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Karlsruhe Karlsruher Berühmtheiten von nebenan: Reinhold Frank - der Mann, der sein Leben für den Widerstand gab

Ob der Vater des Automobils oder ein Widerständler gegen den Nationalsozialismus - bekannte Persönlichkeiten als Ex-Nachbarn sind in Karlsruhe gar nicht mal so selten. Wer lebte wo in den zahlreichen Straßen und Gässchen der Fächerstadt? In der Samstags-Reihe "Karlsruher Berühmtheiten von nebenan" hat ka-news.de sich bekannte (Wahl-)Karlsruher und ihre Wohnstätten genauer angeschaut. Heute: Reinhold Frank - er übernahm die Führung der Widerstandsbewegung in Baden im Zuge des Stauffenberg-Attentats auf Adolf Hitler.

In der Ludwig-Marum-Straße in Karlsruhe, einer friedlichen, breiten Allee, die tief in der Weststadt von der südlichen Hildapromenade nach Mühlburg verläuft, steht ein wunderschönes Haus im Jugendstil. Doch in der Nacht zum 21. Juli 1944, als diese Straße noch Maxaustraße hieß, wird das Haus Zeuge der Verhaftung einer der wichtigsten Karlsruher NS-Widerstandskämpfer, Reinhold Frank. Wie war es so weit gekommen? 

Ein gescheitertes Attentat

Am 20. Juli 1944 deponiert Oberst Claus Schenk Graf von Stauffenberg eine Sprengladung im Führerhauptquartier Wolfsschanze in Polen mit der Absicht, Adolf Hitler durch einen Staatsstreich zu töten und die NS-Herrschaft somit zu stürzen. Die Bombe wird in einer Aktentasche hereinschmuggelt, die Stauffenberg unter dem schweren Tisch versteckt, an dem die Lagebesprechungen stattfinden. Vier der anwesenden Offiziere sterben, viele andere werden verwundet. Hitler jedoch überlebt mit leichten Verletzungen.

Der deutsche Offizier und spätere Widerstandskämpfer Claus Graf Schenk von Stauffenberg.
Der deutsche Offizier und spätere Widerstandskämpfer Claus Graf Schenk von Stauffenberg. | Bild: Archiv/dpa

Stauffenberg, der das geplante Attentat leitet, wird noch am gleichen Tag verhaftet und gegen Mitternacht mit anderen Komplizen erschossen. Hunderte Kilometer entfernt in Karlsruhe wird der Rechtsanwalt und jahrelange Widerstandskämpfer Reinhold Frank bald darauf feststellen, dass die Folgen des gescheiterten Attentats auch ihn in der badischen Metropole einholen werden. 

Frank wird Anwalt in Karlsruhe

Rückblick: Reinhold Frank wird 1896 in Bachhaupten, Landkreis Sigmaringen, in einer katholischen Familie geboren. Die Eltern sind Landwirte. Frank hat eine Zwillingsschwester und ist das jüngste von sieben Kindern. Eigentlich soll er Priester werden, aber unmittelbar nach dem Abitur 1915 meldet er sich freiwillig zum Militärdienst – Deutschland ist zu dieser Zeit mitten im Ersten Weltkrieg. Als Soldat im Krieg wird Reinhold Frank drei Mal schwer verletzt und erhält mehrere Auszeichnungen.

Reinhold Frank vor dem Volksgerichtshof
Reinhold Frank vor dem Volksgerichtshof | Bild: Stadtarchiv Karlsruhe Bio-0531_8_PBS_oIII_1691

Nach dem Krieg studiert er Rechtswissenschaften in Freiburg und tritt 1923 in die Anwaltskanzlei von Franz Xaver Honold in der Hoffstraße in Karlsruhe ein. Frank genießt ein sehr gutes Verhältnis zu Honold – er wird Pate von Honolds Sohn Robert und übernimmt die Leitung der Kanzlei während Honolds Tätigkeit als badischer Gesandter in Berlin zwischen 1926 und 1931. Im Jahr 1932 heiratet Frank Annemarie Werner, mit der er vier Kinder bekommt.

Der Widerstand beginnt

Zunächst ist der Anwalt unpolitisch, doch 1933 erfolgt sein erster politischer Einsatz – er wird Vertreter der Zentrumspartei im Karlsruher Bürgerausschuß. Dieses Amt verliert er jedoch 1934 durch die Aufhebungen der örtlichen Bürgervertretungen im Rahmen der Durchführung des "Führerprinzips". In der Kanzlei von Honold bildet sich langsam ein Gesprächskreis von NS-Gegnern. Im Januar 1939 stirbt Honold.

Wahlen im Bürgerausschuss
Wahlen im Bürgerausschuss | Bild: Badischer Beobachter 17.5.1933

Frank bleibt Rechtsanwalt am Oberlandesgericht in Karlsruhe und erscheint immer öfter vor dem Volksgerichtshof in Berlin – ein Sondergericht zur Aburteilung von Landesverrat gegen den NS-Staat – wo er angeklagte NS-Gegner verteidigt. Er lernt Eugen Bolz kennen, den ehemaligen Staatspräsident des Volksstaats Württemberg, der 1933 sein Amt an den nationalsozialistischen Wilhelm Murr verliert. Die NS-Regierung sieht Bolz als Gegner an und er wird mehrere Wochen im Gefängnis inhaftiert.

Todesanzeige von Franz Xaver Honold, veröffentlicht von Reinhold Frank.
Todesanzeige von Franz Xaver Honold, veröffentlicht von Reinhold Frank. | Bild: Badische Presse 31.1.1939

Frank führt die Widerstandsbewegung in Baden an

Als Eugen Bolz vom Staat gesucht wird, versteckt Frank den früheren Staatspräsidenten sogar eine Woche lang in seiner Wohnung. Gegen Ende 1941 kommt Bolz in Verbindung mit dem Widerstandskreis, der vom Leipziger Oberbürgermeister Carl Friedrich Goerdeler mitgeführt wird. Dieser Kreis plant einen Umsturz der NS-Regierung, und führt eine Liste von möglichen Regierungsministern im Falle eines erfolgreichen Staatsstreichs.

Bolz hat sich schon bereit erklärt, in einem solchen Fall ein Ministeramt zu übernehmen. Anfang 1943 knüpft Eugen Bolz die ersten Kontakte zwischen Goerdeler und Reinhold Frank, und die beiden treffen sich in Berlin. 1943/44 gelingt es Goerdeler, Frank als "Unterbeauftragten für Baden" zu gewinnen - somit übernimmt der Karlsruher Anwalt die Führung der Widerstandsbewegung in Baden.

Als eine Liste zum Verhängnis wird

Doch das soll ihm am 20. Juli 1944 zum Verhängnis werden: In Berlin wird nach dem gescheiterten Attentat auf Hitler eine Liste mit den Namen der Verschwörer gefunden - hier wird Frank als "Unterbeauftragter für Baden" aufgeführt. Noch in der gleichen Nacht, in der Stauffenberg nach dem Anschlagsversuch erschossen wird, erscheint in der Maxaustraße 13 (die heutige Ludwig-Marum-Straße) in Karlsruhe die Gestapo.

Reinhold Franks Wohnhaus, heute die Ludwig-Marum-Straße 13.
Reinhold Franks Wohnhaus, heute die Ludwig-Marum-Straße 13. | Bild: Katherine Quinlan-Flatter

Frank wird verhaftet und zunächst nach Stuttgart ins Gefängnis gebracht. Später wird er nach Berlin-Tegel überführt. Nach monatelangem Verhör wird Reinhold Frank am 12. Januar 1945 vor dem Volksgerichtshof wegen Hochverrat zum Tode verurteilt. Elf Tage später wird er zusammen mit Eugen Bolz und acht anderen Widerstandskämpfern in Berlin-Plötzensee mit dem Strang hingerichtet.

Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer beim Gedenken an die Ermordeten des Widerstands gegen die nationalsozialistische Gewaltherrschaft in der Gedenkstätte Plötzensee am Jahrestag des Attentats auf Adolf Hitler.
Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer beim Gedenken an die Ermordeten des Widerstands gegen die nationalsozialistische Gewaltherrschaft in der Gedenkstätte Plötzensee am Jahrestag des Attentats auf Adolf Hitler. | Bild: Michael Kappeler/dpa

Dramatisch: Erst am 19. Februar wird seine Witwe über seinen Tod informiert, mit dem Hinweis, dass die Veröffentlichung einer Todesanzeige unzulässig sei. Franks Leichnam wird verbrannt und die Asche verstreut, ein Grab gibt es nicht.

Reinhold Franks Wohnhaus in Karlsruhe.
Reinhold Franks Wohnhaus in Karlsruhe. | Bild: Katherine Quinlan-Flatter

Karlsruhe ehrt Frank mit einer eigenen Straße

Nach dem gescheiterten Attentat werden insgesamt mehr als 200 Menschen hingerichtet. Obwohl Frank weder unmittelbar mit dem Attentat verwickelt war noch von dem genauen Datum eines Staatsstreichs informiert ist, reicht es, dass er sich Goerdeler gegenüber bereit erklärt hat, ein politisches Amt für Baden in einem Nicht-NS-Staat zu übernehmen - die Liste, in der er als "Unterbeauftragter für Baden" aufgeführt ist, wird ihm schließlich zum tödlichen Verhängnis.

Gedenkstein für den ermordeten Widerstandskämpfer auf dem Hauptfriedhof Karlsruhe.
Gedenkstein für den ermordeten Widerstandskämpfer auf dem Hauptfriedhof Karlsruhe. | Bild: Andreas Schwarzkopf

1946 ehrt die Stadt Karlsruhe den Widerstandskämpfer mit der Umbenennung der Westendstraße in die Reinhold-Frank-Straße. Fünfzig Jahre später wird zudem ein Gedenkstein auf dem Hauptfriedhof Karlsruhe errichtet und seit dem Jahre 2000 findet jährlich eine Reinhold-Frank-Gedächtnisvorlesung statt.

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  •   likeka
    (652 Beiträge)

    06.02.2021 13:28 Uhr
    Ausgezeichnete Idee
    Liebe Frau Quinlan-Flatter, liebes ka-news,
    diese Reihe ist eine großartige Idee!

    Der Text über Rheinhold Frank war sehr informativ, handelt er doch auch von einer Person, die es definitv verdient hat, betrachtet zu werden.

    Ich bin gespannt auf die weiteren Veröffentlichungen in dieser Reihe, wegen mir gerne auch mit noch ausführlicherem Text.
    Meinem Vorredener anschließend, würde ich auch Ludwig Marum für einen der nächsten Texte verschlagen wollen.
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  •   Waterman
    (6774 Beiträge)

    06.02.2021 10:59 Uhr
    Sehr gute Reihe
    Die Vita von Reinhold Frank verdient es allemal, in einem Artikel gewürdigt zu werden.

    Noch eine Bemerkung:
    Da hier die Ludwig-Marum-Straße mehrfach erwähnt wird, sei noch kurz darauf hingewiesen, dass auch er ein Opfer der Nazis wurde, sogar wohl als einer der ersten in Karlsruhe. Als badischer Reichstagsabgeordneter verhaftet 1933, wurde er während seiner so genannten "Schutzhaft" ermordet.
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  •   silberahorn
    (11048 Beiträge)

    06.02.2021 12:31 Uhr
    Gelesen
    habe ich auch im Buch von Britta Wirtz (Co-Autor Bernhard Wagner) über Käthe Kaufmann, dass deren Gatte Ludwig Kaufmann, ein badischer Jude mit Malscher Wurzeln, in Auschwitz ermordet wurde.

    Es gibt einige Karlsruher Geschichten mit Bezug zu Ermordungen in Konzentrationslagern und es gibt auch einige bis heute nachwirkende Dramen.
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  •   IchKA
    (1206 Beiträge)

    06.02.2021 08:05 Uhr
    Immer wieder
    höchst informativ und ein Genuss zum Lesen sind die Artikel von Katherine Quinlan-Flatter. Gerne mehr
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  •   Reger
    (754 Beiträge)

    06.02.2021 11:35 Uhr
    Stimmt.
    Durch Sie bin ich auf die Autorin dieser Reihe aufmerksam geworden.
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