22  

Karlsruhe Schrott vs. Reparatur: Das passiert mit Bahnen nach Unfällen

Was passiert mit Stadt- und Straßenbahnen nach Unfällen? Wie viele können nach erfolgreicher Reparatur auf die Schienen zurückkehren und wie viele müssen dauerhaft verschrottet werden? ka-news hat mit den Verkehrsbetrieben gesprochen.

Die Stadtbahn, die vor rund zwei Wochen mit einem Lastwagen am Entenfang zusammenstieß, wird wohl nicht mehr auf die Schienen zurückkehren. "An der Bahn ist ein sehr großer Schaden entstanden", bestätigt Nicolas Lutterbach, Pressesprecher der zuständigen Albtal-Verkehrsgesellschaft (AVG) im Gespräch mit ka-news. Dies ist allerdings ein Sonderfall: Allgemein werden Bahnen selten so schwer beschädigt, dass sie nicht mehr fahren können.

Warum wird die Unfall-Bahn nicht mehr repariert? Das liegt unter anderem daran, dass es sich bei dem Fahrzeug um ein älteres Modell handelt. Im Zuge der der Modernisierung wäre die Bahn in den kommenden Jahren auch ohne Unfall außer Dienst gestellt worden. Aber das wäre erst in einem Zeitraum von rund fünf Jahren geschehen, erklärt Lutterbach weiter.

Unfälle sorgen für Fahrausfälle

Derzeit wird durch einen Gutachter die genaue Schadenssumme ermittelt. Aber das wird am Schicksal der Bahn wohl nichts mehr ändern: "Wir gehen derzeit davon aus, dass eine Reparatur der Bahn mit großer Wahrscheinlichkeit versicherungstechnisch als unwirtschaftlich eingestuft wird", so Lutterbach.

Gerade für den Betriebsablauf ist dieser Ausfall nicht so leicht zu verkraften: "Auch wenn die Bahn in absehbarer Zeit ausgemustert worden wäre, es ist ein Fahrzeug, was jetzt nicht mehr zur Verfügung steht", so Lutterbach. Für die Einsatzplaner bedeutet dies nun: Umplanen. Fahrzeuge, die nicht mehr für den Betrieb zur Verfügung stehen, müssen durch andere Bahnen ersetzt werden. Im schlimmsten Fall entfallen Fahrten - bis wieder ein Fahrzeug zur Verfügung steht.

"Manchmal gibt es Unfallspitzen, dann haben wir schon ein paar Engpässe im Fuhrpark", gibt Lutterbach weiter an. Auch derzeit häufen sich die Unfälle in Karlsruhe: Nur eine Tag nach dem schweren Zusammenstoß am Entenfang, gab es einen Unfall in Dammerstock, bei dem auch eine Bahn beschädigt wurde. Aber, betont Lutterbach, momentan gibt es aufgrund der Unfälle keine Schwierigkeiten, den Fahrbetrieb am Laufen zu halten.

Kaum eine Bahn wird ausgemustert

Viele Schäden können in der hauseigenen Werkstatt der Karlsruher Verkehrsbetriebe wieder gerichtet werden, in Ausnahmen muss die kaputte Bahn "außer Haus": So besteht auch die Möglichkeit, die Bahn zur Reparatur zum Hersteller zu schicken. Oder wenn eine Reparatur wirtschaftlich nicht mehr zu vertreten ist,  wird auf eine Instandsetzung verzichtet, wie es bei der kaputten Entenfang-Bahn der Fall sein kann.

Grundsätzlich werde eine Bahn selten komplett aus dem Betrieb genommen: Konkrete Zahlen, wie viele Bahnen bislang verschrottet worden sind, will AVG-Pressesprecher Lutterbach auf ka-news-Anfrage nicht nennen. Er betont aber, dass "keines unserer Neufahrzeuge bislang entsorgt oder verschrottet haben." Gleiches gelte für die Niederflurbahnen, die die Verkehrsbetriebe Karlsruhe (VBK) und AVG betreiben.

Auf die Frage wie viele Fahrzeuge von AVG, VBK und KVV nach Unfällen nicht mehr auf die Schienen zurückkehrten, darüber geben die Verkehrsbetriebe keine Auskunft. Genaue Zahlen, welche Bahnen verschrottet worden sind, existieren nicht. Die Antwort: Verschrottet worden seien nur Bahnen, die zu alt für den Betrieb waren (beispielsweise die "Holzklasse") oder die Schäden an der Fahrzeugtechnik hatten. Fest steht, zumindest eine Bahn hat es außerhalb dieser Kategorien nicht mehr in den Fahrbetrieb zurück geschafft: Die Bahn, welche 2007 beim Brand in der Wagenhalle in Ittersbach zerstört worden ist.

Mehr zum Thema
Straßenbahnunfälle in Karlsruhe: Unfälle, Umleitungen, Verspätungen - aktuelle Nachrichten zur Verkehrslage im AVG-, VBK- und KVV-Netz in Karlsruhe.
Haben Sie einen Fehler entdeckt?
Das könnte Sie auch interessieren
Das wird gerade bei ka-news heiß diskutiert
Die besten Themen
Kommentare (22)
Hinweis: Kommentare geben nicht die Meinung von ka-news wieder.
Der Kommentarbereich wird 7 Tage nach Publikationsdatum geschlossen.
Bitte beachten Sie die Kommentarregeln und unsere Netiquette!
  •   mueck
    (11896 Beiträge)

    04.07.2017 12:05 Uhr
    !?
    "Genaue Zahlen, welche Bahnen verschrottet worden sind, existieren nicht."
    EInfach im Internet nachschlagen, das vergisst nix! zwinkern

    Apropos alte Bahnen ausrangieren ... Sollten nicht schon längst paar neue EBO-fitte Niederflurer der jüngsten Serie barrierefrei nach Herrenalb rausfahren zur Gartenschau? Bspw. der 355 in AVG-Jubiläumslack?
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   dipfele
    (5858 Beiträge)

    06.07.2017 01:14 Uhr
    Weil manche Leute keine Zeit haben....
    .....verschrottet wurden bis 1960 27 Akkumulatorenwagen der Nr. 1 bis 27, bis auf Nr.14 sowie 19 Triebwagen der Nr. 51 bis 69.Seit 1986 wurden die DWU Triebwagen 142 bis 215 ausgemustert, davon 143 bis 176 nach Rumänien, Nr. 178 bis 190 nach Minsk verkauft. Die Nr. 149,150,155, 161,182,184,189,200,201 zwischen1995 und 2005 verschrottet, die Nr.119,307 und 493 1994 verschrottet . Weiter wurden die Nr.579,122,123,116,117,119,120 zwischen 2008 und 2012 verschrottet. Welche Nr. der DB-Wagen, der in Ittersbach abgefackelt wurde, hatte weis ich nicht, auch die Nr. von dem Rüppurrer Brandwagen ist mir momentan entfallen. Wenn alle aktuell verunfallten Wägen verschrottet würden, wäre der Bestand schnell dezimiert. Ob die Pfingsten 2015 z-gestellten DWU noch existent sind, müsste noch in Erfahrung gebracht werden. Soweit mein Blick ins Internet.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   yokohama
    (3441 Beiträge)

    05.07.2017 00:16 Uhr
    ...
    "EInfach im Internet nachschlagen, das vergisst nix!"

    Ist das eine Seite der Verkehrsbetriebe oder ein schräges Hobby von Autisten? Gibt's auch eine Übersicht über alle Kanaldeckel und Mülleimer in Karlsruhe? Manche Leute haben wohl einfach zu viel Zeit...
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   mueck
    (11896 Beiträge)

    05.07.2017 00:30 Uhr
    !
    Bitteschön:
    Hier die Mülleimer der Kernstadt und die Kanaldeckel auf dem Unigelände.
    Sonst noch Wünsche?

    ;-)
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   ALFPFIN
    (7432 Beiträge)

    04.07.2017 16:32 Uhr
    Also
    ich bin am Montag nach Herrenalb gefahren mit der ganz normalen S1, neu war die Bahn nicht und schon gar nicht eine EBO-fitte Niederflurer Bahn. Und ein Jubiläumslack konnte ich auf der Bahn auch nicht
    feststellen. grinsen
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   mueck
    (11896 Beiträge)

    05.07.2017 00:34 Uhr
    !
    Ich weiß, dass noch immer das alte Gelump da fährt, daher die Einleitung mit "Sollte nicht schon längst ..." in der Hoffnung auf aufklärende Worte der mitlesenden Zuglenker & Co. ... zwinkern
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Zuglenker
    (59 Beiträge)

    04.07.2017 08:20 Uhr
    Verwendung Intern
    Hallo zusammen,

    Ihr kennt alle den wirklichen Zustand der Bahnen. Leider klappen Klimaanlagen, Heizungen etc nicht immer bei uns.

    Bei uns Fahrern geht es weiter. Scheibenwischer defekt, Bedienknöpfe kaputt, Funkgerät rauscht etc.

    Alte Bahnen werden ausgeschlachtet und als Ersatzteillager verwendet. Ist eigentlich kein Problem. Nur alte Sachen nach 30 Jahren im Einsatz sind keine Neuteile deswegen sind die Reperaturen mehr Flickwerk und die Probleme werden immer grösser.

    In der Werkstatt werden manche arbeiten nicht fertig gemacht weil dort schlichtweg Teile fehlen. Einiges aus Kostengründen, anderes weil es diese einfach nicht mehr gibt.

    Für noch mehr neue Fahrzeuge (die auch nicht richtig funktionieren) fehlt das Geld.

    Stattdessen setzt man jetzt auf ein neues Dienstplansystem. Dadurch wird die AVG noch flexiebler im Personaleinsatz.
    Der Mitarbeiter wird in zukunft noch mehr ausgepresst um wettbewerbsfähig am Markt zu bleiben.

    Geld verdient man durch Ausgaben einsparen.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Mars
    (212 Beiträge)

    04.07.2017 12:52 Uhr
    Du
    schießt ja ganz extrem gegen deinen Arbeitgeber. Ist es nicht so, dass z.B. 2-Systemwagen noch gar keine 30 Jahre alt sind? Kann es auch sein, dass ältere Fahrzeuge prinzipiell besser (störungsfreier) laufen als die neueren? Und für die alten Stadtbahnwagen gibt es natürlich keine/wenige Originalersatzteile. Die Fahrzeuge fahren ja schon seit Anfang der 80er. Bei den neueren gibt es häufiger Probleme, die gleichen Probleme gabs aber auch bei der Einführung der Stadtbahnwägen und der Niederflurfahrzeuge. Ist halt schon länger her und deshalb nicht mehr so im Gedächtnis.
    Kann es sein, dass Du extrem unzufrieden bist? Ich hab selten jemanden erlebt der so gegen seinen Arbeitgeber hetzt. Aber anonym ist ja gut zwinkern
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   mueck
    (11896 Beiträge)

    05.07.2017 00:41 Uhr
    !
    Alter siehe mein Link oben ...
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   dipfele
    (5858 Beiträge)

    04.07.2017 22:36 Uhr
    was heisst hetzen?
    Die geschilderten Probleme kann man auch als Fahrgast erfahren. Die ersten Zweisystemer wurden 1991 in Betrieb genommen, der Grossteil für Bretten dann 1992. Die sind also jetzt 26/27 Jahre alt. So wie es aussieht laufen die dem Alter entsprechend störungsfrei. Bei den neuen haben es sich die Jungmanager wohl etwas zu einfach mit den Bestell-Inhalten gemacht oder Vossloh kann keine störungsfreien Schienenfahrzeuge bauen?
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten

Seite : 1 2 3 (3 Seiten)

Dieser Artikel kann nicht mehr kommentiert werden.