. Während tausende Studenten langsam wieder in der Fächerstadt in ihre Wohnungen einkehren, sind zahlreiche "Erstis" verzweifelt auf der Suche nach einer Studentenbude. Das Stadtmarketing und das Studentenwerk veranstalteten im Rahmen der Kampagne "Wo?hnraum für Studenten" ein Speed-Dating der anderen Art: Suchende Studenten trafen in kurzen Gesprächen auf potentielle Vermieter. ka-news saß bei den ungewöhlichen Flirts mit am Tisch.

Für Lizzy kommt es hart auf hart: Nicht nur, dass sie derzeit keine Wohnung in Karlsruhe hat - auch für das Speed-Dating in der Mensa am Adenauerring bekam sie keinen Startplatz. Doch damit nicht genug: Derzeit wohnt die 21-jährige Studentin aus Neuss in einem Zelt auf dem Campingplatz in Durlach - ganz alleine. "Ich habe mich bei mindestens 50 Wohnungen beworben, doch das bringt alles nichts", beklagt sich Lizzy im Gespräch mit ka-news.

Fragen über Fragen beim Speed-Dating der Mieter und Vermieter

Das ist nichts Neues, wie auch Stadtmarketing Karlsruhe und Studentenwerk wissen: Deshalb läuft seit Juni die Kampagne "Wo?hnraum für Studenten", durch die potentielle Vermieter auf die Wonungssituation in der Fächerstadt aufmerksam gemacht werden sollen. Dafür zogen Studenten schon in ein Schaufenster auf der Kaiserstraße. Andere legten sich auf dem Marktplatz schlafen und auf den Bauzäunen prangert in großen Ziffern die Telefonnummer, bei der man freie Zimmer melden kann. "Nun sollen auch die Vermieter zu Wort kommen", erklärt Norbert Käthler, Geschäftsführer des Stadtmarketings.

Carina aus Fulda hatte am Mittwoch mehr Erfolg: Sie ergatterte einen der beliebten Startplätze beim Speed-Dating und lernte Vermieter aus Karlsruhe und der Region kennen. Zwar suche sie erst seit Ende August intensiv nach einer Wohnung in Karlsruhe, aber die Tücken des hiesigen Wohnungsmarkts hat die 23-jährige Studentin schon kennengelernt: "Man hat hier fast keine Chance, es gibt einfach zu viele Bewerber." Deshalb muss es nun unkonventioneller klappen: In jeweils fünfminütigen Gesprächen mit möglichen Vermietern will sie am Ende des Abends ein konkretes Angebot eingeholt haben - tatsächlich sollen es sogar drei werden, wie sie ka-news verrät.

Speed-Dating kommt bei Studenten und Vermietern gut an

Wie hoch ist die Miete? - Wo liegt die Wohnung? - WG oder Einzelzimmer? Darf ich mein Instrument spielen? - Sind Tiere erlaubt? Die Gespräche beim Speed-Dating der anderen Art verlaufen meist identisch. Sind die fünf Minuten vorbei, wechseln die Studenten zum nächsten Vermieter. Eine Glocke beendet das Gespräch - das Spiel beginnt von vorne: "Wie hoch ist die Miete?" Doch wie von den Veranstaltern gewünscht, kommen auch die Vermieter zu Wort. Und so kann Angelika Knobloch aus Leopoldshafen Carina erzählen, wieviel Miete sie für die umgebaute Wohnung in Rheinnähe verlangen will: "500 Euro plus 250 Euro Nebenkosten. 100 Quadratmeter ist die Wohnung groß", erzählt sie Carina. "Die Wohnung ist für eine WG geeignet."

Carina und Frau Knoblauch werden zwar nicht zusammenfinden, wie Carina im Gespräch mit ka-news erzählt. Aber beide sehen in der ungewöhnlichen Art der Mieterfindung positives - zumal Angelika Knobloch gar nicht gedacht hätte, dass die Situation so prekär sei. "Das Speed-Dating ist ein gute Sache, auch um einen ersten Eindruck zu gewinnen", sind sich die beiden Frauen einig. Stimmt der Eindruck, können die Vermieter den Namen der Studenten auf einem Zettel vermerken. Die Auserwählten erhalten am Ende der Veranstaltung einen Umschlag mit den Kontaktdaten der Vermieter.

Bis Ende Oktober kann Lizzy auf dem Campingplatz bleiben

Auch wenn einige der Vermieter kurzfristig und teilweise unentschuldigt abgesprungen sind, zeigen sich die Veranstalter von der Aktion und der Kampagne "Wohnraum gesucht" mehr als zufrieden: "Wir hatten nicht mit so viel Resonanz aus ganz Deutschland gerechnet", so Käthler gegenüber ka-news. Wie angespannt die Situation in Karlsruhe ist, zeige die große Anzahl der Studenten, die - teilweise vergeblich - den Weg in die Mensa fanden. Während Carina mit hoffnungsvollen Erwartungen die drei Wohnungen besichtigen wird, muss Lizzy weiter bangen. "Am 31. Oktober schließt der Zeltplatz in Durlach. Bis dahin sollte ich lieber eine Wohnung gefunden haben." Bis es soweit ist, wohnt die 21-Jährige weiterhin in ihrem Zelt - ganz alleine auf dem großen Campingplatz. 

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  • unbekannt
    (145 Beiträge)

    28.09.2012 09:02 Uhr
    Go Lizzy
    Du schaffst das...
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  • unbekannt
    (4000 Beiträge)

    27.09.2012 19:48 Uhr
    Irgendwie hab ich das Gefühl,
    die Ansprüche sind - auf beiden Seiten - einfach zu hoch geschraubt!

    Eine Studentenbude ist jetzt nix fürs ganze Leben!
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  • unbekannt
    (29986 Beiträge)

    27.09.2012 19:41 Uhr
    Leopoldshafen in Rheinnähe,
    da kann sie auch nicht mehr als 500 für 100qm verlangen.

    Viel Spass im Sommer! grinsen
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  •   TeddyAfro
    (1405 Beiträge)

    27.09.2012 19:16 Uhr
    Naja ich finde
    es irgendwie schon auf deutsch gesagt krass wenn einer zum Studiumbeginn auf einem Campingplatz zelten muss.
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  • unbekannt
    (4000 Beiträge)

    27.09.2012 18:47 Uhr
    750 Euro incl. für 100 m²? Da kann man nicht meckern.
    Und wieso haben die beiden nicht zusammen gefunden?
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  •   TeddyAfro
    (1405 Beiträge)

    27.09.2012 19:17 Uhr
    Vielleicht
    sucht sie ja nur ein Zimmer und hat keine Lust sich um eine WG zum kümmern..
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  • unbekannt
    (29986 Beiträge)

    28.09.2012 12:46 Uhr
    Tja,
    da müsste man sich ja anstrengen. Leopoldshafen in Rheinnähe ist wie schon von mir angedeutet sicher keine Traumlage, aber angesichts der wirklich dramatischen Situation in KA kann man gegen eine 3er WG für 250 each echt nichts sagen.

    Niemand sollte in einem feuchten Kellerloch hausen müssen, aber wie ??? schreibt, es ist ja nichts fürs Leben. Hauptsache man kommt mal unter, wenn sich dann im Laufe der Zeit was Besseres ergibt kann man umziehen. Vermieter die grundsätzlich an WGs vermieten sind eine hohe Fluktuation gewohnt, da braucht man kein schlechtes Gewissen zu haben.
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  • unbekannt
    (291 Beiträge)

    27.09.2012 18:18 Uhr
    alternative Zeltplätze
    Vielleicht findet sich der eine oder andere in Karlsruhe bei dem Carina im Garten zelten kann?

    Notfalls sollte die Uni Rasenflächen zum Zelten bereitstellen!
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  • unbekannt
    (291 Beiträge)

    27.09.2012 18:16 Uhr
    Lustiges Schild
    Ich hoffe du hast nichts gegen Wagner?

    "Ritt der Walküren" in voller Lautstärke jeden Abend vor der Tagesschau? grinsen
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