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Karlsruhe Raus aus dem Hörsaal: Karlsruher Studis bauen Brücke in Sri Lanka

Johanna, Helen und Jan haben es nicht weit zur Uni: Mit dem Fahrrad sind es maximal fünf Minuten - in Baustellenzeiten sieben. Anders geht es den Kindern aus Karawwa in Sri Lanka - ihr Schulweg beträgt etwa zehn Kilometer, verschuldet durch eine fehlende Überquerung des Flusses, der das Dorf teilt. Diesem Problem wollen sich die Mitglieder einer freiwilligen Hochschulgruppe am KIT annehmen und vor Ort eine Brücke bauen - Bauingeneur-Studium mal anders.

"Engineers without borders": Für die 20 KIT-Studenten ist der Name ihrer Hochschulgruppe Programm. Semesterübergreifend engagieren sich hier vor allem Bauingeneure für ein Hilfsprojekt ihrer Wahl - Johanna, Helen und Jan zählen sich zu den aktiven Mitgliedern der Gruppe "Sri Lanka".

Skripte weg, Bagger fahren

Auf dem asiatischen Inselstaat soll das Wissen aus dem Hörsaal praktische Anwendung finden: "Unser Ziel ist es, gemeinsam mit den Bewohnern der Region Ratnapura, eine Brücke zu bauen, die das Leben vor Ort - vor allem für Bauern und Schulkinder erheblich erleichtert", erklärt Helen im Gespräch mit ka-news. Etwa 2.000 Menschen leben in der Gemeinde Karawwa - der Fluss Bentara trennt die Kinder von der auf der anderen Uferseite gelegenen Schule und die Bauern von ihren Feldern. Das bedeutet täglich zweimal zehn Kilometer Fußmarsch, da sich die einzige Brücke außerhalb des direkten Wegs befindet.

Das soll sich in naher Zukunft ändern - in diesem Sommer wollen alle Teilnehmer das Projekt einer zweiten Brücke für Karawwa nach einjähriger Planung umsetzen und fliegen in die Subtropen. "Die Idee ist es, das Land von innen zu stärken, in dem wir uns lokal für bessere Lebensverhältnisse einsetzen", so die Studis weiter. Heißt übersetzt: Skripte weg, Malaria-Impfung und unter schweißtreibenden Bedingungen selbst Hand anlegen - und alles auf eigene Faust, ohne Dozenten an der Seite. Hilfe bekommen die Studenten von Sponsoren, die vor allem das Baumaterial finanzieren - der Kontakt mit verschiedenen Instituten bringt zusätzlich das nötige Know-How mit sich.

Bauernweisheit statt Wetterkarte

Dass so ein Brückenbau kein Kinderspiel ist, beweisen Sorgen, die einen kleinen Schatten auf das Projekt werfen: "Zum einen liegt das Dorf ziemlich abgelegen, sodass der Transport der Rohstoffe eine echte Herausforderung sein wird - zum anderen hoffen wir auf mehr Spenden und das Ausbleiben von Hochwasser", betont Helen. Wetterkarten Fehlanzeige: Bezüglich der Witterung gelte es, sich voll und ganz auf die Weisheit der Bauern zu verlassen. "Wir rechnen mit Improvisation", lacht Jan. Bereits im Mai dieses Jahres sei eine kleine Gruppe vorab nach Sri Lanka geflogen, um sich die Baugenehmigung einzuholen und Verträge mit den Landbesitzern zu unterschreiben.

Zusatzpunkte kriegen die KIT'ler nach eigenen Aussagen keine. "Was mich antreibt, ist der Ehrgeiz etwas außerhalb des Hörsaals zu realisieren, bei dem ich meine Kenntnisse effektiv anwenden kann", so Johanna. Auch freue sie sich, die Hoffnungen der Bewohner vor Ort endlich erfüllen zu können. Laut Helen warte man in Karawwa schon ewig auf eine zusätzliche Brücke, der Staat habe sich bislang jedoch geweigert, aktiv zu werden. "Dann machen das eben wir", so Jan. Das Feedback sei durchgängig positiv. "Wir wollen die Einheimischen im Übrigen auch anlernen, damit sie sich bei kleineren Reparaturarbeiten selbst helfen können", erklärt Helen weiter. Ein Bewusstsein für die Brücke sei Voraussetzung für die Instandhaltung.

Noch im Juli werden die Koffer gepackt: Drei Monate sind für den Bau geplant. "Den Flug zahlen wir zu großen Teilen selbst, wohnen werden wir kostenlos bei Familien im Dorf", erklärt Johanna. Die Projektgruppe "Sri Lanka" von "Engineers without Borders" trifft sich bis zum Abflug einmal die Woche zur Lagebesprechung. Gegründet wurde sie ursprünglich 2004, als der Tsunami weite Teile des Landes zerstörte - damals waren Studenten zur Soforthilfe vor Ort.

Weitere Informationen zum Projekt der KIT-Studenten und die Daten des Spendenkontos unter: www.ewb-karlsruhe.de/sri-lanka/sri-lanka-brueckenbau-karawwa.

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  • unbekannt
    (29986 Beiträge)

    07.07.2013 16:52 Uhr
    Eine zweite Brücke?
    Die können sie auch hier bauen, dafür müssen sie nicht um die halbe Welt fliegen!

    Schbässle, gutes Projekt und sicher auch ein ziemliches Abenteuer.

    grinsen
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  •   Waterman
    (6333 Beiträge)

    07.07.2013 14:02 Uhr
    Malaria-Impfung?
    gegen Malaria gibt es keinen Impfstoff. Man kann Tabletten zur Prophylaxe nehmen.

    Hoffen wir, dass der Rest der Vorbereitung professioneller war. Eine kleine Spezial-Kasse wäre auch noch gut, denn ich bin sicher da fallen noch ein paar "Zahlungen" an. Sozusagen als Planfeststellungsverfahren.
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  • unbekannt
    (481 Beiträge)

    07.07.2013 15:46 Uhr
    .
    Den Fehler mit der Impfung würde ich eher beim Redakteur vermuten. Davon abgesehen tun die Studenten was, statt nur zwanghaft bei anderen nach Fehlern zu suchen.
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  •   Waterman
    (6333 Beiträge)

    07.07.2013 16:55 Uhr
    Habe es ja auch nicht verurteilt.
    Habe aber etwas Erfahrung mit Projekten in der 3. Welt.

    Hoffe aber natürlich auch, dass es gut geht.
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