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Karlsruhe KIT bestätigt: Kein Gehalt für 1.000 Studenten

Rund tausend am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) beschäftigte Studenten haben nach Angaben der Studentenorganisation UStA im Juli kein Gehalt bekommen. Das sei eine "untragbare Situation. Das KIT muss hier umgehend Abhilfe schaffen", sagte Philipp Rudo, Vorsitzender des Unabhängigen Studentenausschusses.

Viele Studenten seien auf das Geld angewiesen, um ihr Studium zu finanzieren. Schon seit April habe die Hochschule Probleme mit pünktlicher Zahlung gehabt, die mit einer Software-Umstellung erklärt worden seien.

Jusos kritisieren KIT

Das KIT wollte dazu zunächst nicht Stellung beziehen. Erst müsse mit der Personalabteilung gesprochen werden; auch könne die Hochschule momentan nicht bestätigen ob oder wie viele Studenten von den Gehaltsausfällen betroffen seien. Es sei allerdings korrekt, dass sich Studenten schon im Jahr 2009 über leere Konten geärgert hätten, sagte ein Sprecher der Nachrichtenagentur dpa. Damals habe sich die Hochschule entschuldigt.

"Das KIT hat die Lage unterschätzt und bekommt sie einfach nicht in den Griff. Betroffene Studierende bangen um die Finanzierung ihrer Unterkunft und ihres Studiums, schließlich ist der 'HiWi - Job' insbesondere Haupteinnahmequelle für Studierende ohne zahlungskräftige Eltern", so Niklas Horstmann, Sprecher der Juso-Hochschulgruppe Karlsruhe, in einer Pressemitteilung. Studierende würden durch fehlende Lohnauszahlungen in ernsthafte Geldnöte geraten. Die Juso-Hochschulgruppe fordert daher das KIT auf, den Lohn pünktlich zu zahlen und sich bei den betroffenen Studenten zu entschuldigen.

"Es ist ein untragbarer Zustand, dass es einer Einrichtung wie dem KIT nicht gelingt, pünktlich ihre Angestellten zu bezahlen", kritisiert Samuel Karrer von der Grünen Hochschulgruppe Karlsruhe (GHG).

Aktualisierung Mittwoch, 9 Uhr: Stellungnahme des KIT:

Das KIT bestätigte in einer Stellungnahme am Dienstagabend gegenüber ka-news die ausgebliebenen Gehaltszahlungen. Betroffen sind laut KIT ein Teil der Hilfskräfte mit im Frühjahr neubeantragten Verträgen. Nicht betroffen sollen Mitarbeiter im Angestellten- oder Beamtenverhältnis sein. Derzeit kommt es bei etwa 1.000 Betroffenen bei der Gehaltsüberweisung zu Verzögerungen von einem Monat, in wenigen Fällen aber auch zu Verzögerungen von zwei Monaten.

"Ich bedaure die Verzögerungen sehr, weil ich weiß, wie dringend die Studierenden auf das Geld für den Lebensunterhalt angewiesen sind", sagt Elke Luise Barnstedt, Vizepräsidentin für Personal und Recht am KIT. "Wir versuchen die Auswirkungen für die Studierenden so gering wie möglich zu halten: Durch engen Informationsaustausch mit den Vertretern der Studierenden, die Anweisung von kurzfristigen Abschlägen und mit mehr Sachbearbeitern."

Bessere Abwicklung: Neue Sachbearbeiterstelle im KIT ab 1. August

Mehrere Ursachen spielen bei der Verzögerung zusammen, teilt das KIT mit: Zu einem wurde am KIT ein neues Softwaresystem im Frühjahr eingeführt, dessen Einarbeitungs- und Justierphase leider zu Verzögerungen geführt haben soll. Außerdem sei die Anzahl der neubeantragten Hilfskräftverträge in den Monaten Mai und Juni mit 1.500 statt 700 Fällen fast doppelt so hoch wie in den Vorjahren. Dadurch verzögerte sich die Übermittlung der Vertragsdaten an das Landesamt für Besoldung und Versorgung (LBV), welches die Überweisung der Gehälter übernimmt, heißt es aus dem KIT.

Außerdem will das KIT den Betroffenen mit der Datenübermittlung einen Gehaltsabschlag leisten. Ab dem 1. August habe man zudem eine neue Sachbearbeiterstelle geschaffen, um die Abwicklung schneller vorantreiben zu können. Die KIT-Leitung stehe im direkten Kontakt mit den Studierendenvertretern. Zudem habe sie bereits im Februar die Institutsleitungen über die anstehenden Softwaresystemumstellungen und auf die damit einhergehenden Engpässe bei der Bearbeitung von Neuverträgen hingewiesen, bekräftigt das KIT. Auch die Hilfskräfte wurden auf einer Personalversammlung im Mai und im Intranet über die aktuelle Lage informiert.

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Kommentare (30)
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  • unbekannt
    (701 Beiträge)

    02.08.2012 09:16 Uhr
    Beim LBV sitzen die größten Schlafmützen
    Ich glaube das ist das größte Problem. Die Erfahrung habe ich früher selbst gemacht. Mittlerweile habe ich zum Glück genug Geld und brauche mich über ausbleibenden Lohn nicht aufregen. Ich bin mein eigener Chef.
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  • unbekannt
    (9 Beiträge)

    02.08.2012 07:50 Uhr
    Probleme
    Ursache für solche Probleme liegen selten an der Software, die dafür eingesetzt wird. Problem ist meistens in den Menschen begründet, die damit nicht richtig umgehen können.

    Genau da liegt beim KIT, wie im öffentlichen Dienst im Allgemeinen der Hund begraben: die Experten, die das einführen und umsetzen können, bekommt man am Arbeitsmarkt nicht für das Gehalt, das man maximal zahlen darf - gerade in diesem Bereich liegen hier Faktor 2-3 im Einkommen !!! Und eine Tätigkeit für den Öffentlichen Dienst wird dann mit auf maximal auf zwei Jahre befristeten Verträgen für entsprechend qualifizierte Mitarbeiter auch nicht attraktiver.
    Das Land will weiter am Personal sparen und damit werden solche Katastrophen und noch schlimmere auch in anderen Bereichen mehr und mehr auftreten.
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  •   Laetschebachschorsch
    (2847 Beiträge)

    02.08.2012 07:32 Uhr
    LBV
    LBV heißt Landesamt für Besoldung und Versorgung, es ist also eine Landesbehörde. Aber das Problem ist doch mit der Daten-Übermittlung entstanden. Sind da nicht vor dem Einsatz der neuen Software entsprechende Testläufe durchgeführt worden, oder braucht das KIT sowas nit? - Kein Intelligenz-Transfer -
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  •   runsiter
    (11979 Beiträge)

    01.08.2012 18:37 Uhr
    wäre
    es ein privates Unternehmen würde ich sagen, die machen bald dicht. Wenn man die Löhne nicht mehr pünktlich zahlen kann oder will, stimmt etwas ganz gewaltig nicht.

    Liegt es nur am Unvermögen anderer, fehlerhafter Software oder ähnlichem, dann sollte das KIT Zinsen für diesen Lohnausfall zahlen.

    Ist das ein beschissener Saftladen.
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  •   Gelbsocke
    (3912 Beiträge)

    01.08.2012 21:24 Uhr
    Das
    wird noch viel lustiger, wenn ab 2013 Beamte eine privatisierte Uni führen.
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  • unbekannt
    (4000 Beiträge)

    01.08.2012 15:01 Uhr
    Vielleicht sollte man Outsourcen.
    Ein gutes Privatbüro macht das nebenbei mit.
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  •   tok
    (7205 Beiträge)

    01.08.2012 16:17 Uhr
    für den
    Prozess des Outsourcens müsste aber erst eigens ein Mitarbeiter eingestellt werden.

    Die Gewerkschaft würde dann natürlich darauf pochen, dass der einen unbefristeten Vertrag erhält, auch wenn seine Arbeit der Art nach befristet ist.

    Wenn er mit dem Outsourcen fertig ist, müsste man für ihn neue Arbeit finden. Mit an Wahrscheinlichkeit grenzender Sicherheit würde die darin bestehen, dass er Vorgänge kontrolliert, also Formulare abheftet, die andere Leute ausfüllen müssen.

    Zur Unterstützung bekommt er zwei studentische Hilfskräfte.

    ad eternam
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  •   tessarakt
    (2353 Beiträge)

    02.08.2012 01:55 Uhr
    Outsourcing
    Früher wurde ans LBV outgesourced. Das hat geklappt. Außer, wenn die Datenübermittlung ans LBV mal nicht geklappt hat ...

    Aber dann macht man als Arbeitnehmer halt von seinem Zurückbehaltungsrecht Gebrauch ...
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  •   tok
    (7205 Beiträge)

    01.08.2012 14:36 Uhr
    grenzenlos
    peinlich.

    Und doch wird die Peinlichkeit durch die Nennung der "Ursachen" noch übertroffen.
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  •   phiha1612
    (587 Beiträge)

    01.08.2012 12:46 Uhr
    1000 Studenten ???
    sorry wieviel leute müssen denn am KIT beschäftigt werden??

    für was 1.000 Studenten? hier gehört defintiv gekürzt... hat hier jeder dozent einen taschenträger oder was machen bitte 1.000 hiwis für jobs??

    unglaublich... ich buckel für mein geld und der staat gibts für hartz4, studentenjobs etc. aus
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