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Karlsruhe "Eines meiner risikoreichsten Bauprojekte": Ein Blick auf die lange Historie des Karlsruher Albtalbahnhofes

Der Albtalbahnhof in Karlsruhe stellt den Anfang und gleichzeitig das Ende einer Fahrt ins und vom Albtal dar. Im Laufe seiner langen Historie durchlief er einige Änderungen. Vom einstigen Kopf- zum Umstiegsbahnhof. Heute ist er eine wichtige Verbindung ins Albtal und sorgte einst dafür, dass sich VBK und AVG zusammenschlossen. ka-news.de blickt auf die lange Geschichte zurück.

Bis in die 1950er Jahre war der Bahnhof ein sogenannter Kopfbau: Ein Bahnhof, in dem die Gleise enden und somit die Züge nur an einer Seite hinein- und hinausfahren können. Der Bahnhof war zu dieser Zeit noch nicht Teil des Karlsruher Netzes, sondern wurde von der AVG (Albtal-Verkehrs-Gesellschaft) errichtet und betrieben, um ins Albtal, Richtung Bad Herrenalb zu fahren.

20.000 bis 30.000 Menschen steigen in den 50ern hier um

Ende der 1950er Jahre wurde der Bahnhof zu einem Umsteigebahnhof umgebaut. Hier sind jeden Tag zwischen 20.000 und 30.000 Leute umgestiegen – es gab aber keine passenden Einrichtungen am Bahnhof. In der Anlage war lediglich ein Kiosk, eine Wartehalle und Toiletten vorhanden, aber kein richtiger Wetterschutz.

Bild: Katherine Quinlan-Flatter

In den 1980er Jahren entschieden die Verkehrsbetriebe Karlsruhe, sich mit der AVG zusammen zu schließen und einen geeigneten Wetterschutz für den Bahnhof zu bauen. Dem Fahrgast sollte das Warten am Bahnhof angenehm gemacht werden. Außer dem Schutz gegen Regen sollte auch ein angemessener Windschutz angeboten werden. So wurde im Jahr 1986 ein Realisierungswettbewerb für eine Neugestaltung des Albtalbahnhofs in Baden-Württemberg ausgeschrieben. Derjenige, der den 1. Preis gewann sollte sein Design auch umsetzen – das ist bei solchen Ausschreibungen nicht immer der Fall.

Beim Wettbewerb haben 42 Architekturbüros teilgenommen – sie haben jeweils Skizzen, Grundrisse, Schnitte und Ansichten ausgearbeitet und eingereicht. Eine "billige" Lösung war nicht erwartet. Die Gleise und Bahnsteige mussten sowieso erneuert werden und man wollte diesen wichtigen Umsteigebahnhof aufwerten. Die meisten Büros hatten viel Arbeit umsonst gemacht – nur der Gewinner konnte mit dem Preis von  12.000 DM seine Kosten abdecken.

Eine Skizze des Bahnhofs.
Eine Skizze des Bahnhofs. | Bild: Johannes Heinz Jakubeit

Der erste Preis ging an das Karlsruher Architekturbüro Johannes Heinz Jakubeit – der gleiche Architekt, der Anfang der 1970er Jahre die Günther-Klotz-Anlage realisiert hatte. Mit Symbolik in der Architektur geht Jakubeit normalerweise sparsam um, aber hier bei der Bahnsteig-Überdachung schien es ihm wichtig zu sein, Symbole zu konkretisieren.

Da der Albtalbahnhof historisch gesehen der Anfang und das Ende der Albtalfahrt ist, dachte er an ein Torsymbol. Die konkrete Idee bestand aus zwei Korbbögen als Torsymbole – einem für die Ausfahrt und einem für die Einfahrt. Dazu kam ein gläsernes Dach für das "Albtal-Tor" über die Straßenbahngleise. So sollte sich der Fahrgast wie unter freiem Himmel fühlen.

Zwei Torbögen als Alleinstellungsmerkmal

Das Besondere bei Jakubeits Idee war, dass es nicht nur ein Torbogen, sondern zwei waren. Zwei Bögen geben mehr Wind- und Regenschutz, außerdem konnte man dadurch sehr nah an der Oberleitung bauen. Bei lediglich einem Bogen wäre der Bau höher gewesen und der Windschutz deshalb nicht mehr optimal. Das Thema mit der Symbolik ging weiter.

Bild: Johannes Heinz Jakubeit

Mauerscheiben, die quer zur Halle stehen, und zwischen denen die Korbbögen gespannt sind, sollten die Torwirkung unterstützen. Sandstein war das Material, das Jakubeit bei diesen Mauern bevorzugte – symbolisch für den Sandstein aus dem Albtal. Das Dach wurde in Stahl und Plexiglas gefertigt – es sollte filigran aussehen. Während des Baus wurde der Straßenverkehr nicht stillgelegt. Die einzeln vorgefertigten Bogensegmente wurden bei laufendem Bahnbetrieb sukzessive hin transportiert und montiert. Nur einmal wurde nachts der Strom bei Montagearbeiten abgestellt.

Ein weiterer wichtiger Faktor für Jakubeit war die Tatsache, dass der Albtalbahnhof in einem sogenannten Grünzug liegt – eine großräumige naturnahe Freifläche in einer Stadtregion. Damit stellt der Bahnhof eine wichtige Verbindung für Fußgänger und Radfahrer quer durch die innenstädtische Grünanlage dar. Dazu gehört auch die Beiertheimer Allee. Dieser Grünzug sollte nicht gestört werden. Die spezifischen Bedingungen vor Ort müssen auch in die Ideenfindung einfließen, erklärt Jakubeit. Bei dem Projekt mit dem Albtalbahnhof zum Beispiel ging es um eine Grenzziehung zwischen Stadt und Albtal – zwei Räume wurden durch ein Tor verbunden, deshalb die Torsymbolik.

Das sagt der Architekt heute

Der Bahnhof steht am Ende des Grünzuges der Beiertheimer Allee, so sollte es auch luftig sein. Die neue Gestaltung lässt Raum für Licht und Luft und den Ausblick ins Grüne. "Der Querschnitt ist räumlich sympathisch und maßstäblich gut entwickelt", heißt es im Preisgerichtsprotokoll. "Die Materialwahl überzeugt in der Aussage als Tor zum Albtal." Die zweischiffige Bahnsteigüberdachung ist 42 Meter lang und 22 Meter breit.

Die beiden Dachtragwerke bestehen aus einer Rohrkonstruktion und die Bedachung aus gebogenen, transparenten Plexiglasscheiben. Nach der Beauftragung ging die Umsetzung des Projekts zirka ein Jahr. Im Frühjahr 2008 wurde ein “Stahlhaus“ errichtet, als Aufenthalts- und Umkleideraum für das Wartungspersonal. Es wird durch Sanitär- und Abstellräume ergänzt. "Das war eines meiner risikoreichsten Bauprojekte", sagt Jakubeit. "Zum Glück konnte es ohne Unfall zu Ende geführt werden."

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  •   BMWFahrer
    (851 Beiträge)

    02.11.2021 13:43 Uhr
    Es gab mal Überlegungen in den 80er Jahren,
    die Albtalbahn nicht mehr über den Albtalbahnhof zu führen, sondern von Rüppurr kommend den Hauptbahnhof zu unterqueren und direkt in die Ettlinger Straße einzufahren. Im Prinzip die Wiederherstellung der ursprünglichen Linienführung von 1897.

    Umstieg zu DB-Zügen wäre durch einen neuen unterirdischen Bahnsteig mit Verbindungswegen zu den DB-Bahnsteigen realisiert.

    Schade, dass dieses Projekt nie realisiert wurde. Zwischen Karlsruhe und Ettlingen hätte das gut 5 Minuten an Fahrzeit eingespart und das Verkehrshindernis an der Ebertstraße wäre weg.
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  •   Rundbau-Gespenst
    (13039 Beiträge)

    02.11.2021 15:47 Uhr
    da gab es früher einmal einen See, da wo heute heute die
    Unterführung mit den Zugängen zu den Gleisen ist.

    Vielleicht gäbe es dort nasse Füße?
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  •   Schillerlocke
    (613 Beiträge)

    02.11.2021 09:54 Uhr
    Windschutz?
    Ich finde es dort ziemlich zugig. Keine Möglichkeit sich bei Schmuddelwetter irgendwohin zu verkriechen. Aber okay, besser als kein Dach über dem Kopf. Und immerhin ist das schon fast ein Qahrzeichen. Vielleicht könnte mam das ganze ein bissel aufpeppen.
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  •   80er
    (6188 Beiträge)

    01.11.2021 11:16 Uhr
    Gab es...
    ...in 1980er Jahren schon den KVV? Meines Wissens nicht.
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  •   ALFPFIN
    (7898 Beiträge)

    01.11.2021 11:53 Uhr
    Der KVV
    wurde in seiner heutigen Rechtsform 1994 als GmbH gegründet.
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  •   flo-mi
    (454 Beiträge)

    01.11.2021 09:43 Uhr
    Schienennetze
    Was ich ein Wenig vermisse ist die Beschreibung, wie dann die Schienennetze miteinander verknüpft wurden, oder wurde der Kopfbahnhof erst einmal unter der neuen Überdachung so weiter geführt?
    Wie wurde daraus (schienentechnisch) die Lösung, die wir heute kennen, also ein Bahnhof mit Anbindung ans Karlsruher Straßenbahnnetz?
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  •   ralf
    (3745 Beiträge)

    01.11.2021 11:23 Uhr
    Verknüpfungen
    Die Schienenwege wurden 1957 (Albtalbahn - Straßenbahn) und 1996 (Albtalbahnhof - DB) verknüpft. Ersetzung des alten Bahnhofsgebäudes durch einen Flachbau in den 60ern, das Plexiglas-Dach in den 80ern.
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  •   mueck
    (12458 Beiträge)

    02.11.2021 00:49 Uhr
    !
    Wichtigster Baustein der erstgenannten Verknüpfung war die damit verbundene Umspurung der Albtalbahn von Meter- auf Normalspur.
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  •   ALFPFIN
    (7898 Beiträge)

    01.11.2021 09:32 Uhr
    Wir freuten uns,
    wenn gelegentlich noch das Dampfbähnle eingesetzt wurde, ein Ausflug mit der Dampfeisenbahn wer immer ein Erlebnis. Auch die alten Triebwägen wurden von Eisenbahnfreunden gelegentlich zu Ausflugsfahrten eingesetzt.
    War natürlich vorbei, mit dem Einsatz moderner Bahnen.
    Heute bin ich froh, wenn morgen früh nicht wieder nur ein Bus eingesetzt wird, der in Rüppurr dann schon proppevoll ist. Bei den letzten Bauarbeiten Richtung Albtal, hat man uns an der Haltestelle Rüppurr locker stehen lassen, weil keiner mehr zusteigen konnte, ohne "Quetschungen" zu bekommen.
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  •   Rundbau-Gespenst
    (13039 Beiträge)

    01.11.2021 08:59 Uhr
    das sollte mal recherchiert werden:
    "In den 1980er Jahren entschied der KVV (Karlsruher Verkehrsverbund), sich mit der AVG zusammen zu schließen"
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