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Karlsruhe Kombilösung: Schon 1970 gab es Vision der "Unterpflaster-Straßenbahn"

Bald geht es in Sachen Kombilösung ans Eingemachte: Nach der Tunneltaufe am Wochenende, wird der Tunnelbohrer spätestens Anfang November seine 2,4 Kilometer lange Reise durch den Karlsruher Untergrund antreten. Zehn Meter Tunnel soll er am Tag schaffen - ein erster großer Schritt auf dem Weg zur bahnfreien Innenstadt. 2017 sollen die ersten Bahnen unter der Kaiserstraße durchrollen - eine Karlsruher Vision, die seit über 50 Jahren existiert. Bereits in den 70er Jahren gab es erste Überlegungen zu einer U-Strab - einer Unterpflaster-Straßenbahn.

Im August 1970 wurde eine "Arbeitskreis U-Strab" bei der Stadt eingerichtet: Er sollte den Verkehr auf der Kaiserstraße analysieren. Ein Jahr und einen Monat später präsentierte der Arbeitskreis seine Ergebnisse. Bemängelt wurde insbesondere der Individualverkehr, welcher sich negativ auf die Pünktlichkeit der Straßenbahnen auswirkte. Das Projekt "U-Strab" war geboren - unterstützt wurde sie vom damaligen Oberbürgermeister Otto Dullenkopf.

U-Bahn, Bus oder Stadtbahntunnel?

Zur Debatte stand ein U-Bahn und ein Buskonzept. Ersteres verwarf man recht schnell, hierzu hätte ein völlig neues Verkehrsnetz aufgebaut werden müssen - auch an nicht verkehrskritischen Stellen außerhalb der Stadt. Zudem galt eine U-Bahn für die Größe Karlsruhe als überdimensioniert. Auch ein Umstieg auf Omnibusse kam für die Stadt nicht infrage: Zum einen wäre alle 24 Sekunden ein Bus durch die Kaiserstraße gerauscht, zum anderen hätte sich dies kontraproduktiv auf das ursprüngliche Ziel - den Verkehr in der Innenstadt zu reduzieren - ausgewirkt.

Als einzig sinnvolle Lösung galt ein Stadtbahntunnel. Ein Blick in die Entwürfe zeigt - diese Planungen sind unverkennbar die Vorfahren der heutigen Kombilösung. Die Ost-West-Strecke sollte nach den Planungen in den 70er Jahren hinter der Tullastraße abgesenkt und unter der Markgrafen- und Erbprinzenstraße sowie unter der Hauptpost (Europaplatz) bis westlich des Mühlburger Tors hindurch geführt werden. Einziger Unterschied: Der aktuelle Stadtbahntunnel beginnt kurz vor dem Durlacher Tor und nimmt den "kürzeren Weg" unter der Kaiserstraße durch.

Ursprünglicher Tunnel war mit 17 Kilometer geplant

Auch ein Südabzweig war in den alten Plänen vorgesehen - allerdings ambitionierter und länger als der jetzige: Am Rondellplatz sollte ein zentraler Umsteige- und Knotenpunkt entstehen. Von dort würde die Bahn unterirdisch nach Süden unter dem Hauptbahnhof hindurch fahren und erst nördlich des Dammerstocks wieder oberirdisch auf die Trasse der Albtalbahn treffen.

Doch die Überlegungen in den 70er Jahren waren noch ehrgeiziger: Man spielte mit dem Gedanken einer Erweiterung vom Europaplatz in die Nordweststadt. Als langfristige Option schloss man eine Verlegung aller Linien unter die Erde nicht aus - das wären insgesamt 17 Kilometer Tunnel gewesen. Veranschlagt wurden dafür 612 Millionen Mark. Die "Sparversion" des Tunnels mit nur sechs Kilometern und ohne Erweiterung schätzte die Stadt damals auf 230 Millionen Mark.

Zwei Faktoren führten zum Aus der U-Bahn

Schließlich führten zwei Faktoren zum Aus der Unterpflaster-Straßenbahn: Zum Einen wurde 1972 die Unterführung der Kriegsstraße für den allgemeinen Autoverkehr freigegeben. In der Innenstadt richtete man zwei Fußgängerzonen am Marktplatz und dem heutigen Europaplatz ein. Schnell hatten sich die Autofahrer umgewöhnt - der Verkehr reduzierte sich zwischen Waldhornstraße und Kaiserplatz merklich. Der zweite Faktor für das Aus der U-Strab in den 70er Jahren war ein Gutachten 1976: Dieses ergab, dass das Karlsruher Bahn- und Bussystem fast optimal sei. Eine U-Strab wäre nur langfristig realisierbar.

So verschwanden die Pläne rund 15 Jahre in der Schublade: 1992 brachten die Verkehrsbetriebe Karlsruhe (VBK) das Thema U-Strab wieder auf den Tisch. Der Vorschlag eines Straßenbahntunnels unter der Kaiserstraße wurde nach heftigen öffentlichen Debatten 1996 in einem Bürgerentscheid jedoch abgelehnt. Sechs Jahre später sollte es dann soweit sein: Rund 32 Jahre nachdem das Thema "U-Strab" aufkam, stimmten am 22. September 2002 die Mehrheit der Bürger für den Bau der Kombilösung. 2010 war schließlich Baubeginn.

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  •   andip
    (8210 Beiträge)

    27.10.2014 15:24 Uhr
    Tja
    Hätte man damals in den 70ern diese Tunnelpläne tatsächlich realisiert,dann wäre eines sicherlich anders gewesen:
    Die damalige Karlsruher Bevölkerung wäre damit einverstanden gewesen und die heutige wäre froh darüber.
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  •   ralf
    (3527 Beiträge)

    06.11.2014 03:49 Uhr
    Dann würde nun die Sanierung anstehen
    Derzeit hat Duisburg Probleme mit der Finanzierung der Sanierung. Möglicherweise werden Tunnel wie in Ludwigshafen stillgelegt. Übrigens wäre der Albtalbahnhof wohl aufgegeben worden, damit möglicherweise die Möglichkeit der Rampe nach Durmersheim/Pfalzbahn verbaut. Durch einen gigantischen Nord-Süd-Tunnel von der Nordweststadt bis zum Dammerstock hätte jedoch die Betriebsstabilität der S1/S11 profitiert.
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  •   cheddow
    (254 Beiträge)

    06.11.2014 09:34 Uhr
    Richtig
    und auf grund der vielen wegen defekt liegengebliebener S1/S11- Bahnen der letzten Jahre, hätte man sich noch die Geisterbahn auf der Karlsruher Mess gespart.
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  •   Bennobaumstark
    (171 Beiträge)

    27.10.2014 13:19 Uhr
    Und schon 1970 galt folgende Weisheit:
    Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen.
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  • unbekannt
    (322 Beiträge)

    27.10.2014 16:31 Uhr
    Das gilt nur für Vorstadtspießer.
    Weil der Inhalt der Visionen nix taugt.
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  •   acri
    (37 Beiträge)

    27.10.2014 09:17 Uhr
    Satire über Karlsruhe/KASIG
    Bei Bauarbeiten: Uralte Stadt namens "Karlsruhe" entdeckt

    grinsen
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  •   Waterman
    (5855 Beiträge)

    27.10.2014 09:05 Uhr
    1947
    gab es einen Wettbewerb zum Wiederaufbau der Kaiserstraße.

    Da wurde u.A. auch eine Höherlegung der Gehwege vorgeschlagen.

    Dadurch wäre die Straba quasi "tiefergelegt" worden.

    Was würde obenlang dazu heute sagen? grinsen
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  •   LaCage
    (2158 Beiträge)

    27.10.2014 08:55 Uhr
    Es wird nicht schneller werden, das ist wie ein 3er Streifen auf der A8
    der nach wenigem km wieder in einen 2er übergeht, es bildet sich ein Stau, die Durchschnittsgeschwindikeit bricht ein.

    Schön wäre es, wenn die leeren gelben Blechlawinen verschwinden würden, Sinn machen würde dies jedoch eher an den Stellen, wo Sie den Autoverkehr behindert.
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  •   dipfele
    (4178 Beiträge)

    27.10.2014 10:19 Uhr
    die behindern doch den ...
    ... Autoverkehr nicht, sondern die Shopping- Eltern. Die können demnächst entspannt auf dem Marktplatz Kaffee trinken und müssen ihren Nachwuchs nicht mehr vor herannahenden Strassenbahnen warnen. So unser lieber Bundesverdienstkreuzträger Fenrich in "Kombi aktuell" vom Oktober 2009.
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  • unbekannt
    (3882 Beiträge)

    27.10.2014 07:51 Uhr
    und damals konnte man
    noch mit dem Auto in die Kaiserstraße fahren, das waren noch Zeiten.

    Wenn die Scheiß-Asso- Bahnen endlich weg sind könnte man in der Mitte der Kaiserstraße eine Reihe PAarkplätze machen und die Kaiserstraße wieder für den Verkehr freigeben.
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