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Karlsruhe Mysteriöse Mordserie in Karlsruhe: Die unheimliche Geschichte hinter der "Guldeneiche"

Zwischen 1826 und 1829 wird die Beiertheimer Allee Ort einer Mordserie. Mindestens zwei Karlsruher müssen hier ihr Leben lassen. Der oder die Täter werden nie gefunden. Auch eine mysteriöse Inschrift in einer 900 Jahre alten Eiche lässt die Polizei rätseln. Bei den Bürgern wird die Allee aufgrund der Morde zum roten Tuch. Ein Rückblick auf einen mysteriösen Abschnitt der Karlsruher Stadtgeschichte.

Vor langer Zeit stand im Beiertheimer Wäldchen, auf dem heutigen Zoogelände, eine gewaltige Eiche, über 900 Jahre alt, die die Einheimischen “Guldeneiche“ genannt hatten. In die Baumrinde waren mysteriöse Buchstaben, Zahlen und Symbole eingeschnitten: “G + Symbol eines Beils + 1826.“ Die Bedeutung der geheimnisvollen Botschaft wird aus dem Zeitungsbericht des "Großherzoglich Badisches Anzeige-Blatts" vom 19. Juli 1826 etwas klarer.

Gulde ist wohlhabend

Laut der Zeitung wird am 10. Juli 1826 zwischen 14 und 15 Uhr der 20-jährige Schustergeselle Karl Gulde aus Beiertheim im Beiertheimer Wäldchen in der Nähe der Eiche tödlich geschlagen und sowohl seiner teuren Kleidung als auch seines Geldes – etwa 24 Kreuzer – beraubt. Der brutale Mord wird nie aufgeklärt. Gulde kommt offensichtlich aus einer wohlhabenden Familie und ist sehr elegant angezogen.

Ungefähr so soll die Inschrift in der Eiche ausgesehen haben.
Ungefähr so soll die Inschrift in der Eiche ausgesehen haben. | Bild: Eigene Darstellung: Kathrin Quinlan-Flatter

Mit seinen neuen Halbstiefeln aus Kalbsleder, “an welchen sich höhe, mit Eisen beschlagenen Absätze befinden, und deren Sohlen an dem Rande mit Pariser-Stiften versehen sind“, einer schwarzseidenen Halsbinde, einem “einfachen Pfeifenkopf aus Porzellan“ und seiner “Beinkleidern, welche von grau mit schwarzgestreiften Sommerzeug und beinahe noch ganz neu“ geht er auf der Beiertheimer Promenade spazieren.

Die ehemalige Beiertheimer Promenade befindet sich heute auf dem Zoogelände. Damals jedoch endet die junge Stadt Karlsruhe am Ettlinger Tor – die Felder, Wiesen und Waldstücke, die vor der Stadt liegen gehören der Gemeinde Beiertheim.

Ungefähr hier in der Beiertheimer Allee soll die alte Eiche gestanden haben.
Ungefähr hier in der Beiertheimer Allee soll die alte Eiche gestanden haben. | Bild: Melissa Betsch

Aber die Gegend wird für die Stadtbewohner immer attraktiver – vor allem zwecks Ausflügen und Spaziergängen. Bald entstehen südlich der Stadt Lokale und die Landschaft wird mit bequemen Bänken und schönen Spazierwegen gestaltet. Das Beiertheimer Wäldchen wird 1815 angelegt und im Jahre 1823 kommt das Sallenwäldchen an der Ettlinger Chaussee (heute Ettlinger Straße) als "Promenade" dazu.

Kein Verdächtiger kann überführt werden

Genau hier geht der chic angezogener Geselle Karl Gulde drei Jahre später durch den Wald und wird mit einem Beil auf grausame Weise ermordet – und seine schönen Klamotten werden mitgenommen. Über ein Jahrhundert später, im Jahre 1937, schreibt Kriminalassistent Karl Rebstock einen Bericht über den Fall, der sich auf Nachforschungen beim Generallandesarchiv in Karlsruhe stützt. Hier ist auch die Geschichte von der Guldeneiche zu finden.

Laut seinen Ausführungen hat niemand die Tat beobachtet, jedoch sieht der Ziegelknecht Märklin, der zufällig in der Nähe des Tatorts war, einen "flüchtigen Mann mit einem Paket unter dem Arm im nahen Rüppurrer Wald verschwinden." Zu dieser Zeit ist der Wald eine Wildnis und Verbrecher können sich gut da drin verstecken. Mannschaften aus Durlach, Wolfartsweier, Rüppurr und Karlsruhe durchsuchen die Gegend sofort und nehmen vier Personen fest. Drei der vier werden gleich wieder freigelassen, da sie alle ein Alibi nachweisen können.

Die Beiertheimer Allee in Richtung Süden am alten Brauhof und Minigolfanlage. Ungefähr in diesem Bereich soll die alte Eiche gestanden haben.
Die Beiertheimer Allee in Richtung Süden am alten Brauhof und Minigolfanlage. Ungefähr in diesem Bereich soll die alte Eiche gestanden haben. | Bild: Melissa Betsch

Der vierte, der offensichtlich alibilose Bürgersohn Anton Essig aus Bulach, muss mangels an Beweisen auch relativ schnell freigelassen werden. Jetzt fällt der Verdacht für den Mord auf den berüchtigten Philipp Keim aus Rüppurr, der wegen Diebstahls der Polizei seit über einem Jahr bereits bekannt ist und neulich auch im Rüppurrer Wald gesehen wurde. Der Bericht in der Karlsruher Zeitung vom 13. Juli 1826 erzählt von einem "glaubhaften Manne" (Märklin), der einen "Burschen" beobachtet, der "an der Holdischen Ziegelhütte schnell vorüber eilte, öfters ängstlich um sich sah und in einem weißen Tuch etwas trug."

Essig bleibt im Visier der Ermittler

Laut Zeitung fahndet die Polizei auch nach den gestohlenen Kleidungsstücken. Der mysteriöse Mann wird als schwarzhaarig beschrieben, mit kleinen lebhaften dunklen Augen, gesunden Zähnen und ein breites Gesicht ohne Bart. Obwohl Philipp Keim als besonderes Kennzeichen eine Zahnlücke und einen starken Bart hat, wird er von der Polizei verhaftet und untersucht. Jedoch laufen die Ermittlungen gegen Keim auch erfolglos.

Alois Essig wird verhaftet: Großherzogliches Badisches Anzeige-Blatt vom 27.6.1829
Alois Essig wird verhaftet: Großherzogliches Badisches Anzeige-Blatt vom 27.6.1829 | Bild: Großherzogliches Badisches Anzeige-Blatt vom 27.6.1829

Der Verdacht fällt wieder auf Alois Essig, gegen den auch andere Delikte vorliegen und er wird im August 1826 wieder festgenommen. In der Zwischenzeit hat das Hochpreisliche Justizministerium eine Belohnung von 50 Gulden für die "Entdeckung und Beifangung des Täters" ausgesetzt – leider ohne jeglichen Erfolg. Auch Essigs Mutter und weitere Familienmitglieder werden in Haft genommen, müssen aber nach mehreren Monaten wieder freigelassen werden. Für die erlittene Untersuchungshaft bekommt die Familie eine Entschädigung von 204 Gulden 81 Kreuzern.

Zwei weitere Morde bleiben ungeklärt

Wie anfangs erwähnt wird der Mord an Karl Gulde nie aufgeklärt. Seltsamerweise wird ein Jahr nach diesem Vorfall in der Nähe des Tatorts wieder ein Raubmord verübt, der ebenfalls ungelöst bleibt.

Drei Jahre später, im Juni 1829, wird die Ehefrau eines Bürgers, Jacob Vögele aus Ubstadt bei Bruchsal, ebenfalls ermordet. Der Tatort ist historisch jedoch nicht mehr nachvollziehbar. Aber auch hier wird der bereits wegen des Mordes an Karl Gulde verdächtigte Alois Essig aus Bulach wieder in Untersuchungshaft genommen. Ob er für den Mord in Ubstadt verurteilt wird ist nicht bekannt.

Die Eiche im Beiertheimer Wäldchen wurde durch ihre Inschrift zum Denkmal. Durch diese Geschehnisse wurde die Beiertheimer Promenade von der Bevölkerung lange Zeit nur mit unguten Gefühlen begangen oder weitgehend gemieden. Diese ungelösten Morde wurden von der Presse immer wieder aufgenommen und heiß diskutiert. In der Baumrinde ist außerdem eine Verwachsung erschienen, die sehr seltsam und unerklärlich war.

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  •   UngueltigDannZuLang
    (398 Beiträge)

    12.09.2021 22:24 Uhr
    Fremdschaemen, nein danke,
    auch wenn ich es mich dieses Mal bei den Kommentaren schon Muehe gekostet hat.

    Ja, die Geschichte KAs besteht nicht nur aus Heldentaten, sondern auch aus teils brutalen Banalitaeten, oder Verbrechen.

    Als ich diesen Artikel gelesen habe, habe ich spontan an 'Antonella Bazzanella' gedacht.

    Ich bin fuer jeden Beitrag dankbar, der meinen Horizont erweitert.
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  •   hambi
    (544 Beiträge)

    12.09.2021 11:16 Uhr
    Nö...die Eiche...
    ...ist nach den Morden ausgewandert - der wurde es zu gefährlich an ihrem Standort ...man munkelt, nach Dreieich ...
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  •   hambi
    (544 Beiträge)

    12.09.2021 11:18 Uhr
    das war..
    für Berty 87 ... zur Info
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  •   Rundbau-Gespenst
    (12897 Beiträge)

    12.09.2021 08:01 Uhr
    @ka-news: ds passt ja wieder mal zum Wochenende
    "Gude ist wohlhabend"
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  •   Rundbau-Gespenst
    (12897 Beiträge)

    12.09.2021 08:42 Uhr
    das "a" habe ich
    absichtlich nicht geschrieben...
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  •   Berty87
    (1093 Beiträge)

    12.09.2021 07:14 Uhr
    Was
    Ist mit der alten Eiche passiert. Wurde die gefällt. Wäre echt Schade darum. Wäre heute 1100 Jahre und mit Sicherheit eine der ältesten in Karlsruhe oder Umgebung
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