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Karlsruhe Volkstrauertag gedenkt der Kriegsopfer: "Die Erinnerung an vergangene Kriege soll aufrecht erhalten werden und als Mahnung dienen"

Zwei Wochen vor dem 1. Advent ist der Volkstrauertag, der an die Opfer der beiden Weltkriege gedenken. Die humanitäre Organisation Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. pflegt, erfasst und erhält im Auftrag der Bundesregierung die Gräber der deutschen Kriegstoten im Ausland. Mit über 310.000 aktiven Förderern betreut der Volksbund heute 832 Kriegsgräberstätten in 46 Staaten mit etwa 2.7 Millionen Kriegstoten. Volker Schütze, Geschäftsführer des Bezirksverbands Nordbaden in Karlsruhe, spricht mit ka-news über die Arbeit des Bundes.

"Gegründet wurde der Volksbund aus der Not im Dezember 1919, auf Grund einer Bürgerinitiative, die deutschen Kriegstoten im Ausland zu bergen, identifizieren und würdig zu bestatten", erklärt Volker Schütze im Gespräch mit ka-news. Damals war die neue Reichsregierung nicht in der Lage, sich um die Gräber der Gefallenen zu kümmern. "Viele Angehörigen wussten im besten Fall, dass ihre Lieben gefallen waren", führt Schütze fort, "aber sie lagen noch - teilweise sogar pulverisiert - auf den Schlachtfeldern."

Volker Schütze Kriegsgräberfürsorge
Volker Schütze, Geschäftsführer der Kriegsgräberfürsorge Bezirksverband Nordbaden in Karlsruhe. | Bild: Volksbund Deutsche Kriegsgräberfuersorge e.V. Bezirksverband Nordbaden

Noch heute wird nach Kriegstoten gesucht

Nach der politischen Wende in Osteuropa hat der Volksbund seine Arbeit im ehemaligen Ostblock aufgenommen, wo im 2. Weltkrieg etwa drei Millionen deutsche Soldaten ums Leben kamen. "Wir suchen also immer noch nach Kriegstoten", sagt Schütze. "2017 wurden 27.000 Soldaten umgebettet. Aktuell wurden im Wolgograd, dem ehemaligen Stalingrad, die menschlichen Überreste von 1.837 gefallenen Soldaten entdeckt."

Einbettung in Halbe2
Bild: Volksbund Deutsche Kriegsgräberfuersorge e.V. Bezirksverband Nordbaden

Der Volksbund konnte in Erfahrung bringen, dass genau an dieser Stelle während der Schlacht um Stalingrad im März 1943 eine lange Schlucht als Massengrab benutzt wurde, um getötete Soldaten und Pferdekadaver wegen der Seuchengefahr möglichst schnell zu vergraben. Das ist aber kein Einzelfall. Pro Jahr werden in Stalingrad drei bis vier solcher Massengräber entdeckt.

Jugendliche werden für das Thema sensibilisiert

"Heute ist unsere zweite Aufgabe die Friedens- und Versöhnungsarbeit", sagt Volker Schütze gegenüber ka-news. Seit 1953 führt der Volksbund internationale Jugendbewegungen und Workcamps unter dem Motto "Versöhnung über den Gräbern - Arbeit für den Frieden" durch. "Vor allem bei jungen Leuten, die noch keinen Krieg erlebt haben, soll die Erinnerung an vergangene Kriege aufrecht erhalten werden und als Mahnung dienen", so der Geschäftsführer des Kriegsgräberfürsorge Bezirksverbands Nordbaden. Mit dem Blick auf die Vergangenheit kann man die damalige Situation mit der Gegenwart vergleichen und sich fragen, wie es zum Krieg gekommen ist und was es heute für Entwicklungen gibt.

Kriegsgräberfürsorge Volkstrauertag
Bild: Volksbund Deutsche Kriegsgräberfuersorge e.V. Bezirksverband Nordbaden

Im Rahmen der Workcamps, aber auch in Schulen und in kirchlichen Gruppen werden diese Themen diskutiert. "Für mich ist es ein Erfolg, wenn Jugendliche meine Bilder anschauen und eine Betroffenheit erleben, oder auf Friedhöfe gehen und merken, dass manche Gefallenen gar nicht so viel älter waren als sie selbst", beschreibt Volker Schütze die Arbeit der Kriegsgräberfürsorge. "Unsere Jugend ist ein Samenkorn, und wir hoffen, dass der Samen irgendwann aufgeht!"

Kriegsgräberfürsorge Volkstrauertag
Bild: Volksbund Deutsche Kriegsgräberfuersorge e.V. Bezirksverband Nordbaden

Der 1. Weltkrieg sei in der deutschen Erinnerungskultur nicht so präsent gewesen, meint Schütze, jedoch durch das 100. Gedenkjahr und die mediale Begleitung käme nun wieder ins Bewusstsein, was wichtig ist.

Auch der Volkstrauertag, der seit 1952 zwei Wochen vor dem 1. Advent ist, wurde auf Initiative des Volksbundes durchgeführt und 1922 zum ersten Mal gehalten. Am Anfang war er von Gedanken der Versöhnung zwischen den Nationen getragen, so Schütze, kippt aber nach der Machtergreifung 1933 in den Nationalismus.

Gedenken an Opfer aller Kriege

"Die Toten des 1. Weltkriegs wurden zu Helden überhöht", meint Schütze, "der Volksbund gedenkt aber aller Toten, ohne sie zu Helden zu machen. Sie waren Soldaten, aber sie waren auch Menschen. Uns ist heute wichtig, dass wir auch in der Gegenwart aller Kriegstoten auf der ganzen Welt gedenken. Wir sollten auf einander zugehen und uns nicht separieren!"

Kriegsgräberfürsorge Volkstrauertag
Bild: Volksbund Deutsche Kriegsgräberfuersorge e.V. Bezirksverband Nordbaden

Der Volksbund hat etwa eine Million Gelegenheitsspender und Interessierte. Die Spenden und Mitgliedsbeiträge decken etwa 70 Prozent der Gesamtkosten. Den Rest bekommt der Volksbund von öffentlichen Mitteln. Mehrere tausend ehrenamtliche und 567 hauptamtliche Mitarbeiter erfüllen die Aufgaben, die auch die Betreuung von Angehörigen in Fragen der Kriegsgräberfürsorge, die Unterstützung der internationalen Zusammenarbeit und die Förderung der Begegnung junger Menschen an den Ruhestätten der Toten umfassen.

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  •   Nico1966
    (51 Beiträge)

    19.11.2018 07:02 Uhr
    Gehirnwäsche
    Begründung siehe vorangegangener Kommentar (Ukraine,Syrien,Verletzung der finnisch-russischen Grenze,Besetzung der Krim).Das sind wohl Tatsachen,die übrigens in Nachrichten auf der ganzen Welt gezeigt werden,also nix mit einseitiger Deutscher Berichterstattung.Hier wollen das manche nur nicht wahrhaben .
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  •   Hartz4Bomber
    (363 Beiträge)

    18.11.2018 11:16 Uhr
    Und hierzulande
    träumt man von einer EU-Armee. Eine EU welche immer mehr nach Osten rückt und somit dem Russen auf die Pelle, eine EU die einen kalten Krieg mit den USA angezettelt hat. Eine EU die von Deutschland dominiert wird, wo eine einzelne Frau plötzlich sämtliche Regelungen außer Kraft setzen kann.

    Mir läuft es gerade eiskalt den Rücken runter.
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  •   Rundbau-Gespenst
    (10710 Beiträge)

    18.11.2018 20:19 Uhr
    das siehst Du alles viel zu
    verklemmt!
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  •   Nico1966
    (51 Beiträge)

    18.11.2018 15:32 Uhr
    Den Russen auf die Pelle rückt...
    Ja,ja der lupenreine Demokrat Putin der durch die EU bedrängt wird.Schon vergessen den Einmarsch in Georgien (Grund war die angebliche Verfolgung der dort lebenden Russen)oder die Annexion der Krim,sowie russische Truppen in der Ost-Ukraine.Die EU rückt nicht nach Osten,sondern Staaten wie Polen oder die baltischen Staaten sind der EU beigetreten.Diese Staaten fühlen sich durch Russland bedroht und streben eine NATO-Mitgliedschaft an.Was ist mit Moldawien,die gleiche Situation.Und was hat die Kanzlerin damit zu tuen?Ich glaube nicht das diese Länder sich von Merkel etwas reinreden lassen.So lange aus Russland wieder eine „Weltmacht“zwischen Zarenreich und Sowietunion werden soll, befinden wir uns auf dem besten Weg in einen kalten Krieg. Und da läuft es mir kalt den Rücken herunter und legitimiert einer EU-Armee.
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  •   Hartz4Bomber
    (363 Beiträge)

    18.11.2018 16:51 Uhr
    Das Russland-Bashing
    der Medien trägt Früchte. Auch eine EU-Armee würde gegen den Russen gnadenlos untergehen. Vor allem ohne die Briten, die rechtzeitig die Reißleine gezogen haben. Die wollen nicht mehr in einer von Deutschland dominierten Union leben, in der eine Einzelperson sich Gäste eingeladen hat, und nun von ihren Nachbarn verlangt diese zu verköstigen. grinsen
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  •   Nico1966
    (51 Beiträge)

    18.11.2018 17:59 Uhr
    Russlandbashing
    Klar,Russlandbashing!Vergaß noch Syrien,alles Friedensmissionen.Eine EU-Truppe ist zur Verteidigung gedacht,die Russen sind Aggresoren.Ob mit Briten oder ohne,die kochen sowieso ihre eigenes Süppchen.Schon ihre Aussage,keine Chance usw.,beweist das eine Besetzung z.B. eines baltischen Staates möglich ist.Warum soll Deutschland eigentlich eine EU -Armee wollen,geschweige denn diese alleine befehligen? Das ist wohl Ihre Hypothese.
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  •   Dalli_Klick
    (321 Beiträge)

    18.11.2018 21:36 Uhr
    Die Russen
    sind "Aggressoren"? Ach, und wie begründet sich deine Behauptung?

    Die Gehirnwäsche der deutschen Medien hinterlässt doch deutliche Spuren. Merkel-EU= immer gut, Russland= immer böse. Trump und Orban natürlich auch.
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  •   Malerdoerfler
    (4652 Beiträge)

    18.11.2018 10:47 Uhr
    Gedenken an die Schrecken der Kriege -
    und das nicht nur in der Schule, sondern dies ist die Aufgabe aller Personen in der Gesellschaft.
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  •   Nacional
    (513 Beiträge)

    18.11.2018 10:29 Uhr
    Organisation Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V.
    ein eingetragener Verein also und wer kontrolliert den?
    Da wird mit sehr vielen Millionen gehandelt und keine Staatliche Stelle kann oder will diesen Verein überprüfen was mit den gewaltigen Spenden, Nachlässen und öffentlichen Mitteln geschieht?
    Von mir gibt es keinen Cent mehr für diesen Verein.
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  •   Kriegsgräber_Nordbaden
    (2 Beiträge)

    19.11.2018 13:51 Uhr
    Kontrolle des Volksbunds
    Hier ein Auszug aus der Homepage des Volksbunds: https://www.volksbund.de/service/ansprechpartner/haeufig-gestellte-fragen.html
    "Im Volksbund wachen darüber hauptamtlich tätige Mitarbeiter (Controller) und ehrenamtlich tätige Rechnungsprüfer. Der Jahresabschluss und die Bilanz werden durch erfahrene und mit den spezifischen Anforderungen für gemeinnützige Vereine vertraute Wirtschaftsprüfer erstellt. Hinzu kommen die regelmäßigen Prüfungen durch das Finanzamt.

    Da der Volksbund im Auftrag der Bundesregierung arbeitet, unterliegt seine Mittelverwendung – im Gegensatz zu vielen anderen Spendenorganisationen – einer laufenden staatlichen Kontrolle. Diese erfolgt durch den Bundesrechnungshof sowie jährlich für das Auswärtige Amt durch das Prüfungsamt des Bundes. Informationen über die Einnahmen und Ausgaben des Volksbundes finden Sie in unserer jährlich erscheinenden Arbeitsbilanz. "
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