Karlsruhe Gefahr am Gleis: Wie können Karlsruher Haltestellen sicherer werden?

Wie sicher sind die Haltestellen in Karlsruhe? Diese Frage kann nach zwei tödlichen Straßenbahnunfällen im Januar erneut gestellt werden. Die Verkehrsbetriebe haben in der Vergangenheit mit Kampagnen und Pilotprojekten regelmäßig vor der Gefahr an den Gleisen gewarnt - was ist aktuell geplant? ka-news hat mit den Verkehrsbetrieben gesprochen.

Mal eben eine Nachricht auf dem Heimweg tippen oder den neuen Lieblingssong hören. So gehen mittlerweile viele Fußgänger durchs Leben und das kann - gerade im Straßenverkehr - zu einer großen Gefahr werden: Die Menschen sind durch ihr Handy abgelenkt und (halb) blind und taub unterwegs. Können hier zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen helfen?

Pilotprojekt "Guide Lights"

Das 17-jährige Mädchen, das am 17. Januar von einer Straßenbahn erfasst wurde und später ihren schweren Kopfverletzungen erlag, soll von ihrem Handy abgelenkt gewesen sein. Unklarer sind die Umstände bei einem Unfall nur einen Tag darauf: Hier hat ein 23-Jähriger beim Queren der Gleise eine Straßenbahn auf der Gegenseite übersehen. Er erlag eine Woche später seinen schweren Kopfverletzungen.

Hätte eine Bodenampel - wie es sie seit 2014 an der Haltestelle "Mühlburger Tor" gibt - vor den Bahnen warnen und die Unfälle verhindern können? Nähert sich dort eine Bahn dem Fußgängerüberweg, blinken die Lichtbänder ("Guide Lights") gelb auf. Dadurch sollen Fußgänger, die nach unten oder auf das Handy schauen, vor der herannahenden Bahn gewarnt werden. Die Leuchtstreifen dienen als Zusatzmaßnahme zu den Rotlichtern.

Guide Lights
Guide Lights: Der Leuchtstreifen im Boden soll Fußgänger vor nahender Bahn warnen. | Bild: (ps)

Ob das Lichtsystem den Unfall am KIT hätte verhindern können, sei fraglich, so Michael Krauth, Pressesprecher des KVV. Das Lichtband findet sich bislang nur am Mühlburger Tor. "Es war ein Pilotprojekt, um zu sehen, wie es funktioniert", sagt Krauth. Flächendeckend seien aktuell keine weiteren Lichtbänder in den KVV-Bauplanungen vorgesehen.

"Die Technik ist noch nicht so geeignet, wie erhofft, um sie flächendeckend einzusetzen", so Krauth. Bei hellem Tageslicht sei das Lichtsignal nicht so gut erkennbar. Weiterhin sei die Technik nicht ausfallsicher - bei technischen Problemen könnten die Guide Lights nicht funktionieren - im Gegensatz zu den Rotlicht-Ampeln, haben sie kein redundantes System. Der Probebetrieb am Mühlburger Tor ist noch nicht offiziell abgeschlossen, jedoch ist bislang ein weiterer Ausbau der Lichtsignale nicht geplant.

Sicherheit ist Dauerthema: Maßnahmen seit 2008

Die "Guide Lights" sind nicht die erste Sicherheitskampagne des Verkehrsverbunds: Mit einer ähnlichen Technik, die mittlerweile aber nicht mehr produziert wird, haben die Verkehrsbetriebe Karlsruhe (VBK) bereits von 2008 bis 2012 Zusatzmaßnahmen an der Haltestelle ZKM angebracht -  und dabei gute Erfahrungen gesammelt. Damals kamen Ovale aus Metall mit flachen Blinklichtern zum Einsatz, die sogenannten Lane-Lights.

Und auch in der Region warnte man vor der "Gefahr am Gleis": 2011 stellte die Albtalverkehrsgesellschaft (AVG) zusammen mit den KVV einen Kurzfilm im Rahmen der Initiative "Sicherheit macht Schule" online.

 

Im Juli 2013 veröffentlichten die VBK einen Aufklärungsfilm mit dem Titel "Stell dich nicht taub": Er sollte Karlsruher Jugendliche zur mehr Achtsamkeit im Straßenverkehr aufrufen. Der Film war seinerzeit eine Reaktion auf den tödlichen Unfall eines 14-jährigen Jungen an der Haltestelle Thomas-Mann-Straße.

 

Auf den Film folgte - ebenfalls 2013 - eine drastische Kampagne mit Pappfiguren-Aufstellern: Zusammen mit einem aufgeklebten Leichenumriss auf den Gleisen und entsprechenden Slogans sollten sie Fußgänger mahnen, sich nicht von Handys oder anderen elektronischen Geräten ablenken zu lassen.

KVV-Kampagne
Die VBK-Kampagne 2013 für mehr Sicherheit. | Bild: Archiv/mm

Aktuell keine Kampagnen geplant

Und was folgt jetzt? Aktuell sei keine weitere Sicherheitskampagne geplant, so der Sprecher des KVV weiter. Die neueste Sicherheitsmaßnahme an Haltestellen ist der "Z-Überweg": Die Absperrgitter auf beiden Seiten der Bahnschienen führt den Fußgänger so über die Gleise, dass er genau die Straßenbahn im Blick hat, dessen Gleis er als erstes betritt.

Z-Überweg dargestellt von den Stadtwerken Bielefeld. | Bild: www.mobiel.de

Der Fußgänger wird beim Z-Übergang zudem leicht schräg über die Gleise, so soll der Blick auf die heranfahrende Bahn gelenkt werden. "Sicherheit ist Tagesgeschäft für unsere Planer und mit den 'Z-Überwegen' haben wir sehr gute Erfahrungen gemacht", so Krauth auf Anfrage von ka-news weiter.

Doch andere Städte gehen dabei noch weiter: Frankfurt setzt auf Digitalisierung. Sicherheitshinweise kommen direkt per App auf das Handy der Fußgänger. Würde das also auch bei den KVV funktionieren? "Da ist nichts in Planung, das wäre technisch ein zu großer Aufwand", sagt Michael Krauth.

Der Artikel wurde nachträglich mit Informationen zu den "Guide Lights" ergänzt.

Mehr zum Thema
Straßenbahnunfälle in Karlsruhe: Unfälle, Umleitungen, Verspätungen - aktuelle Nachrichten zur Verkehrslage im AVG-, VBK- und KVV-Netz in Karlsruhe.
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