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Karlsruhe Karlsruher O-Phase im Selbsttest: Clubmate statt Bier, bin ich hier richtig?

O-Phase, oh O-Phase. Wie gerne denke ich an meine "Orientierungs-Woche" zurück. Eine Woche voller Spaß und netten Leuten - eine Woche mit langen Tagen und kurzen Nächten. Das alles nochmal erleben, diesmal in der Fächerstadt: Eine super Idee! Und tatsächlich: Die Fachschaft Informatik/Mathematik nimmt mich einen Vormittag mit. Meine wilde Tour durch Karlsruhe könnte beginnen. Könnte.

"Stadtrallye" heißt die wilde Sause in meinem Terminkalender - eine Tour mit Bier, Bollerwagen, albernen Spielen und hemmungslosen Gesprächen. Zumindest glaube ich das, als ich in den Erinnerungen an meine eigene O-Phase in einer hessischen Studentenstadt schwelge. Wie könnte es schließlich anders laufen?

In Gruppen durch die Fächerstadt

Im Keller der Fachschaft angekommen, wird schnell deutlich, warum die O-Phase eine der wichtigsten Zeiten im Leben eines Studenten ist. Rund 35 fremde Gesichter schauen sich an - was sie eint ist das Fremd-Sein. Versammelt sind Bachelor- und Mastererstis aus Informatik und Mathe, wie mir "Teamer" Dominik erklärt. Er studiert im siebten Semester Informatik - wie seine Kollegen aus der Fachschaft weiß er also genau, was es heißt, in Karlsruhe Student zu sein. Sie zeigen den Neulingen das Studium und die Fächerstadt.

Die Regeln der Stadtrallye haben die "Teamer" den 35 fremden Gesichtern schnell erklärt: "Macht Gruppen von fünf bis sechs Leuten. Danach teilen wir auf, welche Gruppe was macht". Das kurze Hin und Her, das obligatorische "ich mit dem und der mit ihr", lässt mir ausreichend Zeit für einen gezielten Blick in den Raum. Ein Paar Tische, Stühle, Lampen, PCs - nichts Auffälliges. Viel mehr fällt auf, was ich nicht sehe: Kein Bier, kein Bollerwagen, keine Boxen. Erstmals bezweifle ich, dass meine Erwartung an eine O-Phase heute genauso eintrifft.

Club Mate statt Bier

Das Hin und Her ist beendet - mittlerweile ist klar, mit welchen sechs Fremden es mich durch die Fächerstadt zieht. Wir stellen uns vor, aus sieben Fremden wird in Sekundenschnelle ein Team. Unsere Aufgabe ist es, eine Liste zu allen möglichen Karlsruher Themen abzuarbeiten.

Zu den Frisören auf der Kaiserstraße sollen wir laufen, fragen, was ein Haarschnitt für eine Blondine mit 35 Zentimeter langen Haaren kostet. Sollen uns schlau machen, wie deftig die höchste Bundesliga-Heimpleite des KSC ausfiel. Wann entgleiste die Schlossgartenbahn? Und in welcher Farbe war sie damals gestrichen? Fragen über Fragen - doch alles zu seiner Zeit.

Denn die Gruppe entscheidet sich zunächst für eine einleuchtende Strategie. Sie will zu allererst der Frage nachgehen, was wohl so ein Bier bei der Fachschaft Physik kostet. Dort angekommen, erscheinen mir die 80 Cent mehr als fair für die erste Runde. Doch die Gruppe sieht das anders. Der Bierpreis wird notiert, Club-Mate wird gekauft. Es kann weiter gehen.

O-Phasen-Bild nicht mehr wichtig

Nach kurzer Beratung machen wir uns auf den Weg in die Stadt, um der Frisur-Frage nachzugehen. Den Fußweg bis zur Kaiserstraße nutzen wir für Smalltalk. "Wo kommt ihr denn so her?" will ich wissen. Bremen, Ludwigsburg, Karlsbad sagt man mir. "Namibia" antwortet einer, den kurz darauf ungläubige Blicke treffen. Hermann kam vor drei Wochen her, erklärt er uns schließlich. Aus einer deutschen Siedlung in der ehemaligen Kolonie im südlichen Afrika. Nun weiß ich, warum wir auf Bier verzichtet haben: Einem Betrunkenen hätte ich diese Geschichte nicht abgekauft.

Mittlerweile haben wir  Karlsruhes Frisör-Hauptstraße erreicht. 20 Punkte gibt es am Ende, wenn wir den billigsten Laden für unsere blonde Freundin Ella auftreiben. Machbar - zwei Gruppen, jede eine Straßenseite, Frisöre anquatschen, Ergebnis aufschreiben, Feierabend. Doch nach ein Paar Minuten drängt sich mir irgendwie der Eindruck auf, dass unsere Aufgabe in der Gruppe unterschiedlich gedeutet wird. Denn in der Folgezeit sprechen wir mit niemanden - stattdessen verhelfen uns überdimensionierte Preisschilder und Kopfrechnen zum Erfolg.

Mit dieser Methode kämpfen wir uns sehr erfolgreich in Richtung Marktplatz - doch dann ist Schluss für mich. Es war von Anfang an klar, dass ich die Gruppe nur am Vormittag begleite. Während meines Weges zurück in die Redaktion, versuche ich das gerade Erlebte einzuordnen. Kein Bier, kein Bollerwagen, keine hemmungslosen Gespräche. Nur die albernen Spiele, die ich bereits kannte. Mein Bild der O-Phase ist jetzt nicht mehr eindeutig - und das gefällt mir. Meine eigene will ich gegen diese trotzdem nicht tauschen.

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Kommentare (23)
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  •   andip
    (9479 Beiträge)

    20.10.2014 15:29 Uhr
    Ist
    man früher als "Ersti" tatsächlich schon vormittags saufend mit dem Bollerwagen durch die Gegend gezogen?
    So etwas kenne ich eigentlich nur von Vatertagsausflügen.
    Ich kenne nur Kneipenführungen,bei denen in alle Kneipen gezogen wurde,die bei Studenten beliebt waren.Die fanden allerdings abends statt und eher am Wochenende.
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  •   schoenix
    (105 Beiträge)

    20.10.2014 14:48 Uhr
    War dieses Jahr vielleicht auch was anderes ... ausserdem die falsche Gruppe
    Hallo,
    nach einem etwas unschönen Vorfall letztes Jahr hat das Präsidium dieses Jahr den Alkoholkonsum eingeschränkt. Ausserdem sind bei der Fachschaft Mathe Info die einzelnen Gruppen für das Programm zuständig also hängt es stark von der Gruppe ab wie viel Party etc. es gibt. Ausserdem bezweifle ich ob das wirklich die LilaPause war, da ich dort selbst O-Phasentutor war und mir da doch einige Dinge komisch vorkommen (z.B. nach Frisören suchen).
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  • unbekannt
    (50 Beiträge)

    20.10.2014 20:58 Uhr
    @ schoenix
    Guten Abend! Die Zweifel am Gruppennamen sind tatsächlich angebracht, denn es lag zunächst eine Verwechslung vor: Die Gruppe, die mich mitgenommen hat, heißt "#kitinfo" und nicht "Lila Pause" wie zunächst fälschlicherweise unter dem Bild zu lesen war. Die Unterschrift wurde schon zuvor geändert - trotzdem vielen Dank für den Hinweis. Beste Grüße, K. Schäfer
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  • unbekannt
    (146 Beiträge)

    19.10.2014 21:05 Uhr
    O-Phase bei den Informatikern
    Oh jeeeee, das kann ich mir lebhaft vorstellen:

    Endloses Techo-Babble und null Fun....
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  • unbekannt
    (146 Beiträge)

    19.10.2014 21:10 Uhr
    Techno-Babble
    Meinte ich....
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  •   superian
    (193 Beiträge)

    19.10.2014 18:58 Uhr
    Club Mate statt Bier?
    Zum Glück habe ich mein Studium schon hinter mir.
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  • unbekannt
    (2354 Beiträge)

    19.10.2014 19:12 Uhr
    Alkohol in Deutschland
    Unterschätzt, verharmlost und ... außergewöhnlich schädlich
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  • unbekannt
    (1536 Beiträge)

    19.10.2014 20:46 Uhr
    pfffffff....
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  •   Antichrist
    (1592 Beiträge)

    19.10.2014 17:54 Uhr
    Ohne Wille
    null Promille! Auf Ihr Luschen..
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  •   Badnerka
    (37 Beiträge)

    19.10.2014 16:41 Uhr
    Meine...
    ...O-Phase in der Physik Fachschaft war echt gelungen. Böllerwagen hatten wir nicht brauch ich auch nicht. Aber es war die gaze Woche durchgeplant und jeder konnte kommen wann er wollte und es gab fast rund um die Uhr was zu tun. Klar auch Info-Veranstaltungen oder einen Kaffee mit den Professoren, aber auch Kneipentour, Party, Zusammen Bier trinken oder grillen...da haben wir uns morgens um 9 auch mit Bier begrüßt. Die O-Phase in Freiburg dagegen war grottenschlecht.
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