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Karlsruhe VBK-Kampagne: Pappfiguren an Haltestellen sollen Unfälle vorbeugen

Unfälle mit Straßenbahnen sind in Karlsruhe keine Seltenheit - vermehrt kommt es zu Kollisionen mit Fahrradfahrern oder Passanten. So endete ein Unfall im Juni tödlich, als ein Junge an der Haltestelle Thomas-Mann-Straße die Gleise überquerte und die herannahende Bahn übersah. Nun wollen die Verkehrsbetriebe Karlsruhe (VBK) vorbeugen und mit lebensgroßen Pappfiguren an einzelnen Haltestellen auf die Gefahren an den Überwegen aufmerksam machen. Besonders Jugendliche sollen mit der Präventionsmaßnahme angesprochen werden.

Game over, bad news, Stillschweigen - wer die Gleise unaufmerksam überquert, weil er abgelenkt ist vom Spielen auf dem Smartphone, dem Nachrichtenlesen auf dem Tablet-PC oder lauter Musik auf den Ohren, kann sich selbst in Lebensgefahr bringen. Diese Botschaft wollen die Verkehrsbetriebe Karlsruhe (VBK) mit ihrer neuen Präventionsaktion vermitteln und gehen dabei einen sehr offensiven Weg, um Jugendliche und junge Erwachsene zu erreichen.

Am Freitag starteten die VBK mit ihrer neuen Kampagne an der Haltestelle Mühlburger Tor - ab sofort sollen hier Pappfiguren vor allem Jugendliche und junge Erwachsene dazu auffordern, Ohren und Augen in Gleisnähe offen zu halten.

Ablenkung durch elektronische Geräte

"Wir möchten mit diesen Aufstellern darauf aufmerksam machen, welche Folgewirkungen es haben kann, von einem elektronischen Gerät wie dem Smartphone oder Tablet abgelenkt über einen Bahnübergang zu laufen", erklärte VBK-Geschäftsführer Walter Casazza beim Vor-Ort-Termin. Darum habe man sich bemüht Botschaften in den zweiteiligen Aufstellern unterzubringen. Um diese zu transportieren, besteht die Aktion aus zwei Teilen: Einem lebensgroßen Pappaufsteller und der kriminalistischen Nachzeichnung einer Leiche auf den Gleisen. 

Während Casazza von Sicherheit und Verkehrserziehung sprach und die Gefahr der Ablenkung durch Handys oder Tablet betonte, lief eine junge Frau, den Blick starr auf ihr Smartphone gerichtet, über den Bahnübergang Mühlburger Tor. Die Ampel war rot, die Frau hatte nicht einmal aufgesehen. Genau auf diese Situationen zielten die drei verschiedenen Motive ab, so Casazza. Er betonte, dass vor allem junge Menschen die Zielgruppe dieser Aktion seien. "Es soll eine Bewusstseinsbildung in drastischer Form darstellen."

Eine Verhaltensänderung der Fußgänger sei das Ziel, ohne erhobenen Zeigefinger, sondern mit aussagekräftigen Bildern. "Das mag am Anfang verstörend aussehen", so Casazza. Auch bei Tests mit den Pappfiguren bei Gruppen seien solche Reaktion hervorgerufen worden. Andere fänden sie sehr gut, weil sie zeigten, was passieren könne, wenn man nicht aufpasse. Um keinen Gewohnheitseffekt aufkommen zu lassen, werden die Figuren nach vier Wochen ihre aktuellen Standorte Mühlburger Tor, Durlacher Tor/KIT, Tullastraße und ZKM verlassen und weiter wandern. "Die Figuren sollen immer wieder aufs Neue aufmerksam machen", betonte Casazza.

"Prävention ist eine große Aufgabe"

Veronika Pepper, Gesamt-Elternbeirätin der Stadt Karlsruhe, lobte die Aktion: "Die Aufgabe der Prävention ist groß und man muss sie vielseitig angehen. Aber das allein wird nicht reichen, wichtig ist auch das Verhalten der Erwachsenen und die Unterstützung aus dem Elternhaus." Auch die Verkehrserziehung an Schulen müsse weiter ausgebaut werden. 

 

Wenige Wochen nach dem tragischen Unfall an der Thomas-Mann-Straße hatten sich Vertreter verschiedener Karlsruher Institutionen zusammengefunden, um Ideen zur Prävention zu sammeln. Ein Ergebnis des damaligen Brainstormings war ein Kurzfilm, der vor den Gefahren an den Gleisen warnt. Des Weiteren wollte man mit Plakataktionen an Haltestellen und Übergängen für Aufsehen sorgen.

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  •   bimmelfuzzi
    (348 Beiträge)

    21.09.2013 18:46 Uhr
    diese Aktion ist mal wieder typisch für Casazza und Co.
    Der Grundgedanke mag ja gut sein - aber eine solche Umsetzung? Hat schon mal jemand daran gedacht, dass ich als Fahrer bei lebensgrossen Pappfiguren Kinder, die dahinter stehen, nicht sehen kann? Diese treten dann wie aus dem Nichts plötzlich aufs Gleis - als Fahrer verhindere ich täglich 10-15 Unfälle durch meinen 7.Sinn, dass ich Gefahren in ihrem Ansatz - also noch vor ihrer Entstehung erkenne - und in den meisten Fällen merkt kein Fahrgast oder Passant was davon, weil ich einfach langsamer anfahre, früher bremse oder ähnliches - einfach um der Situation mehr Zeit zu geben sich zu entwickeln, sich dabei von selbst zu entschärfen etc. - das allerdings erfordert auch, dass ich sie im Ansatz erkennen kann....
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  •   spital8katz
    (1178 Beiträge)

    21.09.2013 12:55 Uhr
    Noch besser
    wäre die Verteilung von Papp-Handies und Papp-Kopfhörern.
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  • unbekannt
    (32 Beiträge)

    21.09.2013 13:09 Uhr
    und was gibt's dazu . . .
    Eine Brezel vom Walter . . .
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  •   spital8katz
    (1178 Beiträge)

    21.09.2013 19:03 Uhr
    Das "Schöne"
    an den Unfallmeldungen ist immer die stereotype Begründung "übersehen", nicht nur bei der StraBa.

    Es gibt heutzutage nichts mehr, das nicht "übersehen" wird.
    Dummheit, Faulheit, grobe Fahrlässigkeit oder Leichtsinn gibt es politkorrekt nicht mehr.
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  •   mueck
    (11081 Beiträge)

    21.09.2013 12:01 Uhr
    !
    Zitat von So endete ein Unfall im Juni diesen Jahres tödlich, als ein Junge an der Haltestelle Thomas-Mann-Straße die Gleise überquerte und die herannahende Bahn übersah. Nun wollen die Verkehrsbetriebe Karlsruhe (VBK) vorbeugen und mit lebensgroßen Pappfiguren an einzelnen Haltestellen auf die Gefahren an den Überwegen aufmerksam machen.
    Den Unfall dort als Grund ranzuziehen, suggeriert völlig Falsches. Der junge Radler war weder von Musik, noch von Handys abgelenkt, sondern hatte durch mangelhaftes Design des Überwegs keine Sicht auf die Bahn
    - wegen total zugewucherter Ecke
    - wegen des regelwidrig positionierten Umlaufgatters
    Durch ersteres hatte er vor dem Gatter keine Sicht auf die Bahn und durch zweiteres hatte er während der Durchfahrt keine Sicht auf die Bahn, die hatte er erst, als er schon auf den Gleisen war.
    Das Grün ist zwar schon stark, aber immer noch nicht ausreichend gestutzt und ...
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  •   orakelka
    (1910 Beiträge)

    21.09.2013 22:32 Uhr
    Die Schienen hat er wahrscheinlich
    auch nicht gesehen und gewusst das da eine Strassenbahn fährt hat er auch nicht. Vielleicht muss man sich einfach klar darüber sein, dass mit einer Bahn zwischen 40 und 60 Tonnen angefahren kommen, die halten nicht innerhalb von 2 Metern.
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  •   mueck
    (11081 Beiträge)

    21.09.2013 12:08 Uhr
    ...
    ... und das Umlaufgatter steht noch immer direkt am Gleis, wo es laut aktueller ERA und EFA nicht hingehört. Die nach ERA nicht regelkonforme Überlappung wurde sogar noch erhöht und auf der anderen, bisher ERA-konformen Seite, wurde das Gatter regelwidrig umgebaut.
    Der größte Bockmist ist aber, dass man diesen im Zuge einer Radverbindung liegenden Überweg per Schilder zum Gehweg erklärte und somit die Schuldfrage einseitig auf die bösen Radler verlagert statt die Mängel regelkonform zu beseitigen ...
    Reaktion auf den Widerspruch via Radwegemängelbogen bosher Null, bald drei Monate her. Wenn ich die bevorstehende, hoffentlich diesmal klappende BHV-Fahrt hinter mir habe, muss ich da wohl mal schärfere Geschütze auffahren ...
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  • unbekannt
    (29986 Beiträge)

    21.09.2013 15:26 Uhr
    Man kann
    anhalten, gucken ob was kommt und wenn nix kommt kann man weiterfahren. Oder?
    Wenn ich mit dem Auto unterwegs bin kann ich mich doch auch nicht damit rausreden, dass die Kreuzung schlecht einsehbar war. Da muss ich mich vortasten und warten bis einer hält und mir Zeichen gibt.
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  • unbekannt
    (999 Beiträge)

    21.09.2013 18:49 Uhr
    Du willst jetzt hier nicht wirklich
    eine Gesellschaft, die Verkehrskreisel mit 7 Ampeln baut, zur Eigenverantwortung auffordern?
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  • unbekannt
    (29986 Beiträge)

    21.09.2013 18:53 Uhr
    Ich will nur noch eins
    AfD RAUS!
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