4  

Karlsruhe Spätzle vs. scharf-saure Gurken: Shanghaier kochen in Karlsruher Uni-Mensa

Hochschulaustausch auf Kulinarisch: Zum zweiten Mal seit 2011 reiste eine Delegation aus dem Reich der Mitte zu den "chinesischen Ess-Kulturtagen" des Karlsruher Studentenwerks. Acht Köche der Shanghaier Jiaotong-Universität bereiteten in der Mensa am Adenauerring authentische Speisen zu. Mit dem Projekt soll der kulturelle Austausch gefördert werden. Der deutsche Gegenbesuch fand bereits im April statt.

In der Mensa am Adenauerring lag am Mittwoch und Donnerstag  ungewohnter Geruch in der Luft. Einige mögen es gemerkt haben: es roch ein bißchen wie in China.

Zwei Tage lang bot das Studentenwerk hier neben Tellerrösti, Rinderbraten und Makkaroniauflauf eine Rarität in Deutschland: echte chinesische Küche. Denn die Gäste aus Shanghai schauten ihren Karlsruher Kollegen nicht nur über die Schulter - sie kochten hier auch selbst. Und zwar das gleiche wie zuhause: zum Beispiel scharfes Schweinefleisch im Fischfond, scharf-saure Gurken, gebratene Eier oder Klebreis-Fleischbällchen.

Mit Gewürzkoffer, viel Handarbeit und lustigen Übersetzungen

"Es sollte wirklich authentisch schmecken, deshalb haben unsere Köche die Zutaten nur beim asiatischen Großhändler eingekauft", sagte Iris Buchmann, Leiterin des International Center beim Karlsruher Studentenwerk. Einen Koffer voller Gewürze hätten die Chinesen gleich selbst mitgebracht: "Vieles davon bekommt man hier ja gar nicht", so Buchmann.

Auch die Techniken seien sehr unterschiedlich. Während deutsche Köche die viele Handarbeit und fein geschnittenen Zutaten ihrer chinesischen Kollegen bewunderten, waren diese von den technischen Geräten in der hiesigen Mensaküche ebenso beeindruckt. "Und sie trinken so gerne deutschen Kaffee", ist Buchmann aufgefallen. Das Getränk sei in China zwar trendy aber wesentlich teurer.

"Kraftstoffverbrauch vom Rind"?

Laut Buchmann war das echte Essen aus dem Reich der Mitte ein großer Erfolg am Adenauerring: "Gestern kamen doppelt so viele wie erwartet." Auch ein Übersetzungsfehler auf der Menutafel sorgte wohl eher für Neugier als Abschreckung - ein Gericht nannten die chinesischen Kollegen "Kraftstoffverbrauch vom Rind". "Das fanden wir so lustig, dass es einfach so in die Karte übernommen wurde", lachte Buchmann. "Wir haben die Rückmeldung, dass das Essen sehr gut ankommt", bestätigte Tobias Engel, Mensaleiter des Studentenwerks. Nicht nur die chinesischen Komilitonen würden sich sehr freuen.

Und chinesische Komilitionen gibt es hier mittlerweile viele: 1.200 Studenten und Doktoranden zählt Kalrsruhe - die größte ausländische Gruppe überhaupt. Vor dem Hintergrund gegenseitigen Kennenlernens und Austauschs sind deshalb auch die Ess-Kulturtage zu sehen: "Die Idee dahinter ist: Deutsche sollen von China lernen und umgekehrt", erklärte Buchmann. Liebe wie Essen gingen ja bekanntlich durch den Magen, deshalb sei das Projekt eine wunderbare Möglichkeit.

Unterstützt werden die Ess-Kulturtage von der Robert-Bosch-Stiftung, die allgemein die Zusammenarbeit mit chinesischen Hochschulen fördert. Außer den acht Köchen gehörten noch rund 40 weitere Personen zur Delegation der Jiaotong-Universität - komplett mit Chor und Musikern. Ihre Aufführung sowie eine Teezeremonie waren Teil des kulturellen Begleitprogramms.

Spätzle und Schwarzwälder Kirschcreme lösen Polizeieinsatz aus

Nicht nur hier kam die fremde Kost gut an. Schon im April hatte das Karlsruher Mensateam die Jiaotong-Universität in Shanghai besucht und typisch Deutsches angeboten: "Schäufele, Schnitzel, Schweinebraten mit Spätzle und sowas", erinnerte sich Engel. "Die Studenten haben zu hunderten angestanden. Die Schlange reichte bis auf die Straße hinaus. Schließlich musste die Polizei kommen, um den Autos wieder Platz zu machen", erzählt Buchmann. "Ich glaube, Schwarzwälder Kirschcreme kam am besten an."

Die chinesischen Mensa-Kollegen hätten großes Interesse daran gezeigt, wie Deutsche etwas kochen. "Am Ende haben wir die Spätzle dann da gelassen", sagte er lachend. Der badische Mensaleiter hat auch viele Erfahrungen gewonnen: "Es ist schon sehr anders. In China macht man wirklich fast alles im Wok - auch Nudeln abkochen oder Pommes frittieren". Geschmacksverstärker hätten einen ganz anderen Stellenwert: "Die benutzen das eigentlich so wie wir hier den Pfeffer", sagte Engel. In Karlsruhe habe man darauf dann aber verzichtet.

Klasse trotz Masse

Buchmann zeigte sich in Anbetracht der ganz anderen Herausforderungen in der Shanghaier Mensa beeindruckt: "Es ist einfach bewundernswert, wie sie dort abertausende Studenten in nur fünf Stunden mit so frischem, vielfältigem Essen versorgen können". Mit über 40.000 Studenten sei die Jiaotong-Universität immerhin doppelt so groß wie ihr Karlsruher Pendant. "Außerdem wohnen sehr viele Studenten in Wohnheimen direkt auf dem Campus und essen deshalb dreimal täglich in der Mensa - immer warm", so Buchmann.

Engel fasste seine Erfahrungen in China so zusammen: "Mich fasziniert, wie die da kochen und arbeiten. Man lernt so auch die Mentalität kennen - aber man muss sich darauf einlassen können". Einiges von dem, was man bei den chinesischen Kollegen gesehen habe, wolle man künftig auch ins eigene Repertoire einbauen.

"Wir versuchen zum Beispiel mit unseren Maschinen diese feine Schnittechnik nachzuahmen", so der Mensaleiter. Exakt nachkochen werde man die Gerichte allerdings nicht. Engel ist sich sicher, dass der kulinarische Austausch mit Shanghai auch in Zukunft weitergehe. Er freue sich jedenfalls aufs nächste Mal: "Natürlich macht es uns einfach Spaß, mal zwei Tage anders kochen zu können."

Mehr zum Thema
Studieren in Karlsruhe:
Haben Sie einen Fehler entdeckt?
Unsere Sonderthemen
Das wird gerade bei ka-news heiß diskutiert
Die besten Themen
Kommentare (4)
Hinweis: Kommentare geben nicht die Meinung von ka-news wieder.
Der Kommentarbereich wird 7 Tage nach Publikationsdatum geschlossen.
Bitte beachten Sie die Kommentarregeln und unsere Netiquette!
  •   ALFPFIN
    (6726 Beiträge)

    28.09.2013 17:05 Uhr
    Neuer Schnellfress am Entenfang?
    von der Yorckstraße herkommend, auf der rechten der linken Seite?
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  • unbekannt
    (29986 Beiträge)

    29.09.2013 17:12 Uhr
    Rechts,
    direkt auf der Höhe der Strassenbahnhaltestelle, zwischen Bäcker Neff und Volksbank.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  • unbekannt
    (29986 Beiträge)

    28.09.2013 13:43 Uhr
    Das Anrichten
    üben wir dann nochmal.

    Aber ich denke in China machts die Masse.

    Und ja, ich ess es gerne, auch das nichtauthentische hier in Deutschland. Es ist nur etwas aus der Mode gekommen. Und wenn ich 200 Gerichte auf der Karte hab für die ich eigentlich 50 Zutaten frisch vorhalten muss, im Lokal aber immer nur fünf Leute sitzen dann werd ich ein bisschen kritisch.
    Aber schmecken tuts irgendwie immer, ich empfehle den relativ neuen Schnellfress am Entenfang, da kann man auch hinsitzen und wird bedient. Ist echt gut.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   ALFPFIN
    (6726 Beiträge)

    28.09.2013 11:34 Uhr
    Es mag ja schmecken,
    was da auf dem Teller liegt.

    Aber so wie das aussieht, also dann guten Appetit. grinsen
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
Dieser Artikel kann nicht mehr kommentiert werden.