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Karlsruhe Bahn-Unfälle in Karlsruhe: Kracht es hier häufiger als in anderen Städten?

Sie bewegen sich durch den hektischen Karlsruher Verkehr: Straßenbahnen. Immer wieder kommt es mit den gelben Gefährten zu Unfällen, nicht selten steht dann der Bahnverkehr still oder es müssen Umleitungen gefahren werden. Aber wie häufig passieren eigentlich Bahnunfälle in Karlsruhe? Und wie schneidet die Fächerstadt im Vergleich zu anderen Städten mit S-Bahn-Netz ab?

Und täglich grüßt das Murmeltier: Innerhalb von nur drei Tagen ereigneten sich zwei Unfälle, bei denen Straßenbahnen beteiligt waren. So kam es am vergangenen Dienstag in den Morgenstunden in Karlsruhe-Mühlburg zu einem Zusammenstoß zwischen einer Straßenbahn und einem Auto.

Gerade einmal zwei Tage später dann die nächste Meldung: Ebenfalls im Berufsverkehr kam es am Donnerstag zwischen dem Kronenplatz und dem Durlacher Tor in der Karlsruher Oststadt zu einem weiteren Unfall mit einer Straßenbahn.

Ärger für Pendler und Gefahr für Beteiligte

Für Pendler, die mit der Bahn pünktlich von A nach B kommen wollen, sind solche Meldungen immer mit Ärger verbunden. Auch wenn es sich nur um Blechschäden handelt, sorgen Umleitungen und Staus schnell für Behinderungen - und damit auch für Verspätungen.

Neben dem Ärger der Pendler geht aber auch für die Beteiligten ein Unfall mit einer Straßenbahn nicht immer glimpflich aus. Erst im Mai wurden bei einer Kollision zwischen einer Bahn und einem Auto zwei Personen schwer verletzt. Ein junger Fußgänger wurde im März von einer Bahn angefahren und ebenfalls schwer verletzt.

"Auch kleinere Unfälle haben eine hohe Wirkung"

Den Eindruck, dass in Karlsruhe auffällig viele Unfälle mit Straßenbahnen passieren, kann Joachim Zwirner, Leiter des Sachbereichs Verkehr bei der Karlsruher Polizei, aber nicht bestätigen. Die Ursache für diese Empfindung sieht er in der größeren öffentlichen Wahrnehmung der Straßenbahnunfälle.

"Dies liegt unter anderem daran, dass auch kleinere Unfälle gleich erhebliche Auswirkungen mit sich bringen", so Zwirner. "Straßenbahnen können nicht 'rechts ran fahren' und somit die Straße frei machen. Das bringt immer Verzögerungen im Fahrplan mit sich."

Ein Blick auf die Zahlen zeigt: In den ersten 152 Tagen (Januar bis Mai) des Jahres 2016 kam es laut Aufzeichnungen der Karlsruher Polizei zu 42 Unfällen mit beteiligten Straßenbahnen. Dabei wurden 13 Menschen schwer, weitere 22 leicht verletzt.

Über das ganze Jahr gesehen kommen rund 100 Unfälle mit Bahnbeteiligung zusammen. Am häufigsten kommt es dabei zu Zusammenstößen mit Autos. In die Statistik zählen aber auch Unfälle ohne Beteiligung eines anderen Verkehrsteilnehmers, wie zuletzt am Samstag in Wolfartsweier.

Mehr Unfälle als in Stuttgart und Mannheim

Und wie häufig kommt in anderen Städten zu Unfällen mit Straßenbahnen? Während es im vergangenen Jahr in Karlsruhe zu 112 Bahnunfällen kam, waren Straßenbahnen in Stuttgart in 97 Unfälle verwickelt. In Mannheim hingegen waren es nur 62 Unfälle. Damit bewegen sich die Unfallzahlen in Mannheim und Karlsruhe auf einem ähnlichen Niveau, wobei die Fächerstadt dennoch mehr Unfälle zu verzeichnen hat als die Quadratstadt.

Dabei legen die Bahnen in Stuttgart und Mannheim deutlich weniger Strecke zurück als die Bahnen rund um Karlsruhe. Im Gebiet des Karlsruher Verkehrsverbunds (KVV) werden insgesamt rund 17,3 Millionen Kilometer mit Stadt- und Straßenbahnen zurückgelegt.

In Stuttgart hingegen legten die Straßenbahnen nur eine Strecke von rund 10,2 Millionen Kilometer zurück. Davon sind allerdings gerade einmal zehn Kilometer Gleislänge in der Straße eingebettet, der Großteil der Schienen verläuft über Tunnelstrecken. Auch Mannheim liegt was die Verkehrsleistung angeht hinter Karlsruhe: Dort legen die Bahnen rund 12,5 Millionen Kilometer pro Jahr zurück.

Michael Krauth, Sprecher der VBK und AVG, stellt in diesem Zusammenhang klar: "Durch den Mehrverkehr steigt auch die Wahrscheinlichkeit, dass es zu Unfällen kommen kann." Daher sei ein Vergleich der Karlsruher Unfallzahlen mit Mannheim und Stuttgart nur bedingt möglich. Auch, weil dort die Bahnen teilweise unabhängiger vom Straßenverkehr sind oder einfach weniger Kilometer fahren.

Keine Besserung mit dem Tunnel in Sicht?

"Die VBK legen auf das Thema Sicherheit bei der Planung, Realisierung und Instandhaltung ihrer Infrastruktur sehr großen Wert. Hierbei sind die VBK darum bemüht, ihre Anlagen so sicher wie möglich zu gestalten.", gibt Krauth auf die Frage nach den Maßnahmen zur Reduzierung der Unfallzahlen an.

Unter anderem würden beim Umbau von Haltestellen sogenannte Z-Überwege eingebaut. Hier werden Fußgänger durch Geländer ausgebremst und gezwungen, erst in die eine Richtung zu laufen und damit auch in diese Richtung zu schauen, und dann in die andere. "Auch auf eine klare Beschilderung wird in puncto Sicherheit im ganzen Stadtgebiet großen Wert gelegt", so Krauth weiter.

Ähnlich wie in Stuttgart werden in Karlsruhe nach Inbetriebnahme des Kaiserstraßentunnels ebenfalls einige Gleismeter weniger auf der Straße verlaufen. Könnte das die Unfallzahlen senken? Holger Heidt, Sprecher des Regionalverbands Mittlerer Oberrhein von "Pro Bahn", hat daran Zweifel.

"Die Geschwindigkeit der Bahnen wird im Tunnelbetrieb deutlich höher sein", so Heidt. Gefahr bestünde dann vor allem für Personen, die sich zu nah an der Bahnsteigkante aufhalten. Grundsätzlich rät Heidt zur Unfallvermeidung mehr Stellen mit einen "Läuten-Schild" für die Bahnfahrer zu markieren. "Am Albtalbahnhof, am Ende des Bahnsteigs kurz vor der Unterführung, funktioniert das sehr gut", so Heidt. Wie sich die Unfallzahlen dann nach der Inbetriebnahme des Stadttunnels entwickeln, bleibt abzuwarten.

Der Artikel wurde nachträglich bearbeitet.

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Straßenbahnunfälle in Karlsruhe: Unfälle, Umleitungen, Verspätungen - aktuelle Nachrichten zur Verkehrslage im AVG-, VBK- und KVV-Netz in Karlsruhe.
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  •   udoh
    (1915 Beiträge)

    21.06.2016 10:15 Uhr
    Sehe ich das richtig? KEIN EINZIGER Unfall im VIELLEICHT mal schienenfreien Bereich
    Das zeigt doch, dass schlicht die Dichte der Bahnen zu hoch ist.

    Einfach alles, das nicht in die Stadt will/muss raus halten!
    Das fängt beim Leerverkehr in/aus Depot an, geht Freudenstadt, Heilbronn und Germersheim weiter!

    Bahnen kann man für Kurzstrecken oder DB-Gleise optimieren oder einfach so groß, schwer und teuer bauen, dass beides irgendwie geht!
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  •   malerdoerfler
    (6056 Beiträge)

    20.06.2016 18:34 Uhr
    Und wieder ein Thema zum KVV
    Also irgendwie nutzen die sich ab.
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  •   dipfele
    (5863 Beiträge)

    20.06.2016 15:32 Uhr
    die Vergleichszahlen....
    hinken!!! Es geht in Karlsruhe um Straba- Unfälle im Stadtgebiet und nicht im KVV- Unland. Eine Vergleichszahl wären die Wagen- Kilometer jeweils auf einem fest umrissenen Netz. So fährt die AVG nach Herrenalb/Ittersbach und Linkenheim ausserhalb der Gemarkung Karlsruhe auf eigenem oder -im geringen Maß auf besonderem- Bahnkörper. Dort dürften so gut wie keine Unfälle passieren. Es werden aber viele Kilometer gemacht. Das verfälscht die Statistik.
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  •   dipfele
    (5863 Beiträge)

    20.06.2016 15:11 Uhr
    der Kaiserstraßentunnel...
    dient der Entflechtung von Fuß-und Strabaverkehr. Damit wird eine Flanier- und Shoppingmeile für eine Milliarde geschaffen. Die unzureichenden Verkehrsverhältnisse mit Unfällen ausserhalb der Kaiserstraße bleiben. der Tunnel trägt weder zu einer Stabilisierung des Fahrplanes oder flüssigem Autoverkehres bei. In Gegenteil. Umleitungsfahrten sind nicht möglich, es staut sich im Tunnel und auf der Straße.
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  •   Peacemaker
    (423 Beiträge)

    20.06.2016 11:41 Uhr
    Gegen diese Linksabbiegerunfälle
    wir neulich in der Rheinstraße oder wie öfters auch in der Karlstraße helfen aus- und einfahrbare Barrieren.

    Alternativ dazu wäre auch eine rote Ampel für alle Fahrtrichtungen möglich, sobald die Straßenbahn in die Kreuzung einfährt. Das dürfte allerdings auf wenig Anklang bei den anderen Verkehrsteilnehmern stoßen.

    Da gerade diese Unfälle vermehrt auftreten wäre es schon angebracht, solche Gefahrenstellen systematisch zu entschärfen.
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  •  hat kein leider Bild
    unbekannt
    (1558 Beiträge)

    20.06.2016 12:04 Uhr
    Also in Grenoble...
    hat man an Stellen, die Straßenbahnen vorbehalten sind, Gruben im Gleisbett angelegt, ca. 40 cm tief, in denen Pkw-Chaoten, die trotz klarer Beschilderung dort einen Regelverstoß begehen, dann hängen bleiben. Das spricht sich herum, glaube ich. Wäre dieser edukative Ansatz auch etwas für Karlsruhe? Beim Linksabbiegeverbot wäre die Entsprecung eine automatisch gesteuerte Barrierre, ist aber teuer. Sollte aus Strafmandaten der Falschabbieger finanziert werden. Ampel für alle auf ROT würde hingegen bedeuten, das das gesamte Verkehrsgeschehen der Kreuzung den Falschabbiegern untergeordnet wird, die -wenn gerade keine Starßenbahn kommt- dann munter weiter falsch abbiegen. Da ist jeder andere Weg, Falschabbiegen zu verhindern, vorzuziehen. Mein Vorschlag: Kontrollen, Strafen, Verkehrserziehung
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  •   marycarefree
    (492 Beiträge)

    20.06.2016 15:00 Uhr
    Wäre grundlegend nicht schlecht...
    Wenn aber so ein Blindfisch im Gleisbett hängt und nimmer rauskommt, ist ein Abschleppunternehmen vonnöten. Den Rückstau möchte ich dann mal sehen

    Hier ist ein solcher Kandidat
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  •   MacGeifer
    (1840 Beiträge)

    20.06.2016 16:31 Uhr
    Aber
    der Scheibenwischer funktioniert tadellos! grinsen
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  •   marycarefree
    (492 Beiträge)

    20.06.2016 17:46 Uhr
    "Eh, is der do besoff??"
    Mit etwas Phantasie kann man einen älteren Mann mit Schiebermütze erkennen und auf dem Beifahrersitz eine Frau mit Hornbrille...

    grinsen
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  •   MacGeifer
    (1840 Beiträge)

    20.06.2016 12:56 Uhr
    Das geht aber nur
    wenn dort wirklich nur Bahnen fahren.
    In der Amalienstrasse und der Rheinstrasse ist es so, dass die Kreuzungen durch Autos befahren werden, nur eben nur in eine Richtung. Sonst hätte man das neue Rasengleis in der Rheinstrasse nicht unterbrechen müssen. Es wäre allerdings möglich aus der Nuitsstrasse kommend nur noch Rechtsabbiegen zuzulassen um dann vorne am Entenfang regulär stadteinwärts zu wenden. Dann könnte man da dichtmachen.
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