6  

Berlin Kostenlose Corona-Tests für alle Urlauber: Bis zu drei Tage nach der Einreise kann sich jeder testen lassen

Alle Reisenden, die aus dem Ausland zurückkehren, können sich seit Samstag an Flughäfen auch ohne Corona-Symptome kostenlos testen lassen. Bis zu drei Tage nach der Ankunft sind die Tests möglich - die Kosten übernimmt die Krankenkasse. Die Maßnahme ist eine Reaktion auf die steigenden Infektionszahlen.

Seit Samstag können sich alle Einreisenden innerhalb von 72 Stunden nach der Ankunft in Deutschland auch ohne Krankheitsanzeichen kostenlos testen lassen. Das legt eine Verordnung von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) fest. Dies soll zum Beispiel in Teststellen an Flughäfen, in Gesundheitsämtern und Arztpraxen möglich sein. Die Kosten trägt letztlich der Staat.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat angekündigt, eine Testpflicht auf das Coronavirus für Einreisende aus Risikogebieten anzuordnen.
Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat angekündigt, eine Testpflicht auf das Coronavirus für Einreisende aus Risikogebieten anzuordnen. | Bild: Henning Kaiser/dpa

Spahn rief dazu auf, die neuen Testmöglichkeiten zu nutzen. "Wer von einer Reise zurückkommt, sollte sich testen lassen - freiwillig und kostenlos." Die steigenden Infektionszahlen in Deutschland seien ein deutliches Warnsignal. "Das Virus macht keine Ferien." Die Tests sollen ein weiteres Instrument sein, um zu vermeiden, dass sich viele Infizierte unbemerkt über Deutschland verteilen.

1. Wann, wo und wie die Tests durchgeführt werden

Kostenfreie Tests können innerhalb von 72 Stunden nach der Einreise gemacht werden - die Zeitspanne entspricht drei Tagen. Möglich sein sollen sie etwa an Flughäfen, Bahnhöfen und anderen Reiseknotenpunkten, in Gesundheitsämtern oder Arztpraxen. Teststellen soll man zudem unter der ärztlichen Servicenummer 116 117 erfragen können.

Übernommen werden auch die Kosten für einen Wiederholungstest pro Person. Dass man ein Reiserückkehrer ist, kann man zum Beispiel durch einen Boarding-Pass, ein Ticket, eine Hotelrechnung oder andere Nachweise eines Auslandsaufenthalts belegen. Je nach Auslastung der Testzentren sollte das Ergebnis nach etwa 24 bis 48 Stunden vorliegen, erläuterte das Gesundheitsministerium.

2. Kosten - die Krankenversicherung zahlt

Bezahlt werden die Tests zunächst von den gesetzlichen Krankenversicherungen - das Gesundheitsministerium hat aber bereits signalisiert, dass der Bund die Finanzierung am Ende über einen schon beschlossenen höheren Milliardenzuschuss an die Kassen übernimmt. Pro Test setzt die Verordnung vorerst 50,50 Euro für Laborleistungen an, für Ärzte ist eine pauschale Vergütung von 15 Euro vorgesehen. An der Finanzierung der Tests auf Steuerzahlerkosten gibt es Kritik. Spahn argumentiert dagegen, dass niemand aus finanziellen Gründen darauf verzichten sollte. Unentdeckte Infektionen könnten teurer werden.

Seit Samstag können sich Reiserückkehrer kostenlos auf das Coronavirus testen lassen.
Seit Samstag können sich Reiserückkehrer kostenlos auf das Coronavirus testen lassen. | Bild: Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/dpa

Der Deutsche Hausärzteverband warnte vor erheblichem Aufwand bei der Umsetzung, wenn nun viele Reiserückkehrer mit einer 72-Stunden-Frist für Tests in die Praxen kommen. Im günstigsten Falle kriege ein Arzt Patienten noch irgendwo unter, sagte der Vorsitzende Ulrich Weigeldt. "Dann heißt es Schutzausrüstung anziehen, Abstrich nehmen und Aufklärungsgespräch über Hygienemaßnahmen, Validität der Tests und deren Konsequenz führen." Da wirkten die 15 Euro, die Hausärzte für einen Abstrich bekommen sollen, "wie ein schlechter Scherz".

3. Test-Pflicht für Urlauber aus Risikogebieten

Strengere Regeln gelten schon für jene Reiserückkehrer, die in Risikogebieten mit hohen Infektionszahlen waren. Welche Länder das sind, steht auf einer Liste des Robert-Koch-Instituts (RKI), auf die am Freitag auch die drei spanischen Regionen Aragón, Katalonien und Navarra kamen. Aus der EU steht zudem Luxemburg darauf. Wer aus solchen Risikogebieten kommt, muss sich schon direkt für 14 Tage in häusliche Quarantäne begeben und beim Gesundheitsamt melden. Möglich ist auch, ein negatives Testergebnis vorzulegen, das höchstens 48 Stunden alt ist.

Bald soll für Rückkehrer aus Risikogebieten auch eine Testpflicht greifen - eine von Spahn angekündigte Anordnung soll im Lauf der kommenden Woche in Kraft treten. Dann soll gelten: Wer aus einem Risikogebiet kommt, muss sich entweder innerhalb von 48 Stunden vor der Einreise testen lassen oder binnen 72 Stunden nach der Einreise. Bis ein negatives Ergebnis da ist, muss man in Deutschland in häusliche Quarantäne. Nachgewiesen werden muss das Ergebnis binnen 72 Stunden beim Gesundheitsamt mit einer Testbescheinigung in deutscher oder englischer Sprache.

4. Stimmen aus der Politik

SPD-Chefin Saskia Esken forderte angesichts steigender Infektionszahlen eine deutliche Ausweitung der Corona-Tests in Deutschland. Nötig sei eine Strategie, die es erlaube, durch flächendeckende und zugleich gezielte Tests Infektionen frühzeitig zu identifizieren und damit weitere Ansteckungsrisiken zu verringern, sagte Esken der Düsseldorfer "Rheinischen Post" (Samstag). "Da ist jetzt Verantwortung in Bund, Land und Kommune gefragt und gefordert."

Wird als SPD-Kanzlerkandidat gehandelt: Fraktionschef Rolf Mützenich.
Wird als SPD-Kanzlerkandidat gehandelt: Fraktionschef Rolf Mützenich. | Bild: Kay Nietfeld/dpa

Der Vorsitzende der SPD-Fraktion im Deutschen Bundestag, Rolf Mützenich, nannte es "richtig, jetzt verpflichtende Tests für Rückkehrer aus solchen Gebieten einzuführen". Zu Kritik, die Entscheidung Spahns komme zu spät, sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND/Samstag): "Es wäre wünschenswert gewesen, schon deutlich vor Beginn der Sommerferien darüber nachzudenken, wie wir mit den Urlaubsrückkehrern umgehen sollen." Mützenich kritisierte zugleich Urlauber, die Ferien in Corona-Risikogebieten verbringen. "Dass Menschen auf die Idee kommen, Gebiete mit einem hohen Infektionsrisiko als Erholungsorte zu nutzen, kann ich nicht nachvollziehen." Lediglich Trauerfälle oder Notfälle in der Familie könnten Gründe für eine solche Reise sein.

Mehr zum Thema
Corona-Virus in Karlsruhe: Der Corona-Virus breitet sich aus: Alle Zahlen der Infizierten, Schutzmaßnahmen, Absagen von Veranstaltungen und weitere Informationen für Karlsruhe und die Region in diesem Dossier.
Haben Sie einen Fehler entdeckt?
Links
Rechts
Das könnte Sie auch interessieren
Das wird gerade bei ka-news heiß diskutiert
Die besten Themen
Kommentare (6)
Hinweis: Kommentare geben nicht die Meinung von ka-news wieder.
Der Kommentarbereich wird 7 Tage nach Publikationsdatum geschlossen.
Bitte beachten Sie die Kommentarregeln und unsere Netiquette!
  •   Rundbau-Gespenst
    (11995 Beiträge)

    03.08.2020 14:29 Uhr
    "die Kosten übernimmt die Krankenkasse"
    falsch:

    das tragen alle Krankenversicherten gemeinsam, also auch diejenigen, die keine Kohle haben, um mal eben nach Malle, Gran Canaria oder Antalya zu jetten.

    Wer in den Urlaub fliegen kann, der kann auch seinen Corona-Test selbst bezahlen!
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   timo
    (3184 Beiträge)

    04.08.2020 06:41 Uhr
    Solange der Test freiwillig ist,
    muss der auch kostenfrei sein. Sonst wird es nichts. Und Zwang wird sich nur durchsetzen lassen wenn die Urlauber wissen worauf sie sich einlassen. Da gibt es weniger eindeutige Orte als Malle.

    Und Risikogebiete ändern sich. Entweder Urlaub komplett "verbieten" oder als Gemeinschaft haften.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Dalli_Klick
    (499 Beiträge)

    04.08.2020 08:44 Uhr
    Urlaub verbieten?
    Wie kann man über so was überhaupt nur nachdenken? Da hat wohl die DDR-Propaganda schon voll gewirkt.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Route66
    (2645 Beiträge)

    04.08.2020 14:22 Uhr
    Gähnnnn
    DDR DDR und das war alles? Immer und immer wieder? Gähnweiter...
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   timo
    (3184 Beiträge)

    04.08.2020 19:12 Uhr
    Der versteht ja nicht mal was
    Anführungszeichen sind, wie soll er da mit dem Begriff DDR vernünftig umgehen.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   silberahorn
    (10480 Beiträge)

    04.08.2020 08:01 Uhr
    Prävention gegen
    später noch höher anfallende Kosten bei Verbreitung des Virus. So könnte man es auch verstehen.
    Dann ist es sogar so, dass der "Zurückgebliebene" , wenn er jetzt meint ihm persönlich wird zuviel an Kosten zugemutet, sogar davor bewahrt wird, dass wegen steigender Behandlungskosten der Beitragssatz später erhöht wird.

    Selbstverständlich wäre vernünftiges Reiseverhalten zu wünschen. Aber auch damit sieht es bei merkbar steigender Agressivität wegen der Einschränkungen so aus, dass ich persönlich froh bin, wenn einige Leute Meerluft schnuppern. In eine kleine Touristenbüchse, die dahin fliegt, würde ich mich jedenfalls nicht freiwillig setzen. Zumal es in Deutschland genug wirklich schöne Erholungsmöglichkeiten gibt.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
Dieser Artikel kann nicht mehr kommentiert werden.