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Karlsruhe Reservisten in Karlsruhe: Wer sind sie und was ist eigentlich ihre Aufgabe? "Ohne uns würde vieles nicht so glatt laufen"

Vielleicht hat man sie schon gesehen, ohne es zu merken – zum Beispiel auf der Straße bei Sammlungen für den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge, am Volkstrauertag oder an Allerheiligen auf dem Friedhof – die Reservisten der Bundeswehr. Sie tragen Uniform, sind aber keine aktiven Soldaten. Sie stehen für Heimat, Sicherheit und Verantwortung und engagieren sich in sozialen und militärischen Belangen an vielen Tagen im Jahr. ka-news.de spricht mit drei Reservisten von der Reservistenkameradschaft (RK) Karlsruhe, der größten RK in Baden-Württemberg und eine der größten und ältesten bundesweit.

In den letzten Jahrzehnten hat sich die weltpolitische Lage geändert. Dazu wurde 2011 die Wehrpflicht ausgesetzt. So schrumpfte seit Beginn der 80-er Jahre die Zahl der aktiven Soldaten von zirka 500.000 stetig. Heute sind es weniger als 190.000 aktive Soldaten bei der Bundeswehr und somit entsprechend weniger Reservisten.

"Ohne die Reservisten würde vieles gar nicht so glatt laufen"

"Eine schrumpfende Armee muss immer mehr leisten", sagt Marcel Meier, Oberleutnant und Vorsitzender der RK Karlsruhe. So leisteten viele Reservisten während der vergangenen Auslandseinsätze auch hier ihren Dienst. Und wenn die Bundeswehr im Einsatz ist, sind es oft Reservisten, die Material warten und bereitstellen. "Ohne die Reservisten würde vieles gar nicht so glatt laufen“, ergänzt Leutnant Jochen Eckhardt, erster Stellvertretender Vorsitzender der RK. Ein Einsatz von beispielsweise 5.000 deutschen Soldaten in Afghanistan bedeutete ein Mehrfaches an Soldaten in Deutschland, die dafür sorgen, dass am Einsatzort alles zur Verfügung gestellt wird und reibungslos läuft.

Bild: Katherine Quinlan-Flatter

Wer ist denn eigentlich Reservist? Das ist zunächst einmal jeder, der mindestens einen Tag in der Bundeswehr gedient hat und seinen Dienstgrad nicht verloren hat. Nach dem Ausscheiden aus dem aktiven Dienst, erhält jeder Soldat automatisch den Status “Reservist“. Ein Reservist kann nicht gezwungen werden, Dienst zu leisten, könnte aber im Krisenfall herangezogen werden.

"Die ganze Sache bei den Reservisten ist freiwillig", erklärt Eckhardt. Tätigkeiten im Reservistenverband und die Vereinsarbeit verlaufen auf ehrenamtlicher Basis. Dienste bei der Bundeswehr werden nach dem Unterhaltssicherungsgesetz (USG) vergütet. Stabsunteroffizier Markus Luithle ist Kassenwart bei der RK Karlsruhe und beorderter Reservist. Als solcher ist er einem aktiven Soldaten gleichgestellt. Bei unbeorderten Reservisten ist der Einsatz auf freiwilliger Basis.

Reservisten erfüllen viele verschiedene Aufgaben

"Die Bundeswehr hält auch die unbeorderten Reservisten in Übung, damit sie ihre Grundfähigkeiten behalten und ggf. schneller wieder eingesetzt werden können“, erklärt Luithle. Mit der neuen Grundbeorderung schafft die Bundeswehr die Voraussetzungen dafür, dass die Anzahl der Soldaten im Krisenfall möglichst schnell aufgestockt werden kann. Reservisten haben oft entscheidende zivile Kenntnisse und Fähigkeiten, die auch der Bundeswehr von Nutzen sind.

Bild: Reservistenkameradschaft Karlsruhe

Soldaten seien Staatsbürger in Uniform, wie Marcel Meier erklärt. "Wir als Reservisten sind Mittler zwischen Bundeswehr und der Gesellschaft", sagt er. "Bei Verbandsveranstaltungen treten wir regelmäßig in Uniform auf und repräsentieren dabei die Bundeswehr." Die Reservisten erfüllen einen gesellschaftlichen Auftrag.

So engagieren sie sich weitergehend sozial und führen zahlreiche Tätigkeiten aus, wie die Reinigung von öffentlichen Flächen oder unterstützen zum Beispiel das Forstamt bei Arbeiten im Wald. "Es ist wichtig, dass wir uns in der Öffentlichkeit zeigen, beispielsweise an Straßenfesten", sagt Marcel Meier. Die Reservisten werden auch als Helfer in Katastrophenlagen eingesetzt. Sie setzen sich für das Allgemeinwohl ein und sammeln Spenden für Bedürftige, wie die Ahrtal-Flutopferhilfe.

115.000 Mitglieder

Erst neulich hat die RK Karlsruhe auch die Patenschaft und Kosten für fünf neue Stolpersteine in Karlsruhe übernommen. "Eigentlich fühlen wir uns mit Organisationen, wie beispielsweise Feuerwehr, THW und Polizei verbunden", sagt Luithle. "Zudem ist unsere Aufgabe auch, die Grundpfeiler der freiheitlich demokratischen Grundordnung zu verteidigen."

Bild: Reservistenkameradschaft Karlsruhe

Heute sind 115.000 Mitglieder im Reservistenverband organisiert. Der Verband bekommt zum einen Geld von der Bundeswehr für die Organisation des Verbandes. Zudem wird ein Mitgliedsbeitrag von jährlich 30 Euro erhoben – hiervon werden Versicherung, Marketingaktivitäten, oder ähnliches. bezahlt. In jedem Bundesland gibt es eine Landesgruppe, darunter sind die Kreisgruppen organisiert und als unterste Gliederung die Reservistenkameradschaften.

Es wird auch weiter geübt

Bundesweit existieren zirka 2.000 RKen. Um die militärischen Kenntnisse und Fähigkeiten aufrecht zu erhalten, treffen sich die Mitglieder der RK Karlsruhe einmal im Monat in der Kirchfeld-Kaserne. Hier finden dann allgemeine militärische Ausbildungen statt, wie Fernmelde- und Sanitätsausbildung, Orientierungsübungen oder Ausbildungen zum Überwinden von Hindernissen.

Bild: Reservistenkameradschaft Karlsruhe

"Alles, was ohne Kriegswaffen machbar ist“, erklärt Eckhardt. "Die Ausbildung an und mit Kriegswaffen obliegt allein der Bundeswehr." Es finden auch regelmäßig Vorträge über sicherheitspolitische Themen statt und es werden Veranstaltungen zur politischen Bildung durchgeführt, zum Beispiel über das deutsche Grundgesetz.

"Soldaten verteidigen auch die Rechte der Gegner der Bundeswehr", sagt Markus Luithle. Die Reservisten prüfen regelmäßig ihre körperliche Leistungsfähigkeit ab. Hier in Form von Fitnesstests, Leistungsmärschen und Kleiderschwimmen. Hierbei wird die Infrastruktur von der Bundeswehr gestellt. Reservisten sind ein unverzichtbarer Teil der Gesellschaft und Unterstützer der Streitkräfte. Ihre zivilen Qualifikationen ergänzen auch die Fähigkeiten der Bundeswehr. "Wir sind gerne Reservisten", sagt Eckhardt. "Wir identifizieren uns damit."

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