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Karlsruhe/Eggenstein-Leopoldshafen Fast wie im Märchen: Bioliq-Anlage des KIT verwandelt Stroh in Benzin

Von einem großen Meilenstein für die Forschung in Karlsruhe und besonders für die Energiewende konnte der Präsident des KIT, Professor Holger Hanselka am Dienstag auf dem Campus Nord in Eggenstein-Leopoldshafen berichten. Dort läuft seit dieser Woche die Bioliq-Pilotanlage, die Stroh in Benzin umwandelt, erfolgreich und zum ersten Mal über die gesamte Prozesskette.

Durch Bioliq wird Restbiomasse aus Stroh, Pflanzen- oder Holzresten in umweltfreundliche und motorenverträgliche, synthetische Kraftstoffe umgewandelt. Alle Stufen des Verfahrens sind nun miteinander verbunden: Schnellpyrolyse, Hochdruck-Flugstromvergasung, Heißgasreinigung und Synthese.

"Dies ist ein weiterer wichtiger Baustein für den Erfolg der Energiewende", sagt der Präsident des KIT, Professor Holger Hanselka im Rahmen feierlichen Inbetriebsetzung der Anlage. Das KIT hat das von Bund, Land und EU geförderte Pilotprojekt mit mehreren Industriepartnern verwirklicht; die Gesamtinvestition beträgt 64 Millionen Euro.

Mit Bioliq sind "Teller und Tank" keine Konkurrenten mehr

Der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL), Peter Bleser, hebt hervor, dass das Bioliq-Verfahren besonders wertvoll sei, weil es die Konkurrenzsituation von "Tank und Teller" aufhebe. "Das ist ein wahrhaft historischer Moment. Ich sehe hier ein gigantisches Potenzial - weltweit. Das Verfahren ist ein Durchbruch, gerade weil hier nur die Reststoffe aus der Landwirtschaft verwendet werden. Es stärkt die Wertschöpfung im ländlichen Raum und ist aufgrund der dezentralen Produktionsprozesse auch nicht mehr von Transportkapazitäten abhängig, um sowohl Biokraftstoffe als auch chemische Grundprodukte für eine biobasierte Wirtschaft zu erzeugen."

Hanselka hebt zudem hervor, dass im Gegensatz zu anderen neuen Energieformen mit Bioliq auch bedarfsabhängig eine Grundversorgung geleistet werden kann. So füge sich auch die Pilotanlage in ein bereits bestehenden Energiesystem ein - man müsse nun mit verschiedenen Erzeugern zusammenarbeiten und gemeinsam die Netz- und Speicherproblematik lösen.

Zudem gelte es nun, hier in der Pilotanlage die Voraussetzungen für eine industrielle und kommerzielle Nutzung im großen Stil zu schaffen. "Das hier ist eine Forschungsplattform, keine Industrieanlage. Wir wollen hier die Technologie weiterentwickeln und in vielleicht fünf bis zehn Jahren mit einer sauberen, nutzbaren Qualität auf den Markt gehen."

Fast wie im Märchen

Auch Simone Schwanitz, Ministerialdirektorin im Ministerium für Wissenschaft und Kunst Baden-Württemberg, sagt in Hinblick auf die Bedeutung der am KIT in Karlsruhe nun zu erprobenden Technologie: "Sie verwandeln hier ein banales Abfallprodukt in etwas sehr wertvolles. Das ist fast wie im Märchen, wo Stroh zu Gold wird. Einmal mehr treiben wir hier in Baden-Württemberg den Wandel in eine nachhaltige Gesellschaft voran".

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Kommentare (13)
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  •   Elim_Garak
    (314 Beiträge)

    21.11.2014 15:49 Uhr
    Und immer noch nicht
    hat irgendwer bekannt gegeben, ob über die gesamte Herstellungskette überhaupt Energie gewonnen wird. Vor einiger Zeit war die Antwort auf diese Frage noch, dass man das noch nicht überprüft hat. Schöne neue Welt.
    Und die Finanzierung der laufenden Kosten übernehmen die anderen Institute des KITs. Denen fehlt dann eben entsprechend Geld. Danke auch dafür.
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  •   kommentar4711
    (2195 Beiträge)

    21.11.2014 12:23 Uhr
    Was für ein Unsinn
    Hat sich schon mal jemand mit Tierbesitzern unterhalten, wie sich die Futterpreise sein Einführung von Biosprit und Biogas entwickelt haben? Aber egal, hauptsache "grünen" Sprit und Strom.
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  •   zozimura
    (1977 Beiträge)

    21.11.2014 12:31 Uhr
    Stroh = Einstreu in Ställen
    Aber die gibt es ja eigendlich nur noch für die Gäule der Töchter aus schlechtem Hause. Was Sie meinen ist Heu. Und das wird weiter verfüttert.
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  •   heikoka
    (307 Beiträge)

    21.11.2014 12:30 Uhr
    .. den Artikel auch gelesen ???
    Es geht um "Restbiomasse aus Stroh, Pflanzen- oder Holzresten"
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  •   kommentar4711
    (2195 Beiträge)

    21.11.2014 12:47 Uhr
    Ja, Artikel gelesen
    Stroh wird beim Bauern durchaus benötigt. Zwar nicht als Futter, aber eben als Einstreu, auf dem Erdbeerfeld, ... .

    Holzreste - Irrsinn. Es werden inzwischen Teilweise in den Wäldern schon die Wurzeln der Bäume aus dem Boden gerissen und zu Pallets verarbeitet. Die Preise für Holz sind in den letzten Jahren drastisch gestiegen. Und jetzt gibt es also tatsächlich noch Leute die weitere Nutzungsmöglichkeiten dafür suchen? Klasse Idee.
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  •   heikoka
    (307 Beiträge)

    21.11.2014 13:01 Uhr
    .. da hat aber jemand ein romantisches Bild unserer Landwirtschaft
    .. Bauern spritzen Halmverkürzer damit nicht mehr Stroh als unbedingt nötig entsteht .. das meiste wird beim dreschen kleingehäckselt und wieder untergepflügt ..
    Das durchschnittliche Schnitzel aus dem Supermarkt hat die letzten 10 Jahre schon kein Stroh mehr gesehen ....
    Aber das ist alles ein anderes Thema...
    Ich denke der Ansatz von Bioliq ist zumindest weit sinnvoller als Frakking und der Import von amerikanischem SOja-Futter und chilenischem BioObst ....
    Wir sollten schauen, daß wir mit unseren (ggf europäischen) Ressourcen haushalten und nicht alles quer um den Globus karren und uns energiepolitisch erpressbar machen (Russland, ...)
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  •   10tacle
    (266 Beiträge)

    21.11.2014 11:43 Uhr
    Prima
    die Energiekrise ist gelöst. Die sollen schnell mal die Bundes- und Landtage anzapfen. Die Vorkommen reichen für Generationen. :-D
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  •   Berndabcdef
    (743 Beiträge)

    21.11.2014 09:19 Uhr
    Stroh zu Gold spinnen
    das war schon immer unser Traum. Aber das KIT soll besser mal die Giftfässer vom Campus Nord entfernen und die IT Zusammenarbeit mit den Amis kappen.
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  •   frafoe
    (662 Beiträge)

    21.11.2014 11:24 Uhr
    Zusammenarbeit kappen ?
    Ich dachte immer je größer das Netzwerk der Zusammenarbeit, desto schneller werden Fortschritte erzielt. Warum auf so einen wichtigen Partner verzichten ? Hoffe das bald TTIP umgesetzt wird dann sollte die Zusammenarbeit und der Austauch auch einfacher werden und diese altmodischen Importzölle fallen endlich mal weg .
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  •   Berndabcdef
    (743 Beiträge)

    21.11.2014 17:44 Uhr
    ja genau
    darauf haben wir schon lange gewartet, daß wir die marode USA Volkswirtschaft mit EU Geldern finanzieren dürfen. Und die IT Zusammenarbeit? Mit den Spionageentwicklungen aus Karlsruhe werden unsere Computer ausspioniert. Man kann sowas zwar schreiben, aber dabei auch vor Wut platzen.
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