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Karlsruhe Von Pferden und U-Bahn-Tunnel: Eine kleine Geschichte der Karlsruher Bahnen

Erst war sie verpönt, dann hat man um sie geweint, die alten Wagen der Linie 5 – die "Holzklasse". Nach 56 Jahren im Dienst wurde 2015 der Betrieb der kleinen Wagen eingestellt. Damit geht es mit Vollgas in Richtung Zukunft, auch wegen der Kombilösung. Dabei fing alles mit einer Pferdebahn an - das war 1877.

Langsam und behäbig muss die Fahrt durch Karlsruhe gewesen sein vor mehr als 140 Jahren, wenn man sich zwischen dem Gottesauer Platz im Osten und dem Mühlburger Tor im Westen fortbewegen wollte. Denn mit einer Pferdebahn war das zwar komfortabel, aber die Schallmauer wurde dadurch sicher nicht durchbrochen. Doch weil die Stadt stetig wuchs, war ein besseres Nahverkehrssystem notwendig. Die Pferdebahn war geboren. 

Pferdebahn Karlsruhe
Um 1900: Die Pferdebahn verband zunächst das Mühlburger Tor mit dem Gottesauer Platz. | Bild: Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS XIIIb

Um auch Durlach anzubinden, wurde das Netz ausgebaut. 1881 ging eine Dampfstraßenbahn in Betrieb. Diese Strecke ab dem Durlacher Tor hatte 19 Jahre lang unverändert Bestand. Doch die Pferde- und Dampfstraßenbahn war wirtschaftlich alles andere als rentabel - trotz guter Fahrgastzahlen war die finanzielle Lage des Unternehmens schlecht. 1883 hatte die Vereinigte Karlsruher, Mühlburger und Durlacher Pferde- und Dampfbahngesellschaft fünf Dampfloks, 46 Pferde und 32 Wagen. Mit diesem kombinierten Modell wurde in der Fächerstadt der Grundstein für die heutigen Schienennetze in der Stadt und der Region. 

Pferdebahn Karlsruhe
Um 1890 am Durlacher Tor Platz: Hier mussten die Passagiere umsteigen, von der Pferdebahn (dunkle Linie) in die Dampfbahnwagen (rechts im Bild) nach Durlach. | Bild: Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS XIIIb

Auf Pferdebahn folgt das Lobberle

1890 nahm dann die Karlsruher Lokalbahn (KLB) - das "Lobberle" - den Betrieb auf. Zwischen Durmersheim und Spöck verband die Schmalspurbahn die nördliche mit der südlichen Hardt. Doch auch die KLB war kein kommerzieller Erfolg, obwohl 1910 mehr als 1,8 Millionen Passagiere, 781 Hunde und 15.000 Gepäckstücke transportiert wurden. Heute erinnert in Karlsruhe nichts mehr an die Anfänge des ÖPNV. Nur noch das Info-Center am Hauptfriedhof hat die Zeit überlebt. Einst war das kleine Haus die Wartehalle am "Lobberle". 

Karlsruher Lokalbahn Lobberle
1910: Blick auf die dampfbetriebene Schmalspurbahn am Karlstor. | Bild: Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS oXIVb 504

Ab 1922 war jedoch zumindest teilweise mit der Karlsruher Lokalbahn Schluss. 1922 wurde der Abschnitt zwischen Hagsfeld und Spöck stillgelegt, ab 1932 dann die Strecke durch die Innenstadt. Ab 1937 war dann auch in der südlichen Hardt vollends Schluss und das Lobberle verschwand in der Versenkung. Aber aus der KLB wurde das, was wir heute nur allzu gut kennen: die Stadtbahn. 

Holzklasse Karlsruhe
1970: Einweihung der Straßenbahnlinie 9 zwischen Tullastraße und Mannheimer Straße in Rintheim. | Bild: Stadtarchiv Karlsruhe Schlesiger A 20 105_5_24
Holzklasse Karlsruhe
Straßenbahnlinie 5 in Karlsruhe, hier an der Haltestelle Hübschstraße aus dem Jahr 1984 | Bild: Stadtarchiv Karlsruhe Schlesiger A47_27_5_16

56 Jahre prägte die Holzklasse das Bild der Stadt

Ein weiterer Meilenstein in der Geschichte der Karlsruher Mobilität: Die Wagen der "Holzklasse". 1962 lösten die kleinen Wagen die Fahrzeuge der Karlsruhe Straßenbahn ab. Und sie sollten bis 2015 das Bild in der Fächerstadt prägen - zumindest bis zum Ende die Linie 5 zwischen Rheinhafen und Rintheim. Dabei wurden die ersten Fahrzeuge der Holzklasse schon 1986 ausgemustert. Den endgültigen Todesstoß bekamen die Wagen der Serie GT8-D, als die neuen Niederflur-Stadtbahnen Ende Mai 2015 ihren Betrieb aufgenommen haben. 

Nur weil der Einstieg in die Bahnen der Linie 5 zu steil und damit nicht barrierefrei war, waren die Bahnen der "Waggon Union" nicht mehr zeitgemäß. Der andere Grund für die Ausmusterung der Holzklasse: Mit dem Ausbau der Haltestellen in Rintheim, wo lange Zeit der Abstand der Gleise zu gering war und nur die Holzklasse fahren konnte, mussten die Wagen mit dem Bär in Ruhestand gehen. Damit haben die alten Straßenbahnwagen den Weg frei gemacht für die Zukunft der Mobilität in der Fächerstadt. Denn wenn ab 2020 die Bahnen unterirdisch durch den Tunnel der Kombilösung rollen, würden die kleinen, altmodischen Wagen der Holzklasse wirken, als seien sie aus einer anderen Zeit. 

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  •   mueck
    (11077 Beiträge)

    10.04.2018 15:09 Uhr
    "Von Pferden und U-Bahn-Tunnels:"
    Las vorhin in meinen Mails, dass Mitte Juni erst mal der U-Radschnellweg eröffnet wird ...
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  •   mueck
    (11077 Beiträge)

    10.04.2018 15:05 Uhr
    175 Jahre
    ... gibt es schon Nahverkehr im Raum Karlsruhe, 1843 wurde die erste Bahnlinie der Badischen Eisenbahn eröffnet, damals noch mit 1600 mm Breitspur ...
    Die Deutsche Bahn verpennt aber leider dieses Jubiläumsjahr ...
    Wobei ...
    Wenn ich mal die Feste zu 75 und 100 Jahre neuer Karlsruher Hbf vergleiche, ist "leider" vielleicht übertrieben ...
    Vielleicht sollten besser ein paar badische Eisenbahnen (AVG, SWEG-HzL, UEF Ettlingen, TSNV, ...) kurzfristig noch versuchen, die Lücke zu füllen, das gibt schönere Eisenbahnfeste, siehe Herrenalber Bahnhofsfest ...
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  •   megasphaera
    (26 Beiträge)

    10.04.2018 14:32 Uhr
    Herr, schmeiß ein Lektorat vom Himmel...
    ...damit ka-news endlich an Qualität gewinnt.
    Diese Reportage strotzt nur so von Grammatik- und Formulierungsfehlern. Merkt das eigentlich niemand?
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  •   betablocker
    (4089 Beiträge)

    10.04.2018 14:28 Uhr
    Langsam
    und behäbig? Dann hat sich ja in den vergangenen 140 Jahren überhaupt nichts verändert.
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  •   Rundbau-Gespenst
    (11516 Beiträge)

    10.04.2018 13:31 Uhr
    @ka-news: und nun ein sachlicher Lapsus
    "1983 hatte die Vereinigte Karlsruher, Mühlburger und Durlacher Pferde- und Dampfbahngesellschaft fünf Dampfloks, 46 Pferde und 32 Wagen."

    Liest denn niemand Korrektur, bevor so etwas online geht?
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  •   betablocker
    (4089 Beiträge)

    10.04.2018 15:10 Uhr
    Und irgendwann
    steht da: Nach nur 40-jähriger Bauzeit gingen 2050 die ersten drei Kilometer der heute 20 Kilometer langen U-Bahnstrecke in Betrieb. grinsen
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  •   Rundbau-Gespenst
    (11516 Beiträge)

    10.04.2018 13:28 Uhr
    @ka-news: "Wägen"
    sind nicht korrekt.

    Der Plural von "Wagen" ist ebenfalls "Wagen".
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  •   fpfka
    (47 Beiträge)

    10.04.2018 17:51 Uhr
    Falsch.
    Der Duden schreibt seit mindestens den 80ern (vermutlich "schon immer") "Plural: die Wagen, süddeutsch, österreichisch: Wägen". Und wo liegt Karlsruhe? Also ist hier "Wägen" der korrekte Plural und eben gerade nicht "Wagen".
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  •   Rundbau-Gespenst
    (11516 Beiträge)

    10.04.2018 18:35 Uhr
    was die in Mannheim
    so schreiben. Die halten Dialekte für Schriftdeutsch...
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  •   Waterman
    (6388 Beiträge)

    10.04.2018 14:11 Uhr
    Auch Wiederholung
    Wenn der Pass diese Orte zeigt, darf man schon mal Wägen sagen. Auch Duden erlaubt das.

    Sonst natürlich die Wagen. Und schreiben sollte man es auch so, es könnte ja ein Auswärtiger mitlesen. Ist aber für uns hier kein Beinbruch.

    Hoffentlich platzen auch jetzt keine Krägen grinsen
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