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Karlsruhe Ein Hügel mit Geheimnis: Wie der Lauterberg Karlsruhe jahrzehntelang mit Wasser versorgte

Mitten im Stadtgarten von Karlsruhe steht ein Hügel, der die Karlsruher Kernstadt etwa 40 Meter überragt - und den wohl jeder Karlsruher kennt: der Lauterberg. Doch die wenigsten, die heute auf den gewundenen Pfaden zu seinem Gipfel spazieren, werden wohl wissen, was sich in diesem Moment unter ihren Füßen verbirgt: ein Wasserhochbehälter, der Karlsruhe jahrzehntelang mit Wasser versorgte.

In den 1880er Jahren übersteigt der Wasserverbrauch in Karlsruhe die Leistungsfähigkeit der vorhandenen Pumpanlage. Im Mai 1887 weist Frank Reichard, Direktor der Städtischen Gas- und Wasserwerke, auf die Notwendigkeit einer sofortigen Erhöhung der Leistungsfähigkeit der gesamten Wasserwerksanlage hin. Er stellt fest, dass dieses durch die Einrichtung eines genügend großen Hochreservoirs erreicht werden könnte.

Ein Wasserspeicher als Hügel

Doch wie soll das bewerkstelligt werden? Der Direktor schlägt vor, das Reservoir auf eine Aufschüttung zu setzen, mit Bodenmaterial zu einem Hügel aufzubauen und diesen mit Rasen und Pflanzen landschaftlich zu gestalten. Zudem sollen Bäume und Sträucher gepflanzt und ein steiler Aufstiegspfad angelegt werden. Für diesen künstlichen Hügel mit Hochreservoir empfiehlt er einen Platz südlich des Tiergartens.

Ein Lageplan für das Hochreservoir.
Ein Lageplan für das Hochreservoir. | Bild: Stadtarchiv Karlsruhe 1/H-Reg 2659 (Plan)

Reichard möchte auch die beiden Seen im Stadtgarten und Tiergarten tiefer ausheben, um mehr Auffüllmaterial für den Hügel zu verschaffen. Am Fuß des Hügels konnte sogar ein weiterer See geschaffen werden. Später, im Jahr 1899, werden zwei dieser Seen umbenannt. Der bisherige "Große See" südlich des Lauterbergs wird in "Lautersee" und der bisherige "Rennbahnsee" am Fuß des Hügels wird in "Schwanensee" umgetauft.

Die Vorschläge kommen bei der Stadtverwaltung gut an und es werden Kostenberechnungen erstellt. Das Hochreservoir soll auf den Grundstücken Anäcker und Reutwiesen gebaut werden, die der Gemeinde Beiertheim gehören.

Beiertheim muss sich beugen

Beiertheim allerdings möchte die Grundstücke nicht gegen Geld an Karlsruhe abtreten, sondern ein Grundstück als Entschädigung erhalten – und zwar das Grundstück Meieräcker, das zu Ettlingen gehört. Ettlingen hat jedoch auch nicht die Absicht, dieses Grundstück abzugeben.

Ein Lageplan des Lauterbergs.
Ein Lageplan des Lauterbergs. | Bild: Stadtarchiv Karlsruhe 1/H-Reg 4514 (Plan)

Es kommt zu einem Zwangsenteignungsverfahren, in dem entschieden wird, dass die Gemeinde Beiertheim das Gelände in den Gewannen Anäcker und Reutwiesen gegen finanzielle Entschädigung abtreten muss, um auf diesem Gelände einen Wasserbehälter anzulegen. Ab 1889 wird das Reservoir nach dem Entwurf und unter der Bauleitung von Direktor Reinhard ausgeführt. Ein Jahr später wird zudem ein sogenanntes Schwarzwaldhaus in der Nähe des Hochreservoirs fertiggestellt.

Eine Radrennbahn im Stadtgarten?

Doch das ist noch nicht alles: Neben dem Hügel, um den See herum, soll auch eine Radfahrbahn erstellt werden, mit einer kleinen Tribüne für die Preisrichter. Karlsruhe möchte, dass die Radfahrbahn so gebaut wird, dass sie als eine der besten damals bestehenden anerkannt wird. Nach der Eröffnung der Radfahrbahn am 1. Juli 1890, wird am 21. September desselben Jahres ein großes Radfahrfest veranstaltet und in den darauffolgenden Jahren finden hier viele große Rennen und Radwettfahren statt.

Das Schwarzwaldhaus am Lauterberg. Das Bild stammt vom Cover des Buches "Die Sage vom Lauterberg".
Das Schwarzwaldhaus am Lauterberg. Das Bild stammt vom Cover des Buches "Die Sage vom Lauterberg". | Bild: Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS oXIIIc 225

Der 1889 begonnene Bau des Hügels samt Hochreservoir wird schließlich 1893 fertig gestellt und in Betrieb genommen. Der damalige Karlsruher Oberbürgermeister, Wilhelm Florentin Lauter, erlebt die Vollendung des Bauprojekts nicht mehr, er stirbt im April 1892. Einen Monat nach seinem Tod beschließt daher der Stadtrat, den künstlichen Hügel nach ihm zu benennen. Bis heute hält sich die fälschliche Annahme, dass die Idee zum Bau des Hochreservoirs eigentlich von ihm stammt.

Zum Geburtstag des Großherzogs und des gleichzeitigen Besuchs des deutschen Kaisers im September 1893 wird der frisch fertiggestellte Lauterberg mitsamt einer künstlichen Burgruine mit Aussichtsturm auf seinem Gipfel - erbaut aus Steinresten der Festung Rastatt - beleuchtet.

Der Lauterberg wird international bekannt

Im Jahr 1895 wird eine Büste des ehemaligen Oberbürgermeisters Lauter von Karlsruher Bildhauer Hermann Volz im Stadtgarten aufgestellt. Bei der Einweihung in Anwesenheit des Großherzogs hält Oberbürgermeister Karl Schnetzler eine Rede.

Die Büste von Oberbürgermeister Wilhelm Florentin Lauter am Fuß des Lauterbergs.
Die Büste von Oberbürgermeister Wilhelm Florentin Lauter am Fuß des Lauterbergs. | Bild: Martin Schwarz, Stadtwiki

Im gleichen Jahr wird ein kleines Büchlein "Die Sage vom Lauterberg" veröffentlicht. Hier wird ein Märchen erfunden, um dem Lauterberg einen geheimnisvollen Charme zu verleihen. Darin soll der Lauterberg aus den Alpen stammen.

Und der Lauterberg wird sogar international bekannt: In der Chicago-Ausstellung im Mai 1896 in den USA gewinnt der Lauterberg die Columbische Medaille "für die Neuheit des Entwurfs, die einleuchtende Fertigkeit der Konstruktion und die schönen Ergebnisse".

Kanonenschüsse machen den Berg instabil

Doch der Glanz des künstlichen Hügels ist nicht von langer Dauer. Der Grund: Kanonenschüsse werden öfter vom Gipfel des Lauterbergs abgefeuert – etwa beim Besuch des Kaisers 1900, wo er "über die Beiertheimer Allee unter dem Donner der Kanonen vom Lauterberg" läuft. Durch das wiederholte "Festschießen" kommt es immer wieder zu Rutschungen der oberen Erdschicht an den Böschungen des Bergs.

Bei der Chicago-Ausstellung: Der Lauterberg gewinnt die Columbische Medaille.
Bei der Chicago-Ausstellung: Der Lauterberg gewinnt die Columbische Medaille. | Bild: Karlsruher Zeitung, 21.5.1896

1901 findet beim Anlass des Geburtstags des Großherzogs ein größerer Erdrutsch nach Kanonenschüssen statt. Laut einem Bericht des Tiefbauamts im selben Jahr soll jegliches Schießen auf dem Lauterberg daraufhin vermieden werden.

Die Technik entwickelt sich zwar weiter und 1911 wird eine elektrisch betriebene Zentrifugalpumpe aufgestellt - die starken Erschütterungen von den Kanonenschüssen haben jedoch den Lauterberg grundsätzlich beschädigt. Im Zweiten Weltkrieg, währenddessen auf dem Gipfel des Lauterbergs sogar eine Flugabwehrkanone stand, bringt 1944 eine abgeworfene Bombe den Wasserbehälter im Inneren des Hügels zum Auslaufen.

In den 60er-Jahren hat das Hochreservoir ausgedient

In den 1960er-Jahren verliert das Wasserreservoir seine Funktion komplett und wird stillgelegt. Doch der Kessel fängt an so stark zu rosten, dass der ganze Berg vom Einsturz bedroht ist. Erst 1978 wird der Wasserbehälter im Lauterberg mit Schaumbeton gefüllt und baulich gesichert. 1997 wird der Lauterberg gründlich saniert.

Am Lauterberg soll ein neues Luchs-Gehege entstehen - rund 10 Mal größer als das alte.
Am Lauterberg soll ein neues Luchs-Gehege entstehen - rund zehn Mal größer als das alte. | Bild: Kube

Heute kann man über einen Vogelschutzlehrpfad einen schönen Spaziergang zu einer Aussichtsplattform auf dem Gipfel machen und in die neue Luchs-Anlage des Karlsruher Zoos hinunterblicken - ohne zu wissen, was sich unter den Füßen tatsächlich verbirgt.

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  •   Heisenberg
    (132 Beiträge)

    17.04.2021 21:17 Uhr
    Danke
    Danke, für diesen hochwertigen Artikel grinsen
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  •   Erbse
    (16 Beiträge)

    17.04.2021 13:42 Uhr
    Interessanter Artikel
    Vielen Dank für die Recherche!
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  •   haku
    (4186 Beiträge)

    17.04.2021 11:12 Uhr
    Das Tor im Berg...
    ...welches auf dem alten Photo zu sehen ist, gibt es heute noch, direkt beim Zugang zum Zoo-Terassen-Café. Dahinter ist der Tunnel mit der Wasserleitung den Berg hoch.
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  •   kawai
    (245 Beiträge)

    17.04.2021 10:27 Uhr
    Danke, schöner Artikel
    Das mit der künstlichen Burgruine ist ja wirklich ein starkes Stück. Da hat sich der Zeitgeist inzwischen doch etwas gewandelt... grinsen
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  •   Rundbau-Gespenst
    (12339 Beiträge)

    17.04.2021 11:05 Uhr
    künstliche Burgen und künstliche Ruinen
    waren zu Willems Zicken total angesagt.

    Hochkönigsburg, Neuschwanstein und andere Objekte wie z.B. das Denkmal für Arminius oder das Niederwalddenkmal entsprachen gerade dem Zeitgeist.
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  •   Schillerlocke
    (465 Beiträge)

    18.04.2021 07:41 Uhr
    Und vergessen wir nicht die Megarruine
    BER. Da basteln die Experten immer noch dran rum.
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  •   BMWFahrer
    (525 Beiträge)

    17.04.2021 11:13 Uhr
    und auch in unseren modernen Zeiten
    werden solche Bauwerke angelegt, siehe Disneyland, Europapark usw.
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  •   Kommentar
    (715 Beiträge)

    17.04.2021 12:44 Uhr
    Und
    Kombilösung zwinkern
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  •   staffi
    (44 Beiträge)

    17.04.2021 13:16 Uhr
    sowie
    Stuttgart 21
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