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Karlsruhe AK-X startklar: Karlsruher Studenten bauen Segelflugzeug

Auf dem Campus West des KIT entwickeln und bauen Studenten der Akademischen Fliegergruppe Segelflugzeuge. In der Werkstatt entfliehen die angehenden Ingenieure dem Studium mit intensiven Theorieanteil, auf dem Flugplatz lernen sie fliegen. ka-news-Autor Kevin Schrein hat sich bei den Bastlern umgesehen.

Große Ideen entstehen in Garagen und kleinen Hallen. Bill Gates entwickelte an so einem Ort Windows, William Hewlett und David Packard bauten in einem Holzbrettverschlag ihren ersten Tonfrequenzgenerator, den Grundstein für das Unternehmen Hewlett-Packard. Die nächste Innovation im Segelflugzeugbau entsteht in einer kleinen Halle auf dem KIT Campus West.

Das neueste Projekt heißt AK-X

Es ist die Heimat der Akademischen Fliegergruppe Karlsruhe, die aus Studenten der hiesigen Universität besteht. In den kommenden zwei Jahren soll in der Werkstatt ein Segelflieger ohne Schwanz, ein "Nurflügelflugzeug" mit 15 Metern Spannweite entstehen. AK-X tauften die angehenden Ingenieure ihr Projekt. Die Idee ist nicht völlig neu, es gab schon vereinzelt Flugzeuge dieses Typs. Doch mangels Kinderkrankheiten setzten sich die Nurflügelflugzeuge nie durch. Die angehenden Ingenieure wollen beweisen, dass sie es besser können.

Mastermind des Projekts ist Ulrich Deck. Mit 15 Jahren setzte er sich zum ersten Mal in das Cockpit eines Segelflugzeugs, heute konstruiert er eines. Deck studiert Luft- und Raumfahrttechnik, schon vor seiner Studienzeit war er Mitglied bei der Akademischen Fliegergruppe Karlsruhe. Wenn er von seinem Projekt erzählt, wählt er seine Worte sorgfältig. Er prahlt nicht. Nur bei der Frage, warum ein Nurflügelflugzeug, kann er sich ein Lächeln nicht verkneifen. "Damit sind pro Flug zehn Prozent mehr Reichweite drin - wenn wir uns nicht verrechnet haben."

Theorie gegen Praxis tauschen

Momentan engagieren sich 22 Studenten in der Akademischen Fliegergruppe Karlsruhe, darunter Physiker, Maschinenbauer und Informatiker. Gemäß dem Motto des Vereins "Studenten forschen, bauen, fliegen" werfen sie ihr Fachwissen aus den unterschiedlichen Disziplinen zusammen, um Ideen wie den AK-X zu verwirklichen. Seit der Gründung der AK Karlsruhe 1928 ist das so.

Seitdem sind immer wieder, von den Fachleuten hoch gelobte, Segelflugzeuge entstanden. Eines steht mittlerweile im Deutschen Museum München. Der Verein in Karlsruhe ist nicht der einzige seiner Art. Mittlerweile gibt es an jeder großen Technischen Universität eine Akademische Fliegergruppe. Gefördert werden sie in der Regel von Sponsoren, die Material oder Geld für neue Entwicklungen zur Verfügung stellen.

Daniel Reichert ist seit gut einem Jahr dabei. Er studiert am KIT Informatik im fünften Semester. Es ist ein Theorie-intensives Studium, das weder Schraubenzieher noch Inbusschlüssel kennt. Bei der Fliegergruppe darf er Theorie gegen Praxis tauschen, seine Mathematik- und Programmierkenntnisse einbringen und sich hier und da auch mal die Finger schmutzig machen. Es sei toll, endlich mal das Gelernte anwenden zu können, sagt er stolz.

Pilotenschein gegen Arbeitsstunden

Es ist jedoch nicht nur die Flucht vor der Theorie, die einige Studenten in die Werkstatt der Fliegergruppe treibt. Die angehenden Ingenieure wissen, dass Firmen gerne Absolventen einstellen, die abseits des Studiums bereits Erfahrung gesammelt haben. "Die Akademische Fliegergruppe ist bei vielen Unternehmen ein Begriff", sagt Daniel Reichert. "Sie schätzen es, wenn man schon während des Studiums gezeigt hat, dass man sich in ein Thema einarbeiten und es umsetzen kann, selbst wenn es mit einem Studium wie meinem, Informatik, nicht auf den ersten Blick etwas zu tun hat."

Die Studenten berichten auch von Firmen, die offene Stellen erst via Email an die Akademischen Fliegergruppen in Deutschland schicken. Erst wenn die Unternehmen auf diesem Weg keine Interessenten finden, inserieren sie in Portalen und Zeitungen. Projektleiter Ulrich Deck möchte nach seinem Studium zu einem Hersteller kleiner Flugzeuge. Er ist zuversichtlich, dass ihm die etlichen Arbeitsstunden bei der Akademischen Fliegergruppe dabei helfen.

Doch die Studenten sind nicht nur wegen der Drehmaschinen und Konstruktion von Segelflugzeugen Mitglied im Verein. "Ich wollte schon immer fliegen", sagt Informatiker Reichert über seinen Traum. Und die Akademische Fliegergruppe ermöglicht es ihm. Die Studenten des Vereins leisten pro Jahr 300 Arbeitsstunden, die neben den Entwicklungsarbeiten auch die Wartung der Flugzeuge oder Öffentlichkeitsarbeit beinhalten. Im Gegenzug zahlt der Verein die Kosten für den Pilotenschein. Geflogen wird an Wochenenden von April bis Oktober, wenn es das Wetter zulässt. Die für die Ausbildung nötigen Flugzeuge hat der Verein über Jahre hinweg mit den Spenden der Mitglieder gekauft, die mittlerweile im Beruf sind.

Bis der Verein allerdings auf das Nurflügelflugzeug AK-X zurückgreifen kann, wird es noch eine Weile dauern. Momentan existiert nur ein kleines Modell, das die Studenten per Fernsteuerung erproben. In zwei Jahren, so die Hoffnung der Fliegergruppe, könnte das Original startklar sein. Wenn nichts dazwischen kommt. "Aber bei der Konstruktion von Flugzeugen weiß man das nie so genau", sagt Deck und lacht.
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Kommentare (2)
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  •   Neutrino
    (755 Beiträge)

    16.02.2014 12:07 Uhr
    Kinderkrankheiten....
    ...hat es tatsächlich an Kinderkrankheiten gemangelt? Dann gäbe es den Flieger ja schon! grinsen
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  • unbekannt
    (29986 Beiträge)

    16.02.2014 22:04 Uhr
    Oder aber
    es hatte bisher keiner den Atem um die Krankheiten abzustellen, was dann zwangsläufig immer zur Aufgabe des Projektes führte.

    Konnte man in KA schon immer Luft- und Raumfahrttechnik studieren?
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