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Karlsruhe Stumme Zeugen aus vergangener Zeit: Aus dem Bunker in der Erzbergerstraße klingt heute Musik

Überall in der Stadt kann man sie finden, die unscheinbaren, vergessenen Welten der Karlsruher Luftschutzbunker. Elf Bunker wurden ab August 1941 hier gebaut - sichtbar und unsichtbar. ka-news.de hat sich auf Spurensuche begeben und sich sechs der Anlagen angeschaut. Heute in Teil sechs: der Bunker in der Erzbergerstraße.

Der Erste Weltkrieg ist vorbei und der Zweite gerade voll im Gange. Nach dem 25. August 1940, als die britische Royal Air Force die ersten Bomben auf Berlin abwirft, sollen laut des neu beschlossenen "Luftschutz-Sofortprogramms" alle Städte mit mehr als 100.000 Einwohnern und kriegswichtigen Anlagen mit ausreichenden Luftschutzbunkern für die Bevölkerung ausgestattet werden.

Und obwohl Karlsruhe diese Kriterien nicht erfüllt, gilt die Fächerstadt als besonders bombardierungsgefährdet. Der Grund: Sie hat im Ersten Weltkrieg einige Luftangriffe erlitten. So erhält die Stadt ab August 1941 elf Luftschutzbunker.

Bunkeranlagen in Karlsruhe am 03.02.2019 in Karlsruhe {locationtaken, lctk}, Germany,GER, Europe
Ehemaliger Luftschutzbunker an der Erzbergerstraße in der Karlsruher Nordstadt. Er wurde mit Ecklisenen und angedeuteten Bogenreihen, Blendfenstern und überstehendem Walmdach mit Dach- gauben (Fledermausgauben) verziert oder getarnt.Der Hochbunker schützte die Bewohner der Umgebung und das nahegelegene Flugplatzpersonal des alten Flugplatzes (Heute Naturschutzgebiet). | Bild: Carmele|TMC Fotografie

Der Luftschutzhochbunker in der Erzbergerstraße 81 wird im September 1941 nach einem Entwurf vom Stadtbaurat Paul Brömme erbaut. Er ist zum Schutz der Bewohner aus der Hardtwaldsiedlung und des Personals vom benachbarten Flugplatz gedacht.

Alle Teile, inklusive Dach, sind aus Stahlbeton. Das Gebäude ist getarnt mit Dachgauben, Ziegel und Blendfenstern und bietet 720 Schutzplätze. Im Krieg waren Etagenbetten und Sitzbänke in den Räumen eingerichtet. An den Enden der Flure wurden Waschräume und WC-Anlagen, getrennt für Männer und Frauen, untergebracht.

Bunkeranlagen in Karlsruhe am 03.02.2019 in Karlsruhe {locationtaken, lctk}, Germany,GER, Europe
Zwischenraum ins Bunker Innere. Ehemaliger Luftschutzbunker an der Erzbergerstraße in der Karlsruher Nordstadt | Bild: Carmele|TMC Fotografie

Bei einem Luftangriff hatten nur Deutsche, keine Kriegsgefangenen oder Fremdarbeiter, Zutritt. Ein Bunkerwart mit Ordnungskräften führte die Aufsicht. Bei Angriffen jedoch waren die Bunker völlig überbelegt, und die hygienischen Zustände waren katastrophal. Oft mussten Fremdarbeiter die Reinigung übernehmen. 

Bunkeranlagen in Karlsruhe am 03.02.2019 in Karlsruhe {locationtaken, lctk}, Germany,GER, Europe
Die Rückseite ist überwuchert - Ehemaliger Luftschutzbunker an der Erzbergerstraße in der Karlsruher Nordstadt. Der Hochbunker schützte die Bewohner der Umgebung und das nahegelegene Flugplatzpersonal des alten Flugplatzes (Heute Naturschutzgebiet). | Bild: Carmele|TMC Fotografie

Heute hat der Bunker einen anderen Nutzen: Er fungiert als Schlagzeugschule und Lagerraum.

 

ka-news.de-Serie

Die Zeit des Nationalsozialismus ist auch an Karlsruhe nicht spurlos vorübergegangen. Als stille - und gut verborgene - Zeitzeugen sind allerdings die insgesamt elf Bunkeranlagen der Fächerstadt zurückgeblieben. Immer sonntags nimmt ka-news.de die Leser mit auf eine Reise durch die fast vergessene Welt der Karlsruher Luftschutzbunker:

Teil 1 der Serie: Der Hochbunker Irisweg


Teil 2 der Serie: Der Tiefbunker in der Dammerstocksiedlung

Teil 3 der Serie: Der Operationsbunker in der Kaiserallee

Teil 4 der Serie: Die "Appenmühle" am Rheinhafen

Teil 5 der Serie: Der Hochbunker in Grünwinkel

Mehr zum Thema
Es war einmal in Karlsruhe | ka-news.de: Alte Seifenfabriken und Milchzentralen oder Eindrücken von der Kaiserstraße aus den 50er Jahren - in der Serie "Es war einmal" nimmt ka-news seine Leser mit auf eine Reise in die Vergangenheit. Hier finden Sie Gespräche mit Zeitzeugen und Impressionen aus der über 300-jährigen Geschichte der Fächerstadt.

Haben Sie eine Anregung, Fragen zu einem alten Gebäude oder können uns etwas über das frühere Karlsruhe erzählen? Dann schreiben Sie uns per Mail oder per ka-Reporter-Formular. Wir freuen uns auf Ihre Geschichten!

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  •   patrickkk
    (1326 Beiträge)

    04.11.2019 20:44 Uhr
    ...
    Als nächstest bitte einen Teil über den Luftschutzbunker der letztes Jahrzent am Durlacher Tor errichtet wurde und seither als Kindergarten fürs KIT fungiert!
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  •   bingobongo
    (291 Beiträge)

    04.11.2019 11:04 Uhr
    "Fremdarbeiter"
    Das bedeutete damals übrigens Zwangsarbeiter. Also die, die keiner gesehen haben wollte.
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  •   HerrNilson
    (1139 Beiträge)

    04.11.2019 12:34 Uhr
    Ja
    in diesen Zeiten haben die Menschen so vieles nicht gesehen und gehört. So wie heute auch wieder.
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  •   Kruppstahl
    (1031 Beiträge)

    04.11.2019 23:51 Uhr
    Was hören und sehen die Menschen denn heute schon wieder nicht?
    Das Sterben der Meinungsfreiheit?
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