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Karlsruhe Hitlers Größenwahn: So sollte ein "Germania" in Karlsruhe entstehen

Auf der einen Seite das Staatstheater, auf der anderen Seite das große ECE-Einkaufszentrum: Heute erinnert nicht mehr viel daran, dass mit dem Ettlinger-Tor-Platz einst große Pläne geschmiedet wurden. Als Teil der Via Triumphalis sollte dort ein Monument entstehen. ka-news.de wagt einen Blick zurück - in die Pläne des Architekten Carl Peter Pflästerer.

Das monumentale Gebäude Oberpostdirektion an der Ettlinger Straße wird schon lang nicht mehr von der Post benutzt, sondern seit Anfang der 2000er von der Volkswohnung GmbH.

Einzige Gebäude, das umgesetzt worden ist

Es ist ein berühmtes Beispiel für die Architektur in der Zeit des Nationalsozialismus und das einzige Bauwerk, das im Rahmen der geplanten Umgestaltung des Ettlinger-Tor-Platzes und der Ettlinger-Tor-Straße im Dritten Reich tatsächlich zustande gekommen ist.

Modellbild des Ettlinger-Tor-Platzes nach Hermann Billing, zwischen 1930 und 1934
Modellbild des Ettlinger-Tor-Platzes nach Hermann Billing, zwischen 1930 und 1934 | Bild: Stadt AK 1/H Reg 1177

Schon 1872 werden die Gebäude des damaligen Ettlinger-Tor-Platzes abgerissen und der ganze Platz soll neu gestaltet werden, jedoch wird die Neugestaltung immer wieder verschoben und verzögert. Unter anderem durch den Ersten Weltkrieg.

"Forum des Dritten Reiches": Symmetrie ist gewünscht

1924 wird eine Art Wettbewerb für die Neugestaltung ausgerichtet, bei dem auch Hermann Billing, Oberbaurat von Karlsruhe, aufgefordert wird, Pläne einzureichen. Billing entwirft einen großen Platz mit zwei pavillionartigen Gebäuden.

Zwei symmetrische Gebäude schließen sich an. Billing ist jahrelang mit dem Projekt beschäftigt und die Pläne werden immer wieder überarbeitet. 1933 ändert er noch die Fassadengestaltung, damit sie den Wünschen der NSDAP entsprechen.

Erbaut zwischen 1935 und 1938

Die neue nationalsozialistische Regierung unterstützt den Bau. "Die heutige aufs Große gerichtete Zeit hat die Möglichkeit zur Schaffung eines Monumentalplatzes am Ettlinger Tor, zu seiner Ausgestattung zu seinem Forum des Dritten Reichs", sagt sie zur neuen Gestaltung.

"In erster Linie muss die Verkörperung der badischen NS-Bewegung am Forum stattfinden." Zwischen 1935 und 1938 wird das Gebäude der Oberpostdirektion, die Bauherr für das Gebäude ist, erbaut.

Perspektive Gauhaus Große Halle
Perspektive Gauhaus, Blick in die Große Halle. | Bild: 7/NL Pflästerer 171 18

Die Nationalsozialisten bestimmen 25 bis 30 deutsche Städte (Angaben variieren), die sogenannten "Neugestaltungsstädte", die mit monumentalen Parteibauten versehen werden sollen. Bedingt durch den Kriegsverlauf werden die Projekte zum großen Teil nicht realisiert. Karlsruhe gehörte allerdings nicht zu diesen Städten, war keiner strengen Bauanordnung unterworfen.

Carl Peter Pflästerer muss Posten räumen

Dennoch wird Billing immer mehr mit den Forumsplänen für die Gauhauptstadt Karlsruhe konfrontiert, die hauptsächlich durch Stadtbaurat Pflästerer vorangetrieben werden.

Carl Peter Pflästerer ist Leiter des Stadterweiterungsbüros, doch wird der SPD-Anhänger schon 1933 aus seiner Position von Bauingenieur Johannes Dommer verdrängt, der 1931 in die NSDAP eingetreten ist, und deswegen wahrscheinlich bevorzugt wird.

Via Triumphalis rückt in den Mittelpunkt

Im Dritten Reich fokussiert sich die Planung besonders auf die Nord-Süd-Achse Karlsruhes - auch Via Triumphalis genannt -, da an dieser Achse das Gauforum als zentraler, ideologisch aufgeladener Ort des Gaus Baden entstehen soll.

Bereits im Sommer 1933 ist der Platz am Ettlinger Tor ein Thema der Stadtplanung mit dem sich Pflästerer beschäftigt. Auch die Ettlinger Straße soll neu gestaltet werden. 1934 fertigt Pflästerer eine Skizze für ein Gebäude an der Ettlinger Straße und wird im August auf den "Führer" vereidigt.

Gauhaus Skizze
Skizze des Gauhauses. | Bild: 7/NL Pflästerer 148

Zwischen 1936 und 1939 entstehen von Pflästerer verschiedene sehr detaillierte Entwürfe für die Ettlinger Straße, an der auch das für die NS-Stadtplanung übliche Gauforum liegen sollte. Vom Ettlinger-Tor-Platz Richtung stadtauswärts sollen "Monumentalbauten von Partei und Staat" liegen.

Dazu gehören unter anderem das Gauhaus, das Justizgebäude und ein neues Theater. Weitere Gebäude sollen am Durlacher Tor, in der Kaiserstraße und im Bereich des heutigen Stadtgarten/Zoos liegen. 

Ein Blick in die Pläne: So sollte es in Karlsruhe aussehen

Im Frühjahr 1938 wird Pflästerer zum Oberbaurat ernannt und 1939 wird er zum Leiter der Abteilung für Städtebauliche Sonderaufgaben, eine Wiedergutmachung für seinen Positionsverlust zu Beginn der NS-Zeit.

Er bekommt das Treudienst-Ehrenzeichen der 2. Stufe von Hitler verliehen. Seine ersten Pläne für den Bauabschnitt der Nord-Süd-Achse Karlsruhes liegen vor, beschränken sich auf den Ettlinger-Tor-Platz. 1940 werden die Pläne nochmals geändert und minimiert. 

Modellbild Platz vor dem Gauhaus und Platz vor der Stadthalle
Modellbild Platz vor dem Gauhaus und Platz vor der Stadthalle | Bild: 7/NL Pflästerer 171 7

Obwohl die Planungen nicht realisiert werden setzt Pflästerer sie zwischen 1940 und 1945 fort. Er nutzt, im Sinne des NS-Stils, sehr gerade Formen und Linien und zeichnet Skizzen von Türmen, das Gauhaus, eine Halle für die Deutsche Arbeitsfront (DAF), eine Ehrenhalle, ein Theater und ändert seine früheren Pläne für ein Gauhaus.

Alle Darstellungen sind sehr detailliert und teilweise in Farbe gezeichnet, der Himmel wird effektvoll dargestellt, die Räume durch die Anwesenheit von Menschen lebendig gemacht.

Entenfang sollte "Eingangsplatz im Westen" werden

Bei seinen Entwürfen für die Kaiserstraße und die Kaiserallee sollen keine Monumentalbauten entstehen, sondern die durch ihre Symmetrie geprägten Gebäude sollen eher funktionalen Charakter haben, wie seine Pläne für den Durlacher-Tor-Platz und den Platz im Bereich von Entenfang, den er "Eingangsplatz im Westen" nennt, zeigen.

Perspektive Blick in den Stadthalleplatz
Perspektive Blick in den Stadthalleplatz | Bild: 7/NL Pflästerer 171 17

1940 wird das Elsass besetzt und der Gau Baden-Elsaß wird gegründet. Es gibt Pläne, die Gauhauptstadt nach Straßburg zu verlegen, mit dem Ergebnis, dass keine Sondergelder mehr für Bauten in Karlsruhe stehen würden. Pflästerer kämpft um den Erhalt Karlsruhes als Gauhauptstadt und macht verschiedene Vorschläge für Bauabschnitte, die sich als zu teuer erweisen.

Karlsruhe verliert offiziell den Status als Gauhauptstadt nicht, obwohl Straßburg tatsächlich als neue Gauhauptstadt von Baden-Elsaß geführt wird. Doch die Entwürfe von Carl Peter Pflästerer während der NS-Zeit bleiben lediglich als Skizzen und Modelle.

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  •   teflon
    (2903 Beiträge)

    17.02.2020 15:09 Uhr
    Wobei ich mich bei der Optik
    der derzeitigen Bauprojekte - siehe Finanzamt neu - wirklich frage, ob da der grosse Unterschied zu sehen ist. Man ist da IMO sehr nah an dem von den Herren Speer & Schickelgruber Erdachten dran. Und die Ustrab wäre da in jedem Falle gekommen - man braucht die Kaiserstrasse ja zum Paradieren n und nicht zum Flanieren oder Straba-Rumgondeln;-)
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  •   malerdoerfler
    (6053 Beiträge)

    16.02.2020 20:31 Uhr
    Das ist nun ja Geschichte........
    ......tragisch, dass Karlsruhe schon zu Adolfs Zeiten seinen Status als Hauptstadt verlor.
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  •   andip
    (10268 Beiträge)

    17.02.2020 08:38 Uhr
    Naja
    Ob dieser Hauptstadttitel so erstrebenswert war?
    Und heutzutage gäbe es auch keine Gauhauptstädte mehr.
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  •   Berty87
    (788 Beiträge)

    16.02.2020 15:44 Uhr
    Und
    Wäre das so schlimm wenn dieser es fertigstellen hätte lassen.
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  •   HerrNilson
    (1404 Beiträge)

    16.02.2020 18:38 Uhr
    Willst
    Du in einer Gröfaz-Welt leben oder wie kann ich das verstehen?
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  •   Svantovit
    (112 Beiträge)

    17.02.2020 09:25 Uhr
    GröFaZ-Quatsch
    Wo wurde erwähnt, daß sich jemand A.H. zurück wünscht? Ein typischer Reflex auf alles aus dieser Zeit? Vielmehr geht es darum, daß das was heute an Gebäuden steht, alles andere als Sehenswert ist. Angefangen beim Staatstheater bis hin zum Gebäudekomplex eingebettet zwischen Karl-Friedrich-str. und Kreuzstr. .
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  •   BMWFahrer
    (273 Beiträge)

    17.02.2020 21:00 Uhr
    Wobei die größten Bausünden
    in der Nachkriegszeit erfolgten
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  •   Maverick
    (209 Beiträge)

    17.02.2020 10:25 Uhr
    Warte schon bis die ersten fordern die Volkswohnung
    möge ihr Gebäude abreißen, und öffentlich Buße tun. grinsen
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  •   Gegengerade1975
    (206 Beiträge)

    16.02.2020 15:56 Uhr
    ja
    und wer hätte es bezahlt? und was willst du mit so einer steinwüste anfangen? vierordtsbad abgerissen, der halbe stadtgarten zugpflastert, grauenhaft!
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  •   Maverick
    (209 Beiträge)

    16.02.2020 11:02 Uhr
    Schlechter als das heutige
    Durcheinander sind die Pläne auch nicht. War auch ein U-Sträble geplant?
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