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Karlsruhe Karlsruher Klimaforscher: Was Taifun "Haiyan" mit Karlsruher Wein zu tun hat

Ein Sturm oder Überflutungen sind auf den Philippinen nichts Ungewöhnliches oder Neues. Jährlich fegen durchschnittlich neun Stürme über die Insellandschaft hinweg, wovon am häufigsten der Norden rund um die philippinische Hauptstadt Manila betroffen ist. Die Auswirkungen in der Provinz Leyte und deren Hauptstadt Tacloban sind aber aktuell nach Taifun "Haiyan" besonders schwerwiegend ausgefallen - bei einer geschätzten Schadenssumme zwischen 9 und 17 Milliarden US-Dollar sowie rund 2 Millionen Menschen in Notunterkünften. Auch Karlsruher engagieren sich, um den Notleidenden zu helfen.

Jürgen Christmann verbrachte fünf Jahre in Tacloban. Zwischen 2003 und 2008 lehrte der Geograph an der University of the Philippines in the Visayas - Tacloban College und lehrt nun am Karlsruher Institut für Technologie (KIT). Beim Gespräch mit ka-news zeigt er sich betroffen. "Die Philippinos sind insgesamt so liebe und freundliche Menschen", berichtet er von seinen Erfahrungen. Und sie seien sehr gut auf stürmische Zeiten eingerichtet.

"Die Menschen sind vorbereitet"

"Die Menschen rechnen damit, dass sie längere Zeit kein Wasser haben oder nicht an Bargeld kommen. Also heben sie vorher Geld ab und füllen Wasser aus den Leitungen in Flaschen um." Doch in Tacloban habe man bisher höchstens die randläufigen Auswirkungen von Stürmen zu spüren bekommen. Mal Hochwasser oder einen längeren Stromausfall - so hat Christmann es erlebt. "Es ist sehr außergewöhnlich, dass Tacloban diesmal direkt getroffen wurde."

Die Philippinen zählen zu den Ländern mit der größten Wirbelsturmhäufigkeit, durchschnittlich fegen neun Tropenstürme und Taifune über das Land. Die Ursache liegt laut KIT-Meterologe Bernhard Mühr "an dem gewaltigen Vorrat an warmem Wasser, aus dem die Stürme ihre Energie beziehen sowie an den oft windschwachen Umgebungsbedingungen." Taifun "Haiyan" entstand am 3. November aus einer Ansammlung von Gewitterkomplexen und wurde bereits am nächsten Tag als Taifun eingestuft. "Auf seinem Weg durch das philippinische Archipel schwächte sich der Sturm kaum ab, erst über dem südchinesischen Meer änderte er seine Bahn und verlor rasch an Stärke", analysiert Mühr.

2 Millionen Menschen in Notunterkünften

Global wird der Sturm keine Auswirkungen haben, für die Philippinen ist er jedoch verherend, weiß Michael Kunz, Leiter der Arbeitsgruppe "Atmosphärische Risiken" am KIT. "Derzeit können die Auswirkungen noch nicht annähernd abgeschätzt werden", so Kunz. Die Zahl der Opfer steige dramatisch, wenn auch die anfänglich hohe Zahl von 10.000 Opfern auf 4.000 Menschen runterkorrigiert wurde. "Wir schätzen aber, dass rund 2 Millionen Menschen auf längere Zeit in Notunterkünften unterkommen müssen."

Hinzu komme jedoch auch der wirtschaftliche Schaden, den der Sturm angerichtet habe. "Nach vorläufigen Schätzungen beträgt die Schadenssummer zwischen 9 und 17 Milliarden US-Dollar, das sind in den betroffenen Regionen rund 40 Prozent von deren Bruttoinlandsprodukt", gibt Kunz gegenüber ka-news an. Dabei sei nach Schätzungen von Bloomberg Analyst nur rund eine Milliarde US-Dollar versichert. Der Rest müsse staatlich oder privat getragen werden. Infrastruktur und Landwirtschaft seien zudem erheblich beschädigt, was auch langfristig Folgen haben werde.

Hilfe aus Karlsruhe

Aus Karlsruhe gibt es bereits zahlreiche Ansätze, den Menschen auf den Philippinen zu helfen. Erst kürzlich rief Oberbürgermeister Frank Mentrup zum Spenden auf. Zusätzlich veranstaltet das KIT, unter der Initiative von Jürgen Christmann, eine Benefizveranstaltung am Dienstag, 19. November ab 19.30 Uhr im KIT-Campus Süd (Redtenbacher-Hörsaal), bei dem neben Christmann auch Bernhard Mühr über die Situation auf den Philippinen spricht. Zusätzlich haben sich Karlsruher Musiker zusammengeschlossen und wollen am Abend des 7. Dezember in einer Guerilla-Aktion die Karlsruher Kneipen, Bars und Pubs musikalisch unsicher machen, um Spenden zu sammeln.

Um direkt vor Ort zu helfen werden ab Samstag für rund zwei Wochen Helfer der Freunde der Erziehungskunst Rudolf Steiners e.V. auf die Philippinen reisen, um dort notfallpädagogisch zu arbeiten. Insbesondere mit Kindern soll dabei verhindert werden, dass die schweren Traumata, die "Haiyan" mit sich brachte, längerfristige Auswirkungen auf das psychische Wohl der Kinder haben werden.

Für Deutschland selbst sind tropische Stürme undenkbar, aber "bei deutschen Wirbelstürmen gibt es bisher nicht vorhersagbare Schwankungen im Zeitbereich von mehreren zehn Jahren", so Klimaforscher Andreas Fink vom KIT. Auch sei der tropische "Haiyan" kein Vorbote des Klimawandels, wie gelegentlich angenommen werde. Eine ganz sichere Tendenz, die auf den Klimawandel zurückzuführen sei, sei der Erwärmungstrend in allen Jahreszeiten, der seit 1980 zugenommen habe. "Die Auswirkungen können wir beispielsweise am schwindenden Schnee oder der früheren Blüte im Frühjahr sehen", erklärt Fink. "Der Karlsruher selbst merkt es an der Qualität der Weine - das sagen zumindest die Winzer."

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  • unbekannt
    (29986 Beiträge)

    20.11.2013 00:51 Uhr
    Früher waren
    wir an Weihnachten immer dick eingeschneit...

    Hahaha, in der Zentralschweiz vielleicht. In meinem Leben in drei Ausnahmewintern.
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  • unbekannt
    (11392 Beiträge)

    20.11.2013 02:47 Uhr
    Richtig!
    Weihnachten fällt nämlich meteologisch genau in die Zeitspanne zwischen Frühwinter und Hochwinter, und diese Zeitspanne wird meist von einer Tauwetterphase unterbrochen.

    Genauso wie es zwischen Frühsommer und Hochsommer paar Wochen kühler wird (Eisheilige, Schafskälte...)

    Ansonsten werden die Winter die letzten vier, fünf Jahre für mein Gefühl wieder etwas kälter. Eigentlich seit 2009 ungefähr. Seither liegt wieder öfter Schnee und öfter mal im zweistelligen Minusbereich, als die 15 Jahre zuvor...
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  • unbekannt
    (14337 Beiträge)

    19.11.2013 21:20 Uhr
    Ach komm, geh fort!
    // "Die Auswirkungen können wir beispielsweise am schwindenen Schnee oder der früheren Blüte im Frühjahr sehen"//
    Schwindender Schnee? Ich hab das Gefühl es wird immer mehr! Die Winter werden länger! Und das mit der frühen Blüte im Frühjahr hab ich dieser Tage in der Form gelesen, dass es dieses Jahr weniger Obst gäbe, weil die Bäume so früh geblüht hätten und die Bienen noch nicht unterwegs gewesen wären... also wenn ich mich recht erinnere war's dieses Frühjahr doch so, dass die Bäume eben sehr spät geblüht hatten weil es eben sehr lange kalt war!
    Kann mich an das Gejammer in den 70ern erinnern: Wir haben bald keine Winter mehr. Und was gab's kurz drauf? Mächtig Schnee! Den Winter danach ebenfalls. Was war das Gejammere? Wir bekommen eine neue Eiszeit!
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  • unbekannt
    (14337 Beiträge)

    19.11.2013 23:06 Uhr
    Nicht zu vergessen: der saure Regen!
    Und nirdendwo haben Bäume und Sträucher ein satteres Grün als entlang den Landstrassen und Autobahnen....
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  • unbekannt
    (11392 Beiträge)

    19.11.2013 23:26 Uhr
    Vegetation
    Wir haben jetzt Ende November und bei mir sind die Bäume teilweise immernoch grün belaubt - ich weiß nicht ob ich früher blöder war als heute, aber mir kommts so vor, als seien früher paar Wochen früher die Bäume entlaubt gewesen.

    Von daher hat sich das ganz wohl nach hinten verschoben.
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  •   spital8katz
    (1178 Beiträge)

    19.11.2013 20:35 Uhr
    Das Beeinduckendste an der Katastrophen-Berichterstattung
    waren gut genährte, gut gekleidete Kinder, welche die in SUVs vorbeifahrende Journaille und die "NGOs" um Geld anbettelten.
    Und natürlich die Klima-Orgel, "Warschau" passte ja ideal.

    Spendet, Leute! Und dreht die Heizung ab...
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  • unbekannt
    (11392 Beiträge)

    19.11.2013 17:50 Uhr
    Was für eine Kausalität
    Und was hat schlechter Wein mit Produktionsfehlern in deutschen Autos zu tun?

    Ganz einfach: Wenn der Fusel nicht schmeckt und den Arbeitern morgens der Schädel brummt, dann sind sie nicht so motiviert auf der Arbeit und machen mehr Fehler...
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  • unbekannt
    (163 Beiträge)

    19.11.2013 17:18 Uhr
    schon wieder der Klimawandel
    Nach den vergangenen, eher schlechten Hurrikan-Saisons freut sich die Fraktion der Klima-Priester nun umso mehr, dass endlich doch wieder ein schwerer Sturm über die Erde fegte und das noch dazu zum perfekten Zeitpunkt vor der großen jährlichen Versammlung der CO2-Sekte in Warschau. Dort schauen die Propagandisten jedoch nicht etwa in die Vergangenheit – oder noch problematischer, die den angeblichen Klimawandel klar leugnende Gegenwart -, sondern allein in die auf Großrechnermodellen basierenden Zukunftsmodelle des Klimas. Wie das Wetter in 20 Tagen aussieht, kann uns trotz modernsten Mitteln auch heute noch kein Meteorologe
    100% voraussagen, doch die Kollegen aus dem Bereich der statistischen Mittelung von Wetterzahlen, der sogenannten Klimaforschung, geben großspurig die Durchschnittstemperaturen von der Mitte oder sogar vom Ende des gerade erst begonnenen Jahrhunderts bekannt. In Wahrheit sind diese Leute Zauberlehrlinge, nichts anderes.
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  • unbekannt
    (29986 Beiträge)

    19.11.2013 18:02 Uhr
    Vermutlich
    gescheiterte Börsenanalysten, die haben auch Glaskugeln...
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  •   Laetschebachschorsch
    (3127 Beiträge)

    19.11.2013 17:11 Uhr
    So ganz stimmt das wohl nicht
    1. Wäre es mir nicht egal, wenn durch den Taifun in unseren guten Badischen Wein Regenwasser gelangen würde. grinsen
    so und nun zum Ernst:
    2. Der Taifun in dieser Stärke entstand vermutlich auch durch die Erwärmung der Weltmeere. Und durch diese Erwärmung verändern sich auch die Temperaturen in unseren Breiten, was zu einer anderen Blüte- und Reifezeit z. B. unseres Weines führen kann. Damit kann es sein, dass unsere bisherigen Rebsorten sich hier bei uns nicht mehr eignen bzw. eine andere Qualität hervor bringen.
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