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Karlsruhe Gemeinderat: Straßenbahnunfälle und der menschliche Faktor

Wie lassen sich Straßenbahnunfälle in Karlsruhe verhindern? Diese Frage war die Grundlage eines Antrages der SPD-Fraktion an den Karlsruher Gemeinderat am Dienstagabend. Die darin vorgeschlagenen Maßnahmen werden zwar bereits angegangen - breit diskutiert wurde der Antrag dennoch. Dominierende Fragen dabei: Lassen sich Unfälle überhaupt vermeiden? Und: Sorgen zu viele Sicherheitsmaßnahmen womöglich für zu viel Sorglosigkeit? Kurz: Was tun mit dem menschlichen Faktor?

Bei Rot über die Ampel zu gehen, das ist schlecht. Wer allerdings bei Rot gehe, vorher aber wenigstens gucke, handle immer noch besser als jemand, der bei Grün gehe und gar nicht schaue, so Eberhard Fischer von der Karlsruher Liste (KAL).

"Mangelnde Verkehrserziehung und Aufmerksamkeit können Sie durch nichts ausgleichen." Natürlich sei jeder tödliche Unfall einer zu viel, das gelte nicht nur für Straßenbahnunfälle. Zu viele Schutzmaßnahmen könnten allerdings auch einen gegenteiligen Effekt haben - nämlich dass die Menschen gar nicht mehr selbst aufpassen. "Weniger ist manchmal mehr", unterstützte ihn auch Gemeinsam für Karlsruhe (GfK)-Stadtrat Friedemann Kalmbach.

Was ist besser: Ohne Gucken über Grün - oder mit Gucken über Rot?

Wenige Stunden, nachdem die Karlsruher Verkehrsbetriebe (VBK) ihren neuen Präventionsfilm "Stell dich nicht taub" der Presse vorgestellt hatten, diskutierte am Dienstagabend auch der Karlsruher Gemeinderat über das Thema Straßenbahnunfälle. Grund war ein Antrag der SPD-Fraktion: "Straßenbahnen in Karlsruhe: Sicherheit erhöhen". In einem Ergänzungsantrag hatten die Freien Wähler zudem eine detaillierte Statistik zu Straßenbahnunfällen gefordert (Links führen direkt zu den Anträgen in PDF-Form).

"Wir wissen auch, dass man nicht jeden Unfall mit einer Straßenbahn verhindern kann", so SPD-Stadtrat Heinrich Maul zu dem Antrag seiner Fraktion - eine Meinung, die von den übrigen Stadträten geteilt wurde. Man solle allerdings versuchen, vorzubeugen. Konkret regte die SPD-Fraktion dafür eine Präventionskampagne, Schwerpunktkontrollen sowie das systematische Überprüfen aller Straßenbahnübergänge in Hinblick auf deren Sicherheit an. Maßnahmen, die nach Aussagen der Stadtverwaltung bereits im Gange seien, was vom Gemeinderat mehrheitlich begrüßt wurde, auch von den Antragstellern. "Wir sind sehr froh, dass etwas in Gang gesetzt wurde", so Maul abschließend.

Externe Experten - ja oder nein?

Kritische Stimmen gab es allerdings zu der Frage, ob man für das Thema Sicherheit auch externe Experten hinzuziehen sollte. Dies hatte die SPD angeregt. Unterstützt wurde sie dabei von den Grünen, die einen Austausch mit anderen Städten vorschlugen: "In anderen Städten, zum Beispiel in Köln, diskutiert man ja auch darüber", so Grünen-Stadtrat Johannes Honné. CDU-Stadtrat Rainer Weinbrecht hielt dagegen, der nötige Sachverstand sei doch auch in Karlsruhe vorhanden.

Quer durch alle Fraktionen wurde außerdem betont, dass man bei der ganzen Debatte rund um das Thema Straßenbahnunfälle andere Unfälle nicht vernachlässigen dürfe - Straßenbahnunfälle würden schließlich nur einen vergleichsweise geringen Teil der tödlichen Unfälle ausmachen.

Die Essenz der Diskussion fasste Oberbürgermeister Frank Mentrup am Ende zusammen: Es gebe nun einmal Unfälle, die trotz aller Sicherheitsmaßnahmen passierten und die auch wieder passieren würden, wenn man dieselben Personen in dieselbe Situation bringe.

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  •   badesalz
    (483 Beiträge)

    24.07.2013 20:16 Uhr
    Wenn man das
    ganze Geld in die Vorfahrt steckt,bleibt für Sicherheit nicht mehr viel übrig.
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  •   ObenLang
    (2745 Beiträge)

    24.07.2013 18:06 Uhr
    Was meint Mentrup mit "trotz aller Sicherheitsmaßnahmen"?
    Filmchen die zeigen für wie doof man die Bürger hält?

    Hab ich was verpasst gibts Maßnahmen wie:
    - neue Geschwindigkeitsbegrenzungen
    - klare Verkehsführung an Baustellen
    - neue Anweisungen an Fahrer dass sie auf den Fahrplan
    zu pfeifen haben, wenns der Sicherheit dient
    - kosntruktrive Verbesserungen an den Bahnen zum Fußgängerschutz
    - auf Eltern und andere höhren, wenn sie vor Gefahrenstellen warnen

    Mensch, ich muß so einiges Verpasst haben oder wir werden vera$ht oder wird nur noch aus "100 warme Reden und Sprüche ohne Inhalt" zitiert???
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  •   Volker_VV
    (56 Beiträge)

    24.07.2013 17:12 Uhr
    Was mich stört..
    an der ganzen Diskussion, ist die Tatsache, dass es keinerlei Bestrebungen gibt auch mal das Verhalten der Fahrer zu hinterfragen. Ich will hier nicht diese Leute zum Sündenbock machen, aber im Autoverkehr hat man schließlich auch den Fahrer als erstes im Blick, wenn es um Prävention geht.

    Ich würde jede Straba mit einem einfachen Videosystem an der Front ausrüsten und Daten wie Geschwindigkeit und Bremsbetätigung mit aufzeichnen. Das kann man heute zuverlässig für kleines Geld realisieren. Damit hätten die Fahrer im Zweifel etwas zu ihrer Entlastung und bei der Analyse der Unfälle könnte man sich anstatt auf Zeugenaussagen, auf sachliche Informationen verlassen.
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  • unbekannt
    (450 Beiträge)

    24.07.2013 19:22 Uhr
    Die Fahrer
    werden durch den Kurzwegregister (kurz KWR) überwacht. Dieser zeichnet die Bremsstellung, den Zeitpunkt des Bremsvorgangs und die gefahrene Geschwindigkeit für eine bestimmte Wegstrecke kontinuierlich auf (wenige km). Bei einem Unfall oder sonstigen Vorfall muss der Fahrer dieses KWR "einfrieren", damit die bisher gespeicherten Daten nicht durch weitere, nach dem Unfall aufgezeichneten Daten überschrieben werden. Das KWR wird dann ausgelesen und entsprechend ausgewertet. Es ist also keinesfalls so, dass der Fahrer nicht überwacht werden würde. Eine Front-Kamera wäre allerdings eine echt tolle Sache, denn ich sage mal in 90 % der Fälle hat der Straßenbahnfahrer absolut keine Schuld und das würde ihn restlos entlasten (oder eben auch belasten wenn er Mist gebaut hat).
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  •   ObenLang
    (2745 Beiträge)

    24.07.2013 17:57 Uhr
    Absoult richtig
    Fragen wie: wer hatte rot, wären zumindet auf der einen Seite sicher geklärt, Fehlverhalten (auf welcher Seite auch immer) zweifelsfrei gesichert. So ne Bahn kostet doch´mehr als ein Mehrfamilienhaus, jetzt mit Klima und W.C. da ist der Preis für eien Kammera samt Elektronik nix!
    Aber lieber einen auf doofe, selbst schuld Opfer machen, statt EHRLICH mehrere Aspeckte zu betrachten!
    Allein durch bessere Verkleidung hätten bestimmt schon mehr gerettet werden können als durch Filmpropaganda!
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